Titel: Zur Kenntniſs der Chinaalkaloide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 19 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi06_19

Zur Kenntniſs der Chinaalkaloide.

Hydrocinchonin, C19H24N2O, schied O. Hesse (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1882 S. 855) aus einer als China cuprea bezeichneten Rinde ab; dasselbe schmilzt bei 2560.

Aus den Mutterlaugen von Conchinin- und Chininsulfat wurden Hydroconchinin und Hydrochinin abgeschieden. Das Hydroconchinin, C20H26N2O2.2,5H2O, bildet leicht verwitternde Prismen, welche bei 168° schmelzen und sich leicht in heiſsem Alkohol und in Chloroform, weniger in Aether losen. Die blaue fluorescirende Lösung in verdünnter Schwefelsäure wird auf Zusatz von Chlor und überschüssigem Ammoniak dunkelgrün gefärbt. Das neutrale Sulfat krystallisirt in farblosen Nadeln, welches sich von dem Conchininsulfat durch seine Beständigkeit gegen übermangansaures Kalium in saurer Lösung auszeichnet. Das Hydrochinin, C20H26N2O2, wird aus der blau fluorescirenden schwefelsauren Lösung durch Ammoniak gefällt. Es enthält lufttrocken 7,8 Proc. Krystallwasser, schmilzt bei 168°, zeigt mit Chlor und überschüssigem Ammoniak die gleiche Reaction wie Chinin, widersteht aber länger der Einwirkung des Übermangansauren Kaliums. Das neutrale Sulfat:

(C20H26N2O2)2SO4H2.8H2O

krystallisirt in farblosen, in kaltem Wasser schwer löslichen Nadeln.

Homochinin, C19H22N2O2, krystallisirt mit 2H2O in platten Prismen, schmilzt bei 177°, löst sich leicht in Alkohol und in Chloroform, in verdünnter Schwefelsäure mit blauer Fluorescenz und färbt sich mit Chlor und Ammoniak wie Chinin. Die schwefelsaure Lösung entfärbt übermangansaures Kalium sofort. Das neutrale Sulfat, (C19H22N2O2)2SO4H2.6H2O, krystallisirt in kurzen Prismen, welche sich schwer in kaltem Wasser lösen.

Vermischt man die Mutterlauge, welche bei der Darstellung von Chininsulfat zuerst erhalten wird, nach einander mit Seignettesalz und Rhodankalium, bis durch letzteres kein Niederschlag mehr entsteht, übersättigt die klare, hellgelb gefärbte Lösung mit Natronlauge und schüttelt die frei gemachten Alkaloide mit Aether aus, so hinterläſst dieser bei seinem Verdunsten |468| eine braune, leicht bewegliche Masse von eigenthümlichem Geruch. Aus dieser Masse gehen beim Kochen mit Wasser die vorhandenen flüchtigen Basen fort, welche zweckmäſsig in verdünnter Salzsäure aufgefangen werden. Diese Lösung wird alsdann verdampft, der Rückstand mit Natronlauge vermischt und mit Aether ausgezogen. Nachdem die ätherische Lösung wiederholt mit Wasser gewaschen wurde, bringt man zu derselben tropfenweise ätherische Oxalsäurelösung, wobei das Cincholinoxalat als eine kleisterartige Masse niederfällt, welche sich bald in glänzende Blättchen umsetzt. Das aus dem Oxalat mittels Natronlauge abgeschiedene Cincholin ist ein stark basisch reagirendes, blaſs gelbes Oel, welches von Chlorkalk nicht gefärbt wird.

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