Titel: Ueber Neuerungen an Gasmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247 (S. 145–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/ar247058

Ueber Neuerungen an Gasmaschinen.

Patentklasse 46. Mit Abbildungen im Text und auf Tafel 12 und 13.

(Schluſs des Berichtes von S. 97 d. Bd.)

Eine Compoundmaschine vortrefflicher Construction nach Analogie der oben besprochenen Deutzer Drillingsmaschine gibt F. H. W. Livesey in Victoria Street, England (* D. R. P. Nr. 18436 vom 21. Juni 1881) an. Es wird wie bei Williams und Mallam (S. 105 d. Bd.) ein doppelter Cylinder und ein doppelter Kolben benutzt, aber zu wesentlich anderem Zweck.

Werden die Kolben A1 und C1 (Fig. 1 Taf. 12) durch die im Raum C bewirkte Verpuffung der Ladung vorgetrieben, so wird in den ringförmigen Raum B eine neue Ladung eingesaugt. Gegen Ende des Hubes setzt der Schieber durch seine Höhlung M die Kanäle K1 und K2 in Verbindung, so daſs die Verbrennungsgase in den Cylinder A treten, hier weiter expandiren und die Kolben zurücktreiben können. Haben die Kolben ungefähr ¼ ihres Rückweges beendigt, so stellt eine Nuth F1 die Verbindung zwischen dem ringförmigen Raum B und dem Kanal F her, welcher in den Schieberkasten E führt; letzterer öffnet gerade den Kanal C2, so daſs die Ladung in den verlängerten Cylinderraum C gedrückt wird, um hier das Ausströmen der Verbrennungsgase zu fördern (vgl. Weyhe * S. 107 d. Bd.). Bei vollendetem halbem Rückhub schlieſst der Schieber M die Kanäle K1 und K2 von einander ab, so daſs der Kolben das ganz nach C gedrängte Gemenge verdichten kann. Beim Hubwechsel erfolgt durch H und I die Zündung; die Kolben gehen vor, wobei nun die im Cylinder A vorhandenen Rückstände durch den Kanal K2 und den Schieber nach L ins Freie getrieben werden.

Um die Maschine einfach wirkend zu machen, wird der Cylinderdeckel W entfernt.

Ganz ähnlich ist die in Fig. 2 bis 5 Taf. 12 skizzirte Maschine von E. Edwards in London (* D. R. P. Nr. 19019 vom 16. November 1881) gebaut. Beim Vorschub beider Kolben saugt der Kolben m durch die mit einer Gummimembran bedeckten Oeffnungen i im Boden h Luft und durch ein seitlich angeordnetes Ventil Gas an. Das Kolbenventil r wird hierbei durch die Spannung der eben stattgefundenen Explosion geschlossen gehalten. Beim weiteren Vorschub entweicht sodann durch den Auspuff p ein Theil der Verbrennungsgase, während im Cylinder ein Druckausgleich erfolgt. Beim Rückgang soll nun der Rest der Rückstände verdichtet und durch Löcher o in den hohlen Kolben n gedrückt werden, während die neue Ladung durch das Kolbenventil r und die Bohrungen s in den ringförmigen Raum um den Kolben u gepreſst wird. Dieser ringförmige Raum ist nun so zu bemessen, daſs die Spannung der hier befindlichen frischen Ladung gleich der Spannung der im hohlen Kolben |146| befindlichen Rückstände ist, um eine Vermischung beider Gase nur in geringem Maſse bei o stattfinden zu lassen. Beim Hubwechsel erfolgt die Zündung.

Zum Zweck der Ausstoſsung einer gröſseren Menge der Rückstände wird von der Pleuelstange mittels eines Daumens das Ventil x (Fig. 2) offen gehalten, so daſs die Rückstände erst verdichtet werden, sobald der Ringkanal z im Kolben nicht mehr mit dem Auspuff p in Verbindung steht. Beim Vorschub ist x geschlossen, um die Expansion der verpufften Ladung auch hier arbeitsleistend wirken zu lassen. Die verdichteten Rückstände finden bei dieser Anordnung in einer Verlängerung des Cylinders f Platz statt im hohlen Kolben n.

Sehr hübsch ist die Zündvorrichtung Fig. 4 und 5. In den verschieden groſsen Cylindern a und b bewegen sich kleine, durch eine Stange gekuppelte Kolben; durch feine Oeffnungen stehen a und b mit dem Cylinder g in Verbindung. Wird die Ladung in g verdichtet, so wirkt derselbe Druck auf beide Kolben und der kleinere Kolben in b wird deshalb von dem gröſseren in a nach links verschoben. Es kann dann eine Zündflamme durch die Löcher c und d (Fig. 5) in die Höhlung des Kolbens b hineinbrennen. Beim Vorschube der Arbeitskolben sinkt die Spannung im Cylinder a sehr schnell auf die Atmosphärenspannung, weil dessen Oeffnung nach dem Ansaugeraum bei m führt; die in b aber immer noch vorhandene Spannung wird deshalb die Kolben schnell nach rechts schieben, so daſs die Zündflamme durch das Loch e in den Cylinder g dringen kann.

Während bei den bisher besprochenen Maschinen das von Otto ersonnene und durch Patent Nr. 532 geschützte Mischungsverfahren der Gase angewendet ist, kommen wir im Folgenden auf andere Gruppen von Maschinen, welche die Otto'schen Prinzipien in viel freierer und unabhängigerer Form verwenden.

Die nach W. Wittig und W. Hees von der Hannoverschen Maschinenbau-Actiengesellschaft in Hannover seit mehreren Jahren gebauten Maschinen beruhen auf dem Otto'schen Prinzip, haben aber Pumpe und Arbeitscylinder nicht in demselben Cylinder vereinigt, sondern getrennt neben einander. Auch die Deutzer Gasmotoren-Fabrik hat eine derartige Maschine unter Nr. 14254 patentirt erhalten, jedoch nicht weiter ausgebildet, trotzdem diese Maschine einfach wirkt, während die ältere nur halbfache Wirkung hat und die oben bei der Besprechung dieser Anordnung aufgezählten Vortheile in Bezug auf Herabsetzung der Endspannung erreicht werden.

Die Maschine von Wittig und Hees hat nach der ursprünglichen Angabe (* D. R. P. Nr. 6776 vom 13. Februar 1879) folgende Anordnung. Arbeits- und Pumpencylinder stehen aufrecht neben einander; die Kolbenstangen greifen an Kurbeln derselben Welle an; doch eilt der Arbeitskolben etwas vor. Geht der Pumpenkolben nach aufwärts, so saugt |147| derselbe eine Ladung ein und drückt sie beim Niedergange zusammen, bis der voreilende Arbeitskolben am Ende seines Hubes nach unten angelangt ist. In dieser Stellung wird ein Ventil gesteuert, welches die Verbindung zwischen beiden Cylindern so lange offen hält, bis der Pumpenkolben bei seinem Hubende nach unten das verdichtete Gemisch unter den wieder aufsteigenden Arbeitskolben gedrückt hat, wo dasselbe entzündet wird. Die verbrannten Gase werden bei dieser Anordnung durch den Rückhub des Arbeitskolbens herausgetrieben.

Die Steuerung des Ventiles geschieht mittels mehrerer Excenter von der Kurbelwelle aus. Die Regulirung besorgt ein Cosinusregulator durch Verstellung des Gaszulaſsventiles in der Weise, daſs die Pumpe nur dann verdichtet, wenn der sehr empfindliche Regulator das Gaszulaſsventil nicht gesperrt hält; im anderen Falle saugt die Pumpe nur Luft an, um sie durch das Mischventil wieder auszustoſsen.

Diese Maschine ist von Wittig und Hees nicht unwesentlich verbessert. Fig. 6 bis 10 Taf. 12 veranschaulichen nach R. Schöttler1) einen solchen 4e-Motor neuester Construction. Pumpe A und Arbeitscylinder B stehen in demselben Kühlmantel C, mit welchem sie ein Guſsstück bilden. Die in Ansätzen des als Gestell dienenden Kühlmantels über den Cylindern gelagerte Welle D ist doppelt gekröpft; doch sind im Gegensatz zur ersten Anlage beide Kröpfungen gleich gerichtet, so daſs also beide Kolben gleichmäſsig mit einander auf- und niedergehen. Beide Kolben sind Taucherkolben und so ausgebildet, daſs im Arbeitscylinder ein erheblich groſser schädlicher Raum entsteht, während derselbe in der Pumpe möglichst beschränkt ist. Beide Cylinder verbindet ein auſsen liegendes Rohr, in welches ein selbstthätig schlieſsendes Rückschlagventil eingeschaltet ist.

Die Maschine arbeitet in der früher angegebenen Weise, nur mit dem Unterschiede, daſs der Arbeitskolben beim Rückhube eine gröſsere Menge Verbrennungsgase im Cylinder läſst, welche sich mit der neuen Ladung mischen, während bei der älteren Anordnung die Rückstände anscheinend völlig entfernt wurden. Das Austrittsventil schlieſst schon ab, wenn der Arbeitskolben etwa ⅗ seines Weges zurückgelegt hat; die im Cylinder bleibenden Rückstände werden dann beim Rückhub verdichtet. Unmittelbar nach Schluſs des Auspuffventiles tritt das neue Gemenge aus der Pumpe herüber, so daſs während der Vollendung des Rückhubes beide Kolben zusammen die Verdichtung im Arbeitscylinder bewirken.

Die Pumpe saugt durch a Luft, durch b Gas an, so lange das Eintrittventil c vom Excenter d und der Knagge e offen gehalten ist; die Ladung wird in den Arbeitscylinder durch das selbstthätige Rückschlagventil g und das Rohr f, welches durch den Schieberkasten geht und |148| in den Kanal h mündet, herübergedrückt. Das Auslaſsventil i wird durch das Excenter k gesteuert.

Der Zündschieber G hat folgende Einrichtung. Durch den kleinen Kanal n (Fig. 10) wird während der unteren Todtlage des Schiebers brennbares Gemisch aus dem Schieberkasten in die Kammer m geleitet, während gleichzeitig durch o (Fig. 9) Luft eintritt. Dieses Gemisch entzündet sich an der Flamme l des Schieberdeckels. Der Aufgang des Schiebers unterbricht die Verbindung der Kammer m nach l und o hin, so daſs die in der Kammer brennende Uebertragungsflamme in den Schieberkasten schlagen kann, wenn m mit h in Verbindung tritt. Die Speisung der Uebertragungsflamme wird während der Bewegung des Schiebers durch den Kanal n fortgesetzt, während, um ihr Erlöschen zu verhindern, eine Druckausgleichung mit der Cylinderspannung durch die Bohrungen q und p erfolgt. Um die Speisung zu regeln und der Vermittelungsflamme ihre Richtung gegen den Kanal h zu geben, wird in die mit dem Kanal q correspondirende conische Bohrung des Bolzens r ein entsprechend geformter Stift s mehr oder weniger tief eingeführt, so daſs also die Oeffnung von s mehr oder weniger verstellt ist.

Die Regulirung des Ganges der Maschine geschieht nach dem Otto'schen Prinzip, um stets eine gleich gemengte Ladung für jede Cylinderfüllung zu erhalten. Zu diesem Behufe wird das Gaseinlaſsventil v durch die Knagge w nicht geöffnet, wenn der Regulator die Nase x der Ventilstange bei zu schnellern Gange der Maschine zurückdrückt; die Pumpe saugt dann nur Luft an.2)

Die Maschine von E. Körting und G. Lieckfeld, welche von Gebrüder Körting in Hannover gebaut wird, unterscheidet sich von der eben besprochenen im Arbeitsgange in keiner Weise; dagegen sind einige wesentliche Verbesserungen (* D. R. P. Nr. 18390 vom 26. Juni 1881 und * Nr. 19384 vom 13. Mai 1881) eingeführt. Eine sehr einfache Zündung wird in mehreren Formen in der Patentschrift vorgeschlagen, von denen hier nur eine beschrieben wird, welche bereits mehrfach ausgeführt worden ist und sich dabei bewährt hat.

Der hohle Stift a (Fig. 11 Taf. 12) ragt mit seiner unteren, sehr feinen Oeffnung b und seinen ringförmig eingeschnittenen Löchern c in den Speisekanal |149| am Arbeitscylinder hinein. Während der Speisung des Cylinders mit brennbarem Gemisch wird eine gewisse Menge desselben durch b und c in die Höhlung des Stiftes a eintreten. Soll die Uebertragungsflamme in dem Röhrchen a entstehen, so wird dasselbe aus der gezeichneten Stellung durch eine an der Pleuelstange angebrachte Knagge, welche mittels eines doppelarmigen Hebels auf die Stange g einwirkt, so weit emporgezogen, daſs die äuſsere Flamme durch die Oeffnungen d zünden kann; gleitet die Knagge ab, so geht das Röhrchen a unter Einwirkung einer Feder wieder herunter, die Oeffnungen d werden gesperrt und es erfolgt durch die Uebertragungsflamme die Zündung des Gemisches im Cylinder. Während das Röhrchen a in die gezeichnete Stellung zurückgeht, wird die Spannung in a durch die Düse b ausgeglichen. – Diese äuſserst einfache und sicher arbeitende Vorrichtung wird in mehrfach abgeänderter Ausführung vorgeschlagen; besonders ist anzugeben, daſs z.B. ein unbewegliches Röhrchen, welches wie a geformt sein, aber noch einige gröſsere Explosionsräume über einander angeordnet haben kann, mit der äuſseren Flamme durch plötzliches Heben eines entsprechend geformten Stiftes oder Ventiles in Verbindung zu setzen ist; in diesen wird dann die Vermittelungsflamme gebildet, welche nach Schluſs jenes Stiftes oder Ventiles die Zündung bewirkt. Der Aufschlag der Knagge wird durch einen über dem Zündrohr angeordneten Luftpuffer gemildert.

Der Regulirung der Maschine liegt auch ein neuer Gedanke zu Grunde. Es wird vorgeschlagen, die Mischung des Gemenges stets in denselben Verhältnissen geschehen zu lassen, dagegen dessen Verdichtung durch die Pumpe veränderlich zu machen. Zu diesem Zwecke ist neben der Pumpe ein Gefäſs angebracht und das Verbindungsrohr zwischen beiden mit einem vom Regulator beeinfluſsten Ventil versehen. Wird dieses Ventil vom Regulator geöffnet, wenn die Maschine zu schnell geht, so ist der schädliche Raum der Pumpe um den Fassungsraum jenes Gefäſses vergröſsert, also die Leistung der Pumpe um ein entsprechendes Maſs verringert. Die Ladung tritt unter geringer Spannung in den Arbeitscylinder, bis der Regulator durch Schluſs des Ventiles die Verbindung der Pumpe mit dem Gefäſs wieder aufhebt. Der Umstand, daſs auf diese Weise bei zu schnellem Gang der Maschine, nicht wie bei Otto, die Explosion völlig ausfällt, sondern nur mit geringerem Kraftaufwand vor sich geht, wird auf den gleichmäſsigen Gang der Maschine einen sehr vortheilhaften Einfluſs haben müssen. Eine noch gröſsere Gleichmäſsigkeit würde erlangt werden, wenn statt eines Gefäſses deren mehrere nach einander mit der Pumpe in oder auſser Verbindung gesetzt werden.

Textabbildung Bd. 247, S. 149

Zur Schmierung dienen zwei geschlossene Schmiergefäſse, welche am besten durch eine bis nahe auf den Boden gehende Scheidewand von einander getrennt sind. In das eine Gefäſs mündet |150| das Auspuffrohr der Maschine, so daſs in demselben ein Druck erzeugt wird, welcher genügt, um die vom anderen Gefäſs abzweigenden Schmierröhrchen zu füllen. Sobald die Maschine still steht, wird das Oel so weit sinken, daſs die Schmierung durch jene Röhrchen nicht mehr erfolgen kann.3)

Dasselbe Prinzip der Arbeitsweise liegt einer ganz neuen Maschine von Buſs, Sombart und Comp. in Magdeburg-Friedrichstadt zu Grunde, welche nach der Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, 1882 Bd. 26 S. 501 in Fig. 12 bis 16 Taf. 12 dargestellt ist. Die Kolbenstangen der geneigt zu einander gestellten Cylinder greifen an derselben Kurbelkröpfung an, so daſs der Arbeitskolben wie bei der älteren Maschine von Wittig und Hees eine geringe Voreilung hat. Das Gas tritt bei a, die Luft bei b in das Gehäuse des Eintrittventiles c, welches gleichzeitig Gas- und Luftzufuhr abschlieſst, also ein gleichartig zusammengesetztes Gemenge ergibt. Dieses Ventil wird durch den vom Regulator verschiebbaren Muff d gesteuert, welcher auf der rechtwinkelig zur Hauptwelle liegenden und von dieser mittels Schraubenräder angetriebenen Steuerwelle sitzt. Die Form des Muffes bedingt je nach seiner Lage ein kürzeres oder längeres Oeffnen des Ventiles c.

Vom Ventilgehäuse führt der Kanal e in den Pumpencylinder und das Rohr f in den Arbeitscylinder. Das im Rohr f eingeschaltete Ventil, welches die Uebertragung einer zu frühzeitigen Explosion im Arbeitscylinder auf den Pumpencylinder verhüten soll, wird von der Welle durch ein Excenter gesteuert. Der Berichterstatter Schöttler bemerkt über diesen Punkt an gleicher Stelle: Dies erscheint richtig, wenn es gelingt, die Zündung rechtzeitig zu bewirken; käme diese einmal zu früh, so würde sie sich in den Pumpencylinder fortsetzen und die Explosion des Inhaltes desselben hemmend wirken, da der Arbeitscylinder das nächste Mal kein frisches Gemisch bekäme und also die folgende Explosion ausfallen müſste. Es ist dies ein Umstand, welcher bei der Maschine von Wittig und Hees gelegentlich einmal vorkommt und hier deshalb wohl kaum ausbleiben wird. Es ist aber die Steuerung des Ventiles hier nöthig, weil infolge der gewählten Regulirung die Endspannung in der Pumpe variabel ist. Vielleicht wäre es am besten, die Einrichtung so zu treffen, daſs das Ventil selbstthätig abschlieſsen könnte, aber zwangsweise geöffnet würde; jetzt hindert die Steuerknagge h das selbstthätige Abschlieſsen.

Die Zündvorrichtung ist in Fig. 14 bis 16 herausgezeichnet. In der höchsten Schieberstellung gelangt durch den im Spiegel angebrachten |151| Kanal i, welcher vom Rohre f zum Arbeitscylinder führt, brennbares Gemisch in einer durch Einstellung des Stiftes k zu regelnden Menge durch die Kanäle l bis n in die mit der Luft verbundene Kammer o. Beim Niedergang des Schiebers entzündet zunächst die im Schieberdeckel p brennende Flamme das in der Kammer o vorhandene Gemenge; die so gebildete Vermittelungsflamme wird wegen der muldenförmigen Gestalt des Kanales m beständig gespeist, bis o mit dem in den Arbeitscylinder führenden Kanal q in Verbindung tritt. Die Spannung der Gase in der Vermittelungskammer ist durch diese stetige Speisung aus dem Arbeitscylinder auf die Höhe des in diesem vorhandenen Druckes gebracht, so daſs die Zündung erfolgen kann.

Das Auslaſsventil wird mittels eines Excenters von der Hauptwelle gesteuert.

Eine Maschine von D. Clerk in Glasgow (* D. R. P. Nr. 8745 vom 11. Februar 1879) arbeitet in ähnlicher Weise wie die besprochenen; es wird jedoch das von der Pumpe angesaugte und verdichtete Gemisch nicht direkt in den Arbeitscylinder geleitet, sondern in einem unter beiden Cylindern angeordneten Behälter aufgespeichert, um von hier erst in den Arbeitscylinder eingeführt zu werden. Beide Cylinder liegen horizontal; die Pumpe hat etwa 90° Voreilung. Der genannte Druckraum wird mit dem Arbeitscylinder durch einen Schieber in Verbindung gesetzt, während zwischen Schieber und Arbeitscylinder ein Kanal liegt, in welchem Verbrennungsrückstände bleiben. Das durch den Schieber in den Cylinder eingelassene Gemenge wird nach begonnenem Vorschub durch einen Platinzünder zur Explosion gebracht. Nach der Patentschrift soll dies in folgender Weise geschehen: Hat der Schieber den Gaseintritt vom Druckraum abgeschlossen, so bleibt in einem Kanal desselben eine gewisse Menge brennbaren Gemisches zurück; bei weiterem Vorschub bringt der Schieber den Platinzünder zwischen den zum Cylinder führenden Kanal und den Kanal im Schieber. Geht nun der Arbeitskolben vor, so wird der im Schieberkanal gebliebene Rest brennbaren Gemenges herausgesaugt, erreicht hierbei den Platinzünder und entzündet sich an diesem. Diese Zündung soll sich nun erst weiter in den Arbeitscylinder fortpflanzen. – Die Patentschrift läſst nicht klar erkennen, wie dieser Vorgang eigentlich gedacht wird. Es liegt gegen die Annahme kein Grund vor, daſs sich das brennbare Gemenge bereits vor dem Saugen des Arbeitscylinders entzündet, da dasselbe doch unter Druck eintritt.

Der Platinzünder wird durch die stattfindende Explosion in Weiſsglut erhalten, auf welche er durch Gasexplosionen, die in besonderen kleinen Kanälen stattfinden, gebracht worden ist.

Ein anderer Gasmotor von D. Clerk, welcher nach dem Journal für Gasbeleuchtung, 1882 S. 187 s. Z. auf der elektrischen Ausstellung in Paris in Betrieb war, schlieſst sich im Allgemeinen seiner Wirkungsweise nach |152| den beschriebenen Maschinen an; jedoch soll hier durch den Pumpencylinder auch gleich eine vollständige Entfernung der Verbrennungsrückstände aus dem Arbeitscylinder erreicht werden. Wie aus Fig. 1 bis 4 Taf. 13 zu entnehmen, stehen Pumpe B und Arbeitscylinder A mit einem Ventilkasten in Verbindung, welcher mit einem selbstthätigen Saug- und ebensolchem Ueberdruckventil versehen ist. Die Kurbeln beider Kolben sind um 90° gegen einander versetzt, und zwar eilt der Pumpencylinder vor.

Die Arbeitsweise der Maschine ist folgende: Beim Ausschub des Pumpenkolbens saugt dieser zunächst brennbares Gemenge, dann aber reine Luft an. Hierdurch soll erreicht werden, daſs bei vollendetem Ausschub zunächst am Kolben brennbares Gemisch liegt, während der übrige Theil des Cylinders mit Luft ausgefüllt ist. Macht nun der Pumpenkolben seinen Einschub, so wird zu gleicher Zeit der Arbeitskolben seinen Ausschub vollenden und hierbei ringförmig angeordnete Oeffnungen, welche mit dem Auspuffrohr in Verbindung stehen, frei geben, so daſs die aus dem Pumpencylinder in den Arbeitscylinder gedrängte Luft die in demselben vorhandenen Rückstände durch diese Oeffnungen a austreiben kann. Geht der Arbeitskolben wieder zurück, so verschlieſst er die Oeffnungen a zeitig genug, um zu verhindern, daſs neben den Rückständen auch ein Theil des Gemenges unverbrannt ausgeblasen wird. Bei Beendigung des Einschubes des Pumpenkolbens ist das Gemenge in den Arbeitscylinder herabgedrückt, in welchem dasselbe durch den zurückkommenden Kolben verdichtet wird. Beim Hubwechsel des Arbeitskolbens findet Entzündung des Gemenges statt.

Die vollständige Ausblasung der Verbrennungsrückstände, aus dem Arbeitscylinder wird hier anders begründet als bei den früher besprochenen Constructionen. Clerk will einzig vermeiden, daſs durch die zurückbleibenden heiſsen Rückstände eine vorzeitige Entzündung des eingesaugten Gemenges stattfinde. Bei Benutzung nur eines Cylinders erscheint eine derartige Vorsorge nützlich und angemessen, dagegen überflüssig bei Maschinen mit Pumpencylinder; bei richtiger Einstellung einer derartigen doppelcylindrigen Maschine ist eine falsche Explosion wohl unwahrscheinlich. Schöttler hat bei Maschinen nach Willig und Hees beobachtet, daſs eine solche Entzündung häufig nach einer ausgebliebenen Explosion stattgefunden hat, so daſs also eher eine zu spät erfolgte Zündung, oder ein zu lang währendes Nachbrennen, welches noch nicht beendigt ist, wenn die Pumpe bereits überzudrücken beginnt, als Ursache dieser Erscheinung anzunehmen ist, als jene von Clerk angenommene vorzeitige Entzündung des frisch von der Pumpe gelieferten Gemenges durch die heiſsen Verbrennungsgase, welche im Cylinder zurückgeblieben sind. Als erwiesen ist demnach die Schädlichkeit der Verbrennungsrückstände bezüglich des hier vorliegenden Punktes nicht zu betrachten.

Es sind noch verschiedene Einzelheiten der Clerk'schen Construction erwähnenswerth: die Platte d im Pumpencylinder B – dieser wird seines |153| Zweckes halber „Reinigungscylinder (Verdränger Displacer)“ genannt – soll die schon früher als unwahrscheinlich bezeichnete schichtenweise Lagerung der Gasarten begünstigen. Das Verbindungsrohr e beider Cylinder mündet in dem Ventilkasten C, welcher am Arbeitscylinder angebracht und mit dem Saugventil f, sowie dem Ueberdruckventil g versehen ist. Die Luft wird dem Saugetopf D entnommen, während das Gas durch ringförmig angeordnete Oeffnungen h angesaugt wird. Sowie die Verbindung des Rohres c mit dem Auspuffrohr b durch Oeffnung des Hahnes hergestellt ist, wird die Maschine dadurch schnell angehalten.

Die Zündung besorgt der Schieber E, welcher durch ein Excenter von der Arbeitswelle aus mittels des Winkelhebels F gesteuert wird. Die im Rohr i brennende Zündflamme steht in der gezeichneten Stellung mit der Vermittelungskammer k in Verbindung, welche durch die Bohrung l und die Mulde m vom Cylinder aus mit brennbarem Gemenge gespeist wird; bei l verhütet ein Drahtgitter das Rückschlagen der Vermittelungsflamme. Den Zufluſs des Speisegemenges regelt der Stift o, während die Verbrennungsgase durch p entweichen. Wenn sich der Schieber von rechts nach links bewegt, so kommt die Vermittelungskammer k auſser Verbindung mit i und p; die Spannung wird ausgeglichen und etwas später durch den Kanal q die Zündung vorgenommen.

Der Schieber dient noch einem weiteren Zweck. Da das Gas in der gezeichneten Stellung von r durch s nach t strömt und von hier in den ringförmigen Raum h des Ventilkastens gelangt, so wird die Gaszufuhr abgeschnitten werden, wenn der Schieber entsprechend weit nach links sich bewegt; dies geschieht, wenn der Pumpenkolben die Hälfte seines Hubes nach auswärts vollendet hat. Die Pumpe saugt aus diesem Grunde im Anfange Gas und Luft, später aber nur Luft ein.

Zur Regulirung der Maschine dient ein zwischen den Kanälen t und h in die Gasleitung eingeschaltetes Ventil u (Fig. 2 Taf. 13), welches durch eine Feder geschlossen gehalten, vom Schieber aber regelmäſsig mittels einer Hebelverbindung geöffnet wird. Tritt nämlich ein Gleitstück v, durch irgend welche Mittel gezwungen, in eine Nuth am Rücken des Schiebers ein, so wird beim Weitergleiten des Schiebers das Ventil u geöffnet. Durch den Regulator kann jedoch der Hebel x so gestellt werden, daſs er über w steht; es wird so verhindert, daſs das Gleitstück v in seine Nuth eintritt, die Gaszuführung bleibt geschlossen.4)

Mg.

|147|

Vgl. die vortreffliche Darstellung von R. Schöttler: Die Gasmaschine. Versuch der Darstellung ihrer Entwicklung und ihres Kreisprozesses. (Braunschweig 1882. Goeritz und Zu Putlitz.)

|148|

Versuche, welche R. Schöttler anstellte, haben ergeben, daſs die Maschine, besonders beim Leergang, nicht ganz so gleichmäſsig geht und auch etwas mehr Gas verbraucht wie die Otto'sche, trotzdem aber recht brauchbar ist. Das Bremsen eines derartigen 2e-Motors ergab folgende Resultate: Dauer des Versuches 52 Minuten, mittlere Umdrehungszahl 105,5, Leistung 1e,78, Gasverbrauch stündlich 1985l; also für 1c und Stunde 1116l. Andere Versuche sollen theilweise günstiger, theilweise schlechter verlaufen sein. Für eine 4e-Maschine wurde von Brauer und Schöttler in Altona gefunden: Dauer des Versuches 40 Minuten, mittlere Umdrehungszahl 103,0, Leistung 3e,75, Gasverbrauch stündlich 4650l, also für 1e und Stunde 1240l. Letztere Maschine hatte 200mm Durchmesser des Arbeitscylinders, 165mm des Pumpencylinders und 180mm gemeinschaftlichen Hub.

|150|

Die Maschine selbst ist billiger im Preise als die von Otto, bezieh. von Wittig und Hees. Durch Bremsversuche mit einem 3e-Motor gelangte Schöttler zu folgenden Zahlen: Dauer des Versuches 30 Minuten, mittlere Umdrehungszahl 119,1, Leistung nur 2e,18, stündlicher Gasverbrauch 2780l, also für 1e und Stunde 1275l. Der Durchmesser des Arbeitscylinders betrug 180mm, der des Pumpencylinders 150mm, der gemeinschaftliche Hub 360mm.

|153|

Im Engineering, 1882 Bd. 33 S. 110 ist ein Diagramm des Arbeitscylinders dieser Maschine veröffentlicht, woraus zu ersehen, daſs eine plötzliche Verbrennung (Explosion) des Gemenges im Arbeitscylinder erfolgt, ein Nachbrennen nicht stattfindet.

Von einem Motor mit 152mm Durchmesser des Arbeitscylinders und 150 Umdrehungen werden dort folgende Zahlen angegeben: Compressionsspannung 4at, Explosionsspannung 16at,8, Spannung der entweichenden Verbrennungsgase 4at,2, die Mittelspannung beträgt 5at,01. Der Indicator ergab 9e,27, die Bremse 6e,64. Die Maschine gebrauchte für 1e indicirt stündlich 616l, für 1e effectiv 855l Gas. Der Gasverbrauch stimmt demnach mit dem der Otto'schen Maschine überein.

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