Titel: Edison's groſse Dynamomaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 5 (S. 409–411)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi05_5

Edison's groſse Dynamomaschinen.

Edison hatte nach dem Scientific American, 1881 * Bd. 45 S. 367 in Paris eine der groſsen Dynamomaschinen ausgestellt, welche in New-York die Elektricität zur Vertheilung in den Straſsen liefern sollen. Die guſseiserne Grundplatte für die Dynamomaschine und die Dampfmaschine mit den Lagern wiegt 4355k, die Magnete 11113k, der Anker (die Armatur) mit Welle 3856k und die Dampfmaschine 4536k. Das Gesammtgewicht des Kupfers in dem 1m,52 langen Anker von 0m,71 Durchmesser und den 2m,44 langen Magneten beträgt 1633k. Die kräftige Dampfmaschine treibt die Armatur unmittelbar; beide |410| machen 350 Umdrehungen in der Minute. Der Dampfdruck im Kessel beträgt über 8at. Die 3856k schwere Armatur wirkt zugleich als Schwungrad und deshalb ist der Gang sehr gleichmäſsig und das Licht sehr stetig. Der Anker ist nach Siemens'scher Art angeordnet, die Drähte sind jedoch durch Kupferstäbe ersetzt, welche dicht neben einander liegen und deren Enden mit je zwei der Kupferscheiben verbunden sind, welche an beiden Enden des Ankers dicht neben einander und gegen einander isolirt auf der Achse aufgesteckt sind. Je zwei Kupferdrähte mit ihren Scheiben bilden eine Windung und sind mit dem Commutator Gramme'scher Art verbunden. Auf der Achse des Ankers sitzt zunächst ein Holzcylinder, welcher von einer aus sehr dünnen, durch Seidenpapier gegen einander isolirten Eisenscheiben gebildeten Röhre umgeben ist; diese Anordnung erleichtert die raschen Wechsel der magnetischen Polarität. Mittels zweier dicker Scheiben werden die dünnen zusammengepreſst und auf diesen liegen, sie umgebend, zugleich die Kupferscheiben, welche durch die staffelförmig gegen einander verstellten Kupferstäbe verbunden sind. – Die Centralstation soll 12 Dampfmaschinen von je 150e erhalten und jede Dynamomaschine soll 2400 Lampen von je 8 Kerzen speisen.

Zwei ähnliche, in Einzelnheiten jedoch abweichende Maschinen sind nach Engineering, 1882 Bd. 33 * S. 226 kürzlich von New-York nach London gebracht worden und sollen daselbst von der Edison Electric Light Company die Elektricität zur Beleuchtung des Holborn-Viaduct, eines Theiles des General Post Office und des ganzen City Temple liefern. Es kommen da nicht weniger als 1000 Vollglühlichter (füll size lamps) zur Verwendung, d.h. solche mit 16 Kerzen Lichtstärke. Es arbeitet stets nur eine Maschine, die andere dient als Reserve. Die horizontale Porter'sche Dampfmaschine hat 130e. Das magnetische Feld bilden 12 in 3 Reihen über einander liegende horizontale Elektromagnete von 2m,44 Länge, welche zu je 6 parallel geschaltet sind; zwei Reihen liegen am oberen, die dritte an dem unteren Polschuh; die hinteren Enden aller 3 Reihen sind durch eine massive Platte mit einander verbunden. Der ebenfalls (wie bei der Pariser Maschine) cylindrische Anker macht innerhalb der Polschuhe 350 Umdrehungen in der Minute. Er besteht aus nicht weniger als 2200 dünnen, mit Seidenpapier abwechselnden, durch 8 Bolzen zusammengehaltenen Eisenscheiben; in Abständen von je 0m,3, in der Achsenrichtung gemessen, liegt dagegen eine dicke Eisenscheibe, was dem Anker die nöthige Steifigkeit gibt. 108 Kupferstäbe bilden die Bewickelung und enden in der nöthigen Abwechselung an einer gleichen Zahl von isolirten Kupferscheiben; man erhält so eine der Länge nach über den Eisenkern gewickelte Spirale von sehr geringem Widerstand. Der Widerstand des Ankers ist nur 0,00049, der Widerstand der die Schenkel enthaltenden Abzweigung dagegen 21 Ohm. Die Länge des Ankers miſst 1m,52, sein Durchmesser 0m,71, sein Gewicht über 4000k; das Loch in den Polschuhen hat nur einen um 6mm,3 gröſseren Durchmesser. Um die Stäbe sind in kurzen Abständen Windungen von Stahldraht über Glimmerbänder gewickelt, zum Schutz gegen die bedeutenden Wirkungen der Centrifugalkraft. Die Kühlung wird durch 3 Luftströme bewirkt, welche ein kleiner, von der Maschine getriebener Ventilator liefert und dem Anker in seiner Mitte zuführt, so daſs sie in ihm nach links und rechts gehen und an den beiden Enden merklich warm entweichen.

Edison benutzt in seinen Lampen carbonisirte Bambusfaser, Swan in besonderer Weise carbonisirte Baumwolle, Maxim in Gasolindampf behandeltes Papier und Lane Fox in ähnlicher Weise behandelte vegetabilische Faser. Um eine unzulässige Erhitzung zu vermeiden, legt Edison in den Stromkreis jeder Lampe an dessen Abzweigungsstelle ein kurzes Stück Bleidraht oder sonst einen leicht schmelzenden Leiter.

Auch in der Elektricitätsausstellung im Crystal Palace zu Sydenham hat die Edison Electric Light Company eine Glühlichtanlage gemacht, welche im Engineering, 1882 Bd. 33 * S. 252 beschrieben ist. Sie enthält 680 Volllampen (mit 128 bis 132 Ohm Widerstand, während eine Halblampe von nur 8 Kerzen Lichtstärke 63 Ohm hat). 12 von drei 25e-Dampfmaschinen getriebene Edison'sche „A“-Maschinen, mit langen aufrecht stehenden Schenkeln liefern den |411| Strom; der Anker macht 1200 Umdrehungen in der Minute und besitzt dabei eine elektromotorische Kraft von 110 Volt; der Anker hat 0,14, die hinter einander geschalteten Schenkel 60 Ohm Widerstand. Den Strom von sämmtlichen 12 Maschinen sammeln zwei Kupferdrähte, von denen dann parallel geschaltete Zweige nach den verschiedenen Räumen des Palastes führen und sich dann wieder in die parallelen Zweige der Lampengruppen spalten. Die Regulirung der Stromstärke wird durch Regulirung des Widerstandes in dem Stromkreise der Schenkel bewirkt. Eine „A“- Maschine kann 75 Volllampen oder etwa 120 Halblampen speisen. Auch die „B“-Maschine (mit 0,035 Ohm Widerstand im Anker, und 15 Ohm Widerstand in den parallel geschalteten Schenkeln) speist etwa 120 Halblampen, ist aber nur für solche brauchbar; bei 1200 Umdrehungen besitzt sie 55 Volt.

E–e.

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