Titel: Versuche über Festigkeit und Leitungsfähigkeit des Phosphorbronzedrahtes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 4 (S. 408–409)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi05_4

Versuche über Festigkeit und Leitungsfähigkeit des Phosphorbronzedrahtes.

Ueber die absolute Festigkeit und die Leitungsfähigkeit des Phosphorbronzedrahtes1) hat die Deutsche Reichstelegraphenverwaltung, welche der Verwendung dieses Drahtes für ihre ausgedehnten oberirdischen Fernsprechanlagen von Anfang an eine groſse Aufmerksamkeit zugewendet hat, eingehende Versuche2) angestellt, über deren Ergebnisse in der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1882 S. 117 Folgendes mitgetheilt wird.

Es wurden Drähte von zwei verschiedenen Lieferern der Prüfung unterworfen.

Die eine Lieferung betraf Drähte von 0mm,70, 0mm,75, 0mm,85, 1mm,20 (harter Draht) und 1mm,20 (weicher, geglühter Draht) Stärke. Es zerriſs:

der 0,70mm starke Draht bei durchschnittlich 14,50k
0,75 17,50
0,85 22,50
1,20 (hart) 45,625
1,20 (weich) 30,00

und es ergab sich als durchschnittliche absolute Festigkeit für 1qmm Querschnitt:

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bei dem 0,70mm starken Drahte höchstens 37,70k
0,75 39,60
0,85 39,70
1,20 (hart) 40,30
1,20 (weich) 26,80

Der durchschnittliche Leitungs widerstand für 1km Länge bei einer Temperatur von + 18° betrug:

bei dem 0,70mm starken Drahte 325,692 S-E
0,75 234,991
0,85 179,954
1,20 (hart) 84,175
1,20 (weich) 86,612

oder für 1km Länge und 1qmm Querschnitt:

bei dem 0,70mm starken Drahte 125,34 S-E
0,75 103,81
0,85 102,11
1,20 (hart) 95,19
1,20 (weich) 97,95

Von der anderen Lieferung wurden Drähte von 1mm,00, 1mm,20 und 1mm,25 Stärke geprüft. Der 1mm,25 starke Draht war etwas mehr gehärtet als die beiden anderen Drahtsorten. Bei den Versuchen zerriſs:

der 1,00mm starke Draht bei durchschnittlich 38,75k
1,20 55,42
1,25 91,83

und es ergab sich eine durchschnittliche absolute Festigkeit für 1qmm Querschnitt:

des 1,00mm starken Drahtes von höchstens 49,30k
1,20 49,00
1,25 74,80

Für 1km Länge bei einer Temperatur von + 18° fand sich als Leitungswiderstand:

bei dem 1,00mm starken Drahte im Durchschnitt 159,540 S-E
1,20 94,118
1,25 63,404

oder für 1km Länge und 1qmm Querschnitt:

bei dem 1,00mm starken Drahte im Durchschnitt 125,30 S-E
1,20 106,45
1,25 77,81

Es muſs noch bemerkt werden, daſs bei den sämmtlichen Versuchen die einzelnen Drahtsorten unter sich sowohl bezüglich der absoluten Festigkeit, als auch bezüglich des Leitungswiderstandes sehr groſse Verschiedenheiten zeigten.

Der von der Deutschen Reichstelegraphenverwaltung für die oberirdischen Fernsprechleitungen in den Städten verwendete Guſsstahldraht von 2mm,2 Stärke hat eine absolute Festigkeit von 551k oder von 145k für 1qmm Querschnitt und einen Leitungswiderstand von 54,32 S-E für 1km Länge bezieh. von 206,416 S-E für 1km Länge und 1qmm Querschnitt.

Die ungünstigen Ergebnisse dieser Versuche haben die Deutsche Reichstelegraphenverwaltung veranlaſst, vorläufig von einer gröſseren Verwendung des Phosphorbronzedrahtes abzusehen.

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Die in D. p. J. 1882 243 433 angegebenen günstigeren Zahlenwerthe entstammen (wie in einem längeren, über den Phosphorbronzedraht und seine Verwendung zu Telephonanlagen handelnden Artikel in Engineering, 1882 Bd. 33 S. 193 mitgetheilt wird) den von H. Viarez in Paris für die Compagnie générale d'Électricité mit der Wheatstone'schen Brücke und Thomson's Spiegelgalvanometer durchgefürten Versuchen. Zur Festigkeitsbestimmung diente eine besonders von Dumoulin-Froment für L. Weiller geliefertes Dynamometer, in welchem der Zug durch eine mittels einer Handkurbel umgedrehte Schraube auf den Draht ausgeübt wird. – Neuere Versuchsergebnisse für Phosphorbronzedraht und zugleich für einen neuerdings patentirten Siliciumkupferdraht theilt L. Weiller in der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1882 S. 159 mit und ebenda S. 164 findet sich eine Zusammenstellung der durch die verschiedenen Versuche erlangten Zahlen, zurückgeführt auf eine und dieselbe Einheit.

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Ueber eine Reihe von Versuchen, welche von Felten und Guillaume in Mülheim a. Rh. mit Drähten aus verschiedenem Material angestellt worden sind, wird in der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1882 S. 73 berichtet.

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