Titel: A. Groth und W. Roth's Feilenhaumaschine.
Autor: Groth, A.
Rath, W.
Fundstelle: 1883, Band 247 (S. 115–117)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/ar247049

A. Groth und W. Rath's Feilenhaumaschine.

Mit Abbildungen auf Tafel 11.

Die in Fig. 1 bis 3 Taf. 10 dargestellte Feilenhaumaschine von A. Groth und W. Rath in Plettenburg (* D. R. P. Kl. 49 Nr. 19270 vom 1. Januar 1882) gehört in jene Gruppe von Maschinen, bei welchen Meiſsel und Hammer getrennt arbeiten. Während aber bei den bisherigen Maschinen dieser Art der Hammer mittels Daumenwelle o. dgl. gehoben wird, um dann durch Gewichts- oder Federwirkung auf den Meiſsel niederzufallen (vgl. 1881 241 * 341), betreiben A. Groth und W. Rath das Hammerwerk durch gepreſste Luft, welche von einer mit der Maschine verbundenen Luftpumpe geliefert wird.

Der Vorschub der Feilen nach jedem Hieb erfolgt in der gewöhnlichen Weise, indem der Schlitten, auf dem die Feile gelagert ist, durch eine Schraubenspindel f verschoben wird, welche ihre Drehung durch ein von der Kurbelscheibe b aus betriebenes Schaltwerk empfängt. Die zum Betrieb des Hammerwerkes nöthige Preſsluft wird in den Cylindern k erzeugt und durch eine mit Rückschlagventil versehene Rohrleitung in den Windkessel o geleitet, um von hier aus in die Cylinder r der Schlagwerke geführt zu werden.

Die Preſsluft tritt durch das Rohr v (Fig. 3) in den Schlagcylinder s ein und treibt den Kolben mit dem Hammer in die Höhe, hierbei die über dem Kolben befindliche Luft zusammendrückend, um den Schlag in bekannter Weise zu verstärken. Je nach Gröſse des auszuübenden Schlages kann man durch Verstellung eines Saugventiles w eine gröſsere oder geringere Luftspannung über dem Kolben erzeugen, wie auch weiter die Schlagstärke durch Veränderung des Druckes im Kessel o oder durch Verschiebung der Fangscheibe y an der Hammerstange vom leisesten Schlage bis zu einem Schlage von 60k Mächtigkeit veränderlich ist.

Der Hämmerbar u trifft auf den Meiſselhalter, wird durch die Schraubenfeder z aber sofort wieder emporgeschnellt, so daſs die Schneide des Meiſsels durch eine Blattfeder aus dem Hieb gehoben werden kann, um den Vorschub nicht zu stören. Der Meiſselhalter liegt mit seiner Führung x in dem unteren Theil des Hammergestelles r, welches mit |116| zwei Zapfen in Gabeln p hängt. Letztere ruhen in einem Dreifuſs, dessen Vorderbeine um horizontale Zapfen beweglich sind, während das dritte Bein auf der Bankplatte in einem Schlitten verschiebbar ist, so daſs dem ganzen Schlagwerk sammt Meiſsel eine Neigung gegen die Fläche des Feilenstahles gegeben werden kann.

Der Meiſsel selbst wird durch Klemmschrauben im Meiſselhalter befestigt, welcher nur mit geringem Spielraum in seiner Führung x beweglich ist. Eine entsprechend einstellbare Blattfeder hebt den Meiſsel, wie oben bereits bemerkt, nach jedem Schlage um mindestens die Hiebtiefe. Damit die Entfernung zwischen Meiſselschneide und Feilenstahl, sowie zwischen Meiſselkopf und Hammer dieselbe bleibt und Abnutzung des Meiſsels keinen Einfluſs hat, ist unter dessen Führung eine Rolle angeordnet, welche auf dem Feilenstahl bei dessen Vorwärtsbewegung rollt und die ganze Schlagvorrichtung jeweilig hebt oder senkt.

Jeder Ambos liegt auf hölzernen Stöcken, um groſse Erschütterungen aufzufangen; ihre Bahnen sind entsprechend der zu bearbeitenden Feilenform auswechselbar.

Die Steuerung der Luftmaschine geschieht durch stufenförmig angeordnete Daumen, welche auf die Welle a aufgekeilt sind. Je nach der gewünschten gröſseren oder geringeren Schlagstärke hebt ein gröſserer oder kleinerer Daumen die Ventile. Der Schluſs der Ventile erfolgt plötzlich, wobei gleichzeitig der Ausgangskanal für die Luft unter dem Arbeitskolben geöffnet wird, so daſs letzterer fallen kann. Diese Vorrichtungen sind in Gehäusen S angeordnet. Jeder Hammer kann für sich dadurch auſser Dienst gesetzt werden, daſs man die durch Röhren austretende verbrauchte Luft mittels Fuſstritt absperrt, so daſs der Hammer durch den Gegendruck gebremst wird.

Es ist noch zu bemerken, daſs die beiden Schlagwerke I den Unterhieb, die Schlagwerke H den Oberhieb ausführen, so daſs stets 4 Feilen derselben Sorte in Arbeit sein können. (Vgl. die Uebersicht 1881 241 * 341.)

Mg.

Im Anschluſs hieran dürfte eine Nachricht des Scientific American, 1882 Bd. 47 * S. 165 von Interesse sein, welche Näheres über Einrichtung und Betrieb einer der bedeutendsten Feilenfabriken Amerikas, der New American File Company in Pawtucket, R. I., berichtet. Die vor etwa 19 Jahren gegründete Fabrik wird mit einer 250e Maschine betrieben und beschäftigt etwa 200 Arbeiter. Zur Verwendung kommt ausschlieſslich amerikanischer Stahl; derselbe wird von den Werken so geliefert, daſs beim Zerschneiden kein Abfall entsteht. Zum Schmieden der verschiedenen Feilenformen dienen 21 Maschinenhammer, worunter 11 Bradley-Hämmer (vgl. 1881 240 * 429), 6 gewöhnliche Aufwerfhämmer, 3 Belden-Hämmer und 1 Grant-Hammer. Es können täglich 1000 Dutzend Feilen geschmiedet werden; die kleineren und die dreikantigen Feilen werden in Gesenken auf dem gewöhnlichen Ambos hergestellt. Nachdem die |117| rohen Stahlstäbe glatt geschliffen, werden sie, soweit nicht unbedingt Handarbeit nöthig ist, auf die Feilenhaumaschinen gebracht. Solcher Maschinen sind 85 vorhanden und zwar nach dem System Bernot (vgl. 1864 174 * 337), bei welchem der Hub des Meiſsels durch Daumen und der Schlag durch eine starke Blattfeder erfolgt. Die Maschinen arbeiten sehr rasch mit 600 bis 900 Schlägen in der Minute und sollen sehr zufriedenstellende Resultate ergeben, wozu als Beweis angeführt wird, daſs die von Maschine hergestellten Feilen vielfach den von Hand gefertigten vorgezogen werden.

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