Titel: Krupp's Guſsform.
Autor: Krupp, Friedr. Alfr.
Fundstelle: 1882, Band 245 (S. 20–21)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj245/ar245016

Verfahren zur Herstellung dichter Güsse; von Friedr. Alfr. Krupp in Essen.

Mit Abbildung auf Tafel 3.

Um dichte Blöcke beim Gieſsen von Eisen, Stahl, Kupfer, Bronze u. dgl. zu erhalten, besonders das so lästige Steigen weichen Stahles in den Formen zu umgehen, setzt F. A. Krupp (* D. R. P. Kl. 31 Nr. 17 056 vom 30. Juni 1881) die geschlossene Form gleich nach dem Guſse mit einem Behälter in Verbindung, welcher flüssige Kohlensäure enthält.

Der schmiedeiserne, mit geschweiſsten Fugen versehene Behälter A steht in einem Wasser- oder Oelbade C, welch ersteres durch Zuführung von Dampf oder Wasser durch die Röhren M, N in beliebiger Weise erwärmt oder abgekühlt werden kann. Dadurch kann der Druck der Kohlensäure, welcher schon bei 15° bis zu 52at steigt, bei 35° auf 82at, bei 100° auf 400 und bei 200° auf 800at erhöht werden. Die äuſserst feste Form B ist in ihrem oberen inneren Theile mit feuerfestem Material F ausgekleidet, um einem allzu raschen Abkühlen und Festwerden der Metalloberfläche vorzubeugen. Die Dichtung zwischen Form und Deckel geschieht durch einen -förmigen Metallstulpen g.

Beim Gieſsen durch die kleine Deckelöffnung ist der Deckel durch Splintbolzen fest mit der Form verbunden, während die Verbindung der Form mit dem Behälter A schon hergestellt ist. Gleich nach dem Guſs wird die Guſsoberfläche mit kaltem oder angewärmtem Sand bedeckt; sodann setzt man den Stulpring g ein, schiebt den Keil H vor und öffnet das Ventil, worauf der Druck auf die Guſsoberfläehe beginnt. Statt der -förmigen Stulpen, welche nicht allein wie gezeichnet in horizontaler, sondern auch in vertikaler Lage ( oder ) benützt werden, sind auch - und -förmige vorgeschlagen; jedoch müssen bei Anwendung der letzteren Deckel und Form besonders gestaltete Anschluſsflächen besitzen. Das Verfahren ist auch bei aufsteigendem Guſs verwendbar. In diesem Falle besitzt die oben geschlossene Form in ihrem oberen Theile ein Entlüftungsventil und daneben das Gaszuführungsrohr, während das starkwandige Einguſsrohr mit einem conischen Ventil mit Druckschraube verschlossen wird.

Für die Massenherstellung von Eisen- und Stahlblöcken besitzt auch dieses Verfahren wenig praktischen Werth; denn erstens ist eine vollkommene Dichtung der Fugen, deren Flächen keine Bearbeitung erfahren haben und meistentheils von Sand und Schmutz bedeckt sind, durch |21| Stulpringe höchst unwahrscheinlich, woraus sich ein groſser Gasverbrauch ergeben würde; auſserdem aber ist nicht einzusehen, wie die Lösung und Wiederherstellung der Verbindung zwischen Form und Gasbehälter so schnell hergestellt wird, daſs selbst bei Benutzung mehrerer Gasbehälter der Guſs der Blöcke beim Bessemer- oder Siemens-Martin-Prozefs nicht aufgehalten wird. Auſserdem ist eine Beurtheilung der Höhe des Gusses, also des Gewichtes des Blockes seitens des Gieſsers durch die kleine Deckelöffnung hindurch nicht gut thunlich. Für Geschütz güsse, welche nur in beschränkterer Anzahl gleichzeitig vorgenommen werden, mag das Verfahren am Platze sein (vgl. 1881 239 136. 1882 243 404.)

St.

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