Titel: Aufsuchung der Lage von Geschossen im menschlichen Körper mit Hilfe von Hughes' Inductionswage.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 6 (S. 331–332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi04_6

Aufsuchung der Lage von Geschossen im menschlichen Körper mit Hilfe von Hughes' Inductionswage.

Die Anordnung, welche der von Hughes angegebenen und im Lumière électrique, 1879 S. 108 beschriebenen und abgebildeten Inductionswage gegeben worden ist, wenn sie zur Aufsuchung von Geschossen, von Granatsplittern u. dgl. benutzt werden soll, ist nach Lumière électrique, 1881 S. 220 folgende: Auf zwei Röhren T1 und T2 aus Glas oder irgend einer isolirenden Substanz sind die Drahtspiralen A1 und B1 bezieh. A2 und B2 aufgesteckt und zwar sind die auf T1 steckenden Spiralen A1 und B1 parallel, die auf T2 steckenden A2 und B2 entgegengesetzt gewickelt. Die 4 Spiralen bilden zwei getrennte Stromkreise. In den Stromkreis der Spiralen A1 und A2 ist ein Telephon, in den Stromkreis der Spiralen B1 und B2 eine galvanische Batterie und ein Stromunterbrecher eingeschaltet. Die Spirale A2 ist an einem einarmigen Hebel befestigt, welcher durch eine an seinem Ende befindliche Schraube gehoben und gesenkt werden kann; dadurch läſst sich die Entfernung der Spiralen A2 und B2 so reguliren, daſs die von den Spiralen B1 und B2 in A1 bezieh. A2 inducirten, einander entgegengesetzten Ströme sich gerade das Gleichgewicht halten, was man daran erkennt, daſs dann das Telephon bei den Stromunterbrechungen keinen Ton gibt. Bringt man in die Röhre T1 ein Metallstück P1, so wird das Gleichgewicht der Inductionsströme in A1 und A2 gestört und das Telephon kommt zum Tönen. Bringt man nun in die Röhre T2 ein dem ersten gleiches Metallstück P2, so läſst sich eine Lage dieses Stückes finden, bei welcher der Ton wieder verschwindet, und zwar findet dies dann statt, wenn P2 dieselbe Entfernung von A2 hat wie P1 von A1 , so daſs durch die eine Entfernung auch die andere bestimmt ist.

Um diese Inductionswage zur Aufsuchung von Geschossen im menschlichen Körper anzuwenden, muſs die Rohre T1 beweglich sein. Dieselbe wird so lange über dem Körper des Verwundeten hin und her verschoben, bis man die Stelle gefunden hat, wo das Telephon den stärksten Ton gibt. Es ist klar, daſs sich dann die gesuchte Kugel in der Achse der Röhre T1 befindet. Um nun weiter festzustellen, in welcher Tiefe sie sitzt, hat man nur nöthig, in der Achse des Rohres T2 eine Kugel derselben Art und Gröſse so lange zu verschieben, bis der Ton wieder verschwindet. Die Entfernung dieser Kugel von A2 ist dann gleich der Entfernung der gesuchten Kugel von A1.

Mittels einer solchen Inductionswage ist von Al. Graham Bell die Lage der Kugel im Körper des verstorbenen Präsidenten Garfield bestimmt worden. Die Form, in welcher Bell dabei das Instrument anwendete, ist von ihm in Comptes rendus, 1881 Bd. 93 * S. 625 beschrieben worden. Es enthält zwei Paar flache Spulen, die parallel über einander liegen, so daſs jede die andere bis zur Mitte überragt; das eine Paar ist groſs, das andere viel kleiner. Die eine groſse und die eine kleine liegen in dem Batteriestromkreise und zur Erhöhung der Wirkung wird nach Prof. Rowland's Vorschlag ein Condensator |332| ihnen beigegeben; die beiden anderen Spulen liegen mit dem Telephon im inducirten Stromkreise. Da man die groſsen Spulen nicht leicht so genau über einander legen kann, daſs, wenn sie allein vorhanden wären, im Telephon kein Ton zu hören wäre, verschiebt man die kleinen mittels einer Mikrometerschraube so lange, bis das Telephon vollkommen schweigt.

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