Titel: Pneumatisches Hilfssignal auf Eisenbahnzügen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 2 (S. 252)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi03_2

Pneumatisches Hilfssignal auf Eisenbahnzügen.

Bei Benutzung der selbstthätigen pneumatischen continuirlichen Bremsen, welche ja, und zwar durch blose Verminderung des Luftdruckes, von jedem der Zugsbeamten in Thätigkeit gesetzt werden können, liegt der Gedanke nahe, in verwandter Weise auch den Reisenden die Möglichkeit zu verschaffen, den Zugsbeamten Signale zu geben. Damit indessen nicht durch Miſsbrauch der Signaleinrichtungen den Zügen ohne Noth Aufenthalt veranlaſst werde, hatte die französische Westbahngesellschaft die Forderung gestellt: einen Apparat zu erfinden, welcher blos mittels der für die Bedienung der Bremsen nöthigen Luftröhren den Reisenden zwar den Zugsbeamten ein Signal zu geben gestattet und den Ort, von wo das Signal ausgeht, kenntlich macht, ohne jedoch unbedingt ein Anhalten des Zuges herbeizuführen. Die Compagnie Westinghouse hatte mit einer dazu bestimmten Anordnung schon i. J. 1878 die Weltausstellung beschickt und es ist dieselbe in der Revue industrielle, 1881 * S. 75 näher beschrieben (vgl. 1877 223 * 24). Bei derselben war jeder Wagen mit einer Pfeife ausgerüstet, der durch einen Hahn die Luft aus der Bremsenrohrleitung zugeführt wurde, wenn in irgend einem der Coupes des Wagens an einem Griff gezogen und dadurch der Hahn geöffnet wurde, welcher dann nur von der Auſsenseite des Wagens wieder geschlossen werden konnte. Bei den zahlreichen Versuchen, die i. J. 1880 auf der Westbahn zwischen Paris und Versailles mit diesem Apparate angestellt wurden, zeigte sich aber, daſs man entweder die Mündung der Pfeife so eng machen muſste, daſs die ganze Signaleinrichtung nicht mehr mit der nöthigen Zuverlässigkeit arbeitete, oder daſs man, um ein Versagen zu verhüten, die Mündung entsprechend groſs nehmen muſste und dann zu gewärtigen hatte, daſs bei Benutzung des Signals auch die Bremsen in Thätigkeit kamen und den Zug zum Stillstehen brachten.

Dies veranlaſste die Westbahn dazu, den Westinghouse'schen Signalapparat einigermaſsen abzuändern, damit er zwar empfindlich genug ist, um schon bei einer so geringen Luftdruck Verminderung, bei welcher der Kolben in dem der Luft den Zutritt zu dem Cylinder der Bremse eröffnenden Ventile dazu noch nicht weit genug gesenkt wird, sicher zu arbeiten, und doch eine Bremsung nicht herheiführt. Bei dieser Einrichtung senkt eine in Thätigkeit gesetzte Hilfssignalpfeife eines Wagens den erwähnten Kolben nur um etwa 4mm, während er erst bei einer Senkung um 9 bis 10mm der Luft den Weg nach dem Bremscylinder eröffnet. Die Luft, welche zur Oeffnung des Ventiles der Signalpfeife auf der Locomotive gebraucht wird, wird nicht mehr der Rohrleitung für die Bremseinrichtung entnommen, sondern einem Hilfsluftbehälter. Bezüglich der näheren Einrichtung des Apparates sei auf das Génie civil, 1882 Bd. 3 * S. 75 verwiesen.

E–e.

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