Titel: Mehrfache Teleradiophonie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 3 (S. 462–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi06_3

Mehrfache Teleradiophonie.

In der Lumière électrique, 1881 S. 19 gibt E. Mercadier eine interessante Anwendung von Bell's Photophon (vgl. 1881 240 318. 241 * 313) an. Zwei Stationen A und B sind durch eine Telegraphenleitung mit einander verbunden. |463| Auf der Station A ist in die Leitung eine Selenzelle eingeschaltet, welche durch eine Gasflamme beleuchtet wird. Das auf die Selenzelle geworfene Lichtstrahlenbündel wird durch eine mit einer Reihe von Löchern versehene, in rascher und regelmäſsiger Umdrehung befindliche Scheibe intermittirend gemacht. Dadurch wird bekanntlich ein auf der Station B in den Stromkreis eingeschaltetes Telephon zum Tönen gebracht. Die Höhe des erzeugten Tones entspricht der Geschwindigkeit, womit in A die Unterbrechungen des Lichtstrahlenbündels auf einander folgen. Mit Hilfe einer einfachen Vorrichtung kann man durch einen Druck mit der Hand für kürzere oder längere Zeit einen undurchsichtigen Schirm in den Weg der Lichtstrahlen bringen, wodurch in dem Tönen des Telephons entsprechend eine kürzere oder längere Pause eintritt. Die verschiedenen Combinationen solcher Pausen lassen sich ähnlich wie bei der Morseschrift als Buchstaben deuten und so läſst sich die beschriebene Anordnung unmittelbar zur Uebermittelung von Nachrichten benutzen.

Leicht kann man so auch eine gröſsere Anzahl von Telegrammen auf demselben Drahte gleichzeitig und zwar sowohl von A nach B hin, als auch von B nach A befördern. Zu diesem Zwecke läſst Mercadier nicht blos ein Lichtbündel, sondern eine Anzahl von Bündeln auf die Selenzelle fallen und macht jedes derselben durch eine besondere mit Löchern versehene Scheibe intermittirend, so jedoch, daſs die in B durch die einzelnen Scheiben hervorgerufenen Telephon töne verschiedene Höhe haben. Bringt man dann auf der Station B nicht ein, sondern ebenso viel Telephone an, als in A Lichtbündel und umlaufende Scheiben vorhanden sind, so wird, wenn die sämmtlichen Scheiben in A gleichzeitig arbeiten, in jedem Telephon in B derselbe zusammengesetzte Ton erzeugt werden, dessen Bestandteile die den einzelnen Scheiben entsprechenden Töne sind. Mercadier versieht nun jedes der Telephone mit einem Resonator, welcher auf den einer bestimmten Scheibe in A entsprechenden Ton abgestimmt ist, der also von den Bestandtheilen des zusammengesetzten Tones nur diesen einen Ton verstärkt. Man wird daher mit jedem Telephon deutlich nur die mit einer ganz bestimmten Scheibe gegebenen Zeichen vernehmen, so daſs je eine Scheibe und ein Telephon als zusammengehörige Apparate mit einander arbeiten, unabhängig von dem etwa gleichzeitigen Arbeiten aller übrigen. Man kann daher gleichzeitig so viel Telegramme auf demselben Drahte von A nach B hin befördern, als in A umlaufende Scheiben und in B Telephone vorhanden sind. Wenn man beide Stationen mit beiden Arten von Apparaten versieht, so kann man auch gleichzeitig noch von B nach A hin Telegramme senden.

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