Titel: Herm. Fischer, über Treibriemen-Verbindungen.
Autor: Fischer, Hermann
Fundstelle: 1883, Band 247 (S. 237–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/ar247088

Ueber Treibriemen-Verbindungen; von Hermann Fischer.1)

Patentklasse 47. Mit Abbildungen auf Tafel 19.

Der Treibriemen findet im Allgemeinen nicht die Beachtung, welche er verdient. Zunächst wird vielfach gesündigt bei der Wahl des Rohstoffes. Es werden häufig Lederriemen an solchen Stellen verwendet, |238| für welche nur Gummiriemen tauglich sind, oder baumwollene Kiemen benutzt, wo Lederriemen zu wählen sein würden. Die Unsitte der Händler, den Werkmeistern Provisionen zu zahlen, dürfte zum Theil als Grund für die angeführte Thatsache angesehen werden müssen; groſsentheils ist sie aber das Ergebniſs der Unwissenheit, Gewohnheit oder des Vorurtheiles der betreffenden Kreise.

Hier will ich mich nicht auf die Erörterung der Umstände einlassen, welche vernünftiger Weise die Wahl des Rohstoffes bedingen sollten, sondern nur einen besonderen Theil jedes Treibriemens, nämlich die Verbindungen desselben, besprechen. Als Theile der Treibriemen haben sie ähnliche Bedingungen zu erfüllen wie diese, weshalb hier zunächst die allgemein an einen guten Treibriemen zu stellenden Forderungen genannt werden mögen; sie liefern die meisten Gesichtspunkte zur Beurteilung der Riemenverbindungen.

Man erwartet von einem guten Treibriemen: 1) zweckentsprechende, gleichförmige Widerstandsfähigkeit gegen das Zerreiſsen. Die eine Stelle der zur Verfertigung der Treibriemen tauglichen Haut des Rindes hat nicht selten (auf die Querschnittsflächeneinheit bezogen) nur die halbe Festigkeit einer anderen Stelle derselben Haut. Die Festigkeit des verschiedenen Häuten entnommenen Leders ist natürlich ebenfalls verschieden, so daſs man, da man einen Treibriemen nur nach der innerhalb desselben vorkommenden geringsten Festigkeit beanspruchen darf, bei Lederriemen nur durch zweckmäſsige Auswahl der Lederstücke der erwähnten allgemeinen Forderung gerecht zu werden vermag. Gummiriemen sowie baumwollene Treibbänder sind in dieser Beziehung den Lederriemen überlegen, indem deren Verfertigungsweise fast vollständige Gleichförmigkeit ermöglicht.

2) Biegsamkeit bezieh. Geschmeidigkeit, so daſs die Riemen sich ohne Schwierigkeit an die Oberflächen ihrer Rollen zu legen vermögen. Dieselbe ist in verschiedenem Grade zu verlangen, je nachdem der Halbmesser der Riemenrollen und die Krümmung der Rollenbahn kleiner oder gröſser sind. Das höchste Maſs der Geschmeidigkeit fordern die „halbgeschränkten“ Riemen, während auf groſsen cylindrischen Rollen laufende Riemen ohne Schaden ziemlich steif sein können.

3) Gleichmäſsiger Querschnitt. Denselben gewinnt man, so lange von den Verbindungsstellen abgesehen wird, bei Gummi- und Baumwollriemen ohne weiteres; derselbe ist auch den Lederriemen zu geben, um eine gleichmäſsige Streckung zu erzielen, bezieh. das „Krummwerden“ zu verhüten, welches schwankenden Lauf des Riemens, ja sogar das Abfallen desselben hervorruft.

4) Die Forderung gerader glatter Kanten deckt sich zum Theil mit der vorigen. Ungerade Kanten können jedoch auch durch ungenaues Bearbeiten der Lederriemen und durch fehlerhaftes Verbinden aller Riemen bezieh. durch die Gestalt und Einrichtungen der Riemenverbinder herbeigeführt |239| werden; sie bringen im Allgemeinen Gefahren für die bedienenden Arbeiter und machen den Riemen untauglich für die gewöhnliche Gabelführung derselben.

5) Glatte Bahn und schlichter Rücken des Riemens; erstere versteht sich von selbst und letztere ist wünschenswerth in Rücksicht auf die Sicherheit der Arbeiter und nothwendig, wenn auf den Rücken des Riemens Spann- oder Leitrollen wirken sollen.

6) Gleichförmiges Gewicht ist um so erforderlicher und beherzigenswerther, je gröſser die Riemengeschwindigkeit ist, indem ungleichförmiges Gewicht die in die Bewegungsebene des Riemens fallenden Schwankungen desselben, das sogen. „Klappen“ des Riemens veranlaſst. Bei groſser Riemengeschwindigkeit (über 10m sekundlich) macht sich die in mäſsigen Grenzen bleibende Ungleichheit des Gewichtes schon an der Auflaufseite bemerkbar, da das Ablenken des schwereren Theiles von der bisherigen geradlinigen in die kreisförmige Bahn gröſsere Kräfte beansprucht als dasjenige des leichteren Riementheiles. Bei geneigten, mehr noch bei wagrechten längeren Riemenläufen machen sich die gröſseren Gewichte einzelner Theile der Riemen ohne weiteres durch gröſsere Einsenkungen geltend. Nicht das unangenehme Geräusch, nicht die ruckweisen Belastungen der Wellen, welche durch das „Klappen“ erzeugt werden, bilden die unangenehmsten Folgen desselben fühlbarer ist die Ungleichmäſsigkeit der Bewegungsübertragung auf solche zu bewegende Mechanismen, welche geringe Masse besitzen.

Auſser diesen allgemeinen Forderungen begegnet man in der Regel noch den beiden Ansprüchen: 7) daſs eine Längenänderung, wenigstens eine Verkürzung des Riemenlaufes rasch und sicher auszuführen ist und 8) daſs im Fall eines Riemenbruches die Ausbesserung des Riemens rasch und gut durchgeführt werden kann. Die Gründe für diese Ansprüche liegen auf der Hand.

Ich beginne nun mit der wahrscheinlich ältesten, jedenfalls heute noch verbreitetsten Verbindungsweise mittels:

A) Nähriemen oder Binderiemen.

Sie tritt in drei Formen auf, nämlich mit stumpfem Stoſs, mit Ueberlappung und mit Laschen.

Verbindungen mit stumpfem Stoſs stellen die Fig. 1 bis 4 Taf. 19 dar. Fig. 1 veranschaulicht besonders die „doppelt überwendliche Nath“, welche man für leichtere Lederriemen nicht selten angewendet findet. Die Wirkungsweise derselben besteht offenbar ausschlieſslich darin, daſs jedes Treibriemenende in Schleifen des Binderiemens hängt, welcher am gegenüber liegenden Treibriemenende befestigt ist. Durch die Kreuzung des Binderiemens zwischen den Treibriemenenden wird die Nath sehr biegsam, also für Rollen sehr kleinen Durchmessers besonders gut verwendbar. Die Festigkeit der Verbindung entspricht einmal der Summe |240| der neben den Nählöchern übrig bleibenden Treibriemenquerschnitte, dann der Festigkeit der zwischen den Riemenstöſsen befindlichen Binderiemen, multiplicirt mit dem Cosinus des Neigungswinkels derselben. Als Uebelstand dieser Verbindung ist die Lücke zwischen den Treibriemenenden zu bezeichnen, welche bei Gabellauf zu nachtheiligen Stöſsen führen kann.

Von letzterem Nachtheil frei, aber weniger biegsam, im Uebrigen aber so fest wie die vorige ist die Verbindung Fig. 2.

Um eine gröſsere Festigkeit zu erzielen, legt man die Löcher für die Binderiemen in zwei Reihen und versetzt sie gegen einander (vgl. Fig. 3 und 4) in ähnlicher Weise, wie der „Hasensprung“ des nun vergessenen hölzernen Zahnrades zur Anwendung kam und die Anordnung der Nietlöcher bei 2reihiger Vernietung gebräuchlich ist. Diese letzteren Verbindungen, zu denen auch die in D. p. J. 1878 228 * 296 beschriebene gehört, müssen zu den besten gerechnet werden; sie beschweren den Riemen fast gar nicht, beeinträchtigen dessen Geschmeidigkeit nur sehr wenig und liefern glatte Ränder wie glatte Flächen.

Von den Verbindungen mit Ueberlappung steht diejenige, welche Fig. 5 Taf. 19 darstellt, der vorigen am nächsten, indem nämlich die schräge Fuge verhältniſsmäſsig schmal ist. Es darf jedoch ein zu Gunsten dieser Verbindung sprechender Umstand nicht übersehen werden, welcher zur Erhöhung der Festigkeit beiträgt. Die beiden Lappen werden nämlich seitens der Binderiemen auf einander gedrückt, so daſs eine entsprechende Reibung der sich berührenden Flächen entsteht; diese wächst mit der Beanspruchung des Riemens. Die erwähnte Reibung tritt in weit höherem Maſse bei den Verhältnissen auf, welche Fig. 6 Taf. 19 erkennen läſst. So lange die Riemenenden in der hier gezeichneten Art abgeschrägt sind, ist die Gebrauchsfähigkeit der betreffenden Riemen denjenigen mit stumpfen Stöſsen gleich, oder überragt sie noch wegen der erwähnten Reibung. Die Herstellung der Verbindungen ist aber kostspieliger, indem für jede derselben an der Länge des Riemens die Lappenbreite verloren geht.

Die Laschenverbindung, namentlich diejenige, bei welcher sowohl über, als auch unter den Treibriemenenden Laschen liegen, ist plump, beeinträchtigt die Biegsamkeit und Gleichförmigkeit des Riemens in hohem Grade, ohne – soweit Lederriemen in Frage kommen – den vorhin besprochenen Verbindungen gegenüber einen ersichtlichen Vortheil zu bieten. Sie hat jedoch Bedeutung für alle solche Riemen, deren hauptsächlichster Zusammenhang durch Gewebe gebildet wird (z.B. Gummiriemen), oder ausschlieſslich aus Gewebe bestehen (z.B. Baumwollriemen), indem diese mit stumpfem Stoſs gar nicht, mit Ueberlappung schwierig in genügendem Grade verbunden werden können. Hier kann die Reibung der Kettenfäden allein für die Verbindung benutzt werden, was, so lange sie durch Binderiemen hervorgebracht werden soll, in vollkommener Weise nur unter Beihilfe zweier Lederlaschen möglich ist.

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Zwar nicht dem Wesen, wohl aber dem Ansehen und den Eigenschaften nach reiht sich an die Verbindung mittels einfacher Ueberlappung (Fig. 6) diejenige, welche durch Zusammenleimen der beiden Lappen gewonnen wird. Sie wurde im J. 1854 als aus Amerika stammend in Europa bekannt (vgl. 1855 135 234. Armengaud's Génie industriel, 1854 S. 305. Bulletin d'Encouragement, September 1854 S. 560) und ist seitdem theils als reine Leimverbindung, theils unter Mitbenutzung einer Nagelung oder Nietung im Gebrauch. Da letztgenannte Zugaben nur dann in Wirksamkeit zu treten vermögen, wenn die Leimung versagt, da ferner eine gut ausgeführte Leimung die Verbindungsstelle so widerstandsfähig macht, wie der Riemen auſserhalb der Verbindungsstelle ist, so ist Nagelung wie Nietung des geleimten Riemens zwecklos. Die Leimverbindung beeinträchtigt die Geschmeidigkeit des Riemens fast gar nicht; sie erfordert nur den Querschnitt, welcher den Riemen an anderen Stellen besitzt, verursacht keinerlei Unebenheiten des Riemens und ist daher die vorzüglichste Verbindungsart für Lederriemen, welche eine groſse Geschwindigkeit haben und sich an kleine Rollen legen müssen. Als Mängel der Leim Verbindung sind zu nennen: Verlust eines Riementheiles wegen der Ueberlappungen (vgl. Fig. 6), Schwierigkeit sie zu lösen, Notwendigkeit geschickter, sorgfältiger Ausführung und gröſserer Zeitaufwand für diese.

B) Riemenschrauben und Riemenniete.

Niete, unter deren Köpfe gröſsere runde Scheiben gelegt werden, um eine breitere Auflagefläche zu erhalten, als man durch die Köpfe an sich zu gewinnen vermag, eignen sich zum Verbinden über einander gelegter Lederriemen und der Doppellaschen für gewebte Riemen. Die Nietverbindung gestattet aber keine so hochgradige Zuschärfung der Lederränder wie die durch Fig. 5 und 6 dargestellten Verbindungen; sie gibt namentlich bei Verwendung doppelter Laschen groſse Steifigkeit und vermindert offenbar die Gleichförmigkeit des Riemengewichtes; endlich ist ihre Lösbarkeit gering, weshalb sie keine groſse Verbreitung gefunden hat.

Die Riemenschrauben werden in derselben Weise angewendet wie die Riemennieten; sie sind jedoch vielfach mit so groſsen Köpfen versehen, daſs besondere Unterlegscheiben gespart werden können. So lange die beiden Riemenlappen, oder bei Verwendung doppelter Laschen die drei über einander befindlichen Lagen seitens der Schrauben fest zusammengepreſst werden, verhalten sich die Schraubenverbindungen nur in so fern von den Nietverbindungen abweichend, als erstere leicht lösbar sind. Hat man aber versäumt, die Schrauben genügend anzuziehen, oder sind dieselben hierfür überhaupt zu lang, so kippen die Schrauben (vgl. Fig. 7 Taf. 19), beschädigen das Leder und werden von den Riemenrollen selbst beschädigt. Diesem Uebelstande begegnen sehr wirksam Gale und Fensom (vgl. 1853 130 * 101), indem sie zwei in der Bewegungsrichtung |242| hinter einander liegende Riemenschraubenmuttern mit gemeinschaftlichem Kopf versehen und auf der entgegengesetzten Seite eine gemeinschaftliche Unterlegplatte verwenden. Die Benutzung dieses Gedankens wird freilich fast unmöglich gemacht durch die entstehende Unbiegsamkeit der Verbindung. Kernaul (1879 234 * 89) versieht die Auſsenseite der die Mutter bildenden Hülse mit linksgängigem, schwach zugespitztem Gewinde, wodurch möglich wird, dieselbe in das betreffende Loch des Riemens derb einzuzwängen. Einige andere Vorzüge der Kernaul'schen Schraube übergehe ich hier. Motz (1878 230 * 214), Ragué (1879 234 * 90), F. Lotz in Berlin (* D. R. P. Nr. 18763 vom 11. November 1881) bezieh. C. F. Hax in Frankfurt a. M. (* D. R. P. Nr. 19446 vom 9. December 1881) machen die Riemenschraube dreitheilig, um nämlich die Schraube fester anziehen zu können. Besondere Vortheile, welche diesen Constructionen beigemessen werden, halte ich einer Erwähnung an diesem Orte nicht werth.

Der Vortheil gröſserer Lösbarkeit der Riemenschrauben Verbindungen gegenüber denjenigen mittels Nähriemen wird im Ganzen von den Nachtheilen überwogen, welche sie im Vergleich mit denselben besitzen.

C) Krallen.

Die bekannte Harris'sche Riemenkralle, bei welcher die stumpf an einander stoſsenden Riemenenden auf pyramidale, an einer eisernen Platte festsitzende Stifte gehängt sind (vgl. Fig. 8 Taf. 19), ist vielen Bedenken begegnet, hat diese aber überwunden, soweit sie in Heutiger Weise und für geringere Riemengeschwindigkeiten (unter 8m sekundlich) verwendet worden ist. Nothwendig ist, daſs der Krümmungshalbmesser der Platte, auf welcher die Stifte senkrecht stehen, kleiner gewählt wird als der Halbmesser der kleineren von beiden Rollen, über welche die Kralle laufen soll. Die Platten sollen möglichst dünn sein, um nicht zu schwer zu werden, auch bei gröſseren Riemenbreiten nicht eine sondern mehrere neben einander gelegte Krallen die Verbindung herstellen. Sofern die Kralle gute Verhältnisse hat und vorsichtig eingeschlagen ist, dürfte die Festigkeit der Verbindung nur sehr wenig hinter der Festigkeit des Lederriemens zurückbleiben. Sie erzeugt eine steifere Verbindung wie die gewöhnlichen Riemenschrauben, ist aber einfacher und rascher als diese anzuwenden. Niemann's Riemenverbinder (1878 227 * 21) dürfte die Harris'sche Kralle in keinem Punkte übertreffen, während Zimmer's Kralle (1879 234 * 91) ihrer Biegsamkeit und Leichtigkeit halber unter Umständen vorzuziehen sein dürfte.

Für rasches Lösen und Wiederherstellen der Verbindung dürfte sich in manchen Fällen Bachmann's Krallenhaken (Fig. 9 Taf. 19) empfehlen. Die Riemenenden sind mit Krallen und Haken bezieh. Oesen versehen, welche in einer während des Betriebes nie vorkommenden gegenseitigen Lage leicht in einander geschoben bezieh. aus einander gezogen werden können.

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Sämmtliche Krallenverbindungen eignen sich nur für Lederriemen, sind wenigstens bei Gummiriemen nur mit Vorsicht zu verwenden sie sind in ihrer gegenwärtigen Gestalt für solche Riemenbetriebe, bei welchen Spannrollen gegen den Riemenrücken wirken, ungeeignet.

D) Haken, Knebel u. dgl.

Die einfache Hakenverbindung Fig. 10 Taf. 19 erinnert an die Kralle; sie unterscheidet sich von dieser durch die bogenförmige Gestalt der Haken, an welchen die Riemenenden hängen, ferner durch gröſsere Leichtigkeit und dadurch, daſs der Riemen in der Breitenrichtung keine Versteifung erfahrt. Für leichte Riemenbetriebe ist diese Verbindung recht gut zu verwenden. W. H. Steil in London (* D. R. P. Nr. 18827 vom 11. Januar 1882) hat sie in etwas anderer Gestalt neuerdings patentirt erhalten. Der Doppelhaken Fig. 11 Taf. 19 bietet den tragenden Riemenlöchern gröſsere Angriffsflächen und gestattet ein rasches Lösen und Wiederherstellen der Verbindung, ist aber abgesehen von seinen Abmessungen ebenso wenig stark wie der einfache Haken. – Zur Nedden und Teschendorf (1882 245 * 434) bilden die einfachen eigentlichen Haken an dem Rande schwach gebogener Blechplatten aus, wodurch die Geschmeidigkeit der Verbindung erheblich einbüſst, ohne daſs ein ersichtlicher Vortheil gewonnen wird.

Offenbar ist bei gröſserer Anstrengung dieser Verbindungen ein Zurückbiegen der Haken zu befürchten, was auch durch Lincolne's Anordnung (1871 199 * 451) nicht vermieden wird.

Die in Fig. 12 Taf. 19 dargestellte Hakenverbindung ist frei von dieser Schwäche. Zwei dünne, genau gleich gestaltete Bleche sind an einer Seite mit Haken, an der anderen mit Oesen versehen. Man steckt die Haken durch passend angebrachte Löcher der stumpf zusammenstoſsenden Riemenenden und auch durch die Oesen des anderen Bleches und hämmert die überstehenden Hakenenden nieder. Die Verbindung ist leicht und sicher; sie liefert einen an allen 4 Seiten glatten Riemen. Leider ist sie und zwar nach beiden in Frage kommenden Richtungen starr.

Green's Riemenknebel (Fig. 13 Taf. 19) sind leicht anzubringen, liefern aber schwerlich bei gröſserer Beanspruchung eine dauerhafte Verbindung. Vor allem aber stören die Hervorragungen auf der Rückseite des Riemens, welche geschaffen zu sein scheinen, die Handhabung desselben besonders gefährlich zu machen.

Nicht viel besser ist es mit Wilczynski's Spange, Sanducky's (?) Patent, welche durch Wilczynski's Berichte, April 1879 bekannt wurde. Fig. 14 Taf. 19 stellt sie in zwei Ansichten dar. Die an dem Stäbchen a festsitzenden geöhrten Zungen werden durch vorher hergestellte Löcher der Treibriemenenden geschoben und alsdann der Splint b vorgesteckt.

Bei genauerem Betrachten der Figur 14 Taf. 19 findet man unschwer eine Aehnlichkeit dieser Verbindung mit der alten Zungenschnalle. Man |244| denke sich die beiden Schienen a und b durch seitwärts vom Riemen liegende Stücke zu einem rechteckigen Ring verbunden, so daſs die Oesen, durch welche der Splinte geschoben ist, überflüssig werden, so hat man das Bild des Wesens einer Zungenschnalle vor sich. Die in Rede stehende Schnallen Verbindung ist weit leichter zu lösen und wiederherzustellen als Wilczynski's bezieh. Green's Verbindung, hat aber mit allen Schnallenverbindern den Uebelstand gemein, daſs die Verbindungsstelle breiter als der Riemen wird.

Die unter D aufgezählten Verbindungsarten sind, wie leicht ersichtlich, nur für Lederriemen verwendbar, wogegen für alle Riemen brauchbar sind die

E) Klemmen.

Die zahlreichen Formen dieser Verbindungen lassen sich gruppiren in Klemmen, welche mit zunehmender Anspannung des Riemens sich fester schlieſsen, und in solche, welche mittels Excenter bezieh. mittels Schraube geschlossen werden.

Eine einfache zur ersten Untergruppe gehörende Anordnung wurde in D. p. J. 1863 169 * 245 beschrieben; sie mag zur Kennzeichnung dieser Gattung in Fig. 15 Taf. 19 nochmals vorgeführt werden. Die beiden Riemenenden werden in den rechteckigen eisernen Ring a gesteckt, hierauf mittels des Holzkeiles b befestigt und nunmehr die beiden Riemenstücke c und d in die gezeichnete gestreckte Lage gebracht. Jede Anspannung des Riemens, welche versucht die Riemenenden aus dem Ring zu ziehen, drückt den Holzkeil b fester zwischen die Riemenenden, so lange der Spitzenwinkel des Keiles b bezieh. des Keiles, welcher entsteht, wenn man an die oberen Berührungsflächen zwischen Riemen und Ring tangirende Ebenen legt, genügend klein ist. Für breitere Riemen lassen sich, um eine Nachgiebigkeit des Ringes a zu verhüten, die Langseiten desselben mittels Stege verbinden. O. Rieck (1881 240 * 341) ersetzt den zwischen die Riemenenden gelegten Holzkeil durch einen metallnen Keil, welcher sich an einen Längsstab des Ringes legt und dort gewissermaſsen als Excenter wirkt; ich vermag einen Vortheil der Rieck'schen Anordnung gegenüber der viel älteren nicht zu erkennen.

Thofehrn (1879 234 * 91) nietet das eine Riemenende an die Auſsenseite des Ringes und klemmt das andere Ende mittels eines Keiles fest. Da der Keil seitens nur eines Riemenendes angezogen, durch die Reibung am Ringe aber zurückgehalten wird, so erfolgt kein mit der Spannung zunehmendes Anziehen des Keiles, so lange die Reibung desselben am Ringe gröſser oder gleich derjenigen am Riemen ist. Das Annieten des einen Riemenendes ist auch nicht als vorteilhaft zu bezeichnen, so daſs auch dieser Thofehrn'sche Verbinder hinter dem älteren, in Fig. 15 dargestellten zurücksteht.

K. Hofmann (1881 240 * 342) verbindet die beiden langen Seiten des klemmenden Ringes mittels eines kräftigen Bügels, wodurch die beiden |245| kurzen Seiten entbehrlich, also die beiden Riemenränder glatt werden; dieser Bügel ragt aber um etwa die 12fache Riemendicke über dem Riemenrücken hervor, was zu vielen Bedenken Veranlassung gibt. Oertgen und Schulte (1881 240 * 342) machen den Bügel so breit wie den Riemen, verwenden mit anderen Worten einen geschlitzten, an beiden Seiten offenen Cylinder, welcher die Riemenbreite zur Länge hat, und legen – da ein Keil hierbei nicht einzubringen ist – einen Holzpflock zwischen die Riemen enden, so daſs die Klemmung in gleicher Weise wie bei Fig. 15 erfolgt. Die Höhe der hierdurch auf dem Riemenrücken entstehenden Hervorragung beträgt etwa das 7fache der Riemendicke; sie ist geringer bei der in Fig. 16 Taf. 19 abgebildeten Verbindung, indem diese einen dem oben erwähnten gleichen Cylinder für jedes Riemenende benutzt. Geradezu erstaunlich ist die Gestalt eines hierher gehörenden Riemenverbinders, welchen Büttgenbach in der Wochenschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1882 S. 377 beschreibt.

Zwei Verbindungen, nämlich diejenigen K. Riedig's und Ewerhard's (1882 240 * 342), welche grundsätzlich gerade so angeordnet sind wie die zungenlosen Hosenträgerschnallen, will ich nur nennen.

Endlich ist zur gegenwärtigen Gruppe Zogbaum's Verbinder (1879 234 * 92) zu erwähnen, welcher sich durch seine Plumpheit und dadurch auszeichnet, daſs er sowohl über die Riemenränder, als auch und zwar in hohem Maſse über den Riemenrücken hervorragt. Es sind die Zogbaum'schen bezieh. die Riedig'schen Verbindungen gewissermaſsen die Vertreter der Zungenschnalle bei den Gummi- und Baumwollriemen.

Die Gruppe der Klemmen, welche mittels Excenter geschlossen werden, ist arm an Formen; daſs eine derselben in nennenswerthem Umfange angewendet wird, ist zu bezweifeln. Ich begnüge mich daher mit der Angabe der mir bekannten Quellen (Jorissen 1879 231 * 225. Melcher und Dülken 1879 234 * 90) und füge hinzu, daſs diese Verbinder weder glatte Ränder, noch glatten Rücken des Riemens gewähren, ziemlich plump und jedenfalls nicht billig sind.

Klemmen, welche mittels Schrauben geschlossen werden: Fürstenau (1872 205 * 400) empfahl, die beiden Riemenenden über einander und zwischen zwei Flachstäbe zu legen, welche mittels Schrauben zusammengepreſst werden sollten. Die betreffende Anordnung ist ungeschickt und schwer, weshalb sie kaum versuchsweise benutzt sein dürfte. Ph. Koch's Verbinder (1879 234 * 92) hat mehr Glück gehabt und zwar sowohl in seiner ursprünglichen und in der durch den Erfinder verbesserten Gestalt (vgl. 1881 240 * 341), als auch in Gestalt der Nachbildungen Roſsbach's (1879 234 * 92) und L. Ph. Cahen's (1881 240 * 340). Die beiden Riemenenden stoſsen stumpf zusammen und werden zwischen zwei Platten geklemmt, welche mehr oder weniger gerauht sind. Die Platten sind gekrümmt, damit diejenige, welche auf der Arbeitsseite des Riemens sich befindet nicht auf die Riemenrollen zu schlagen vermag. Weniger hübsch |246| ist die Anordnung Jorissen's (1879 234 * 91), bei welcher die Riemenenden ähnlich wie in Fig. 15 empor gebogen, aber mittels zweier Schienen und geeigneter Schrauben zusammengepreſst werden.

Die Verbinder dieser 3. Untergruppe gestatten glatte Riemenränder und ragen meistens weniger über den Riemenrücken hervor als die Verbinder der vorgenannten zwei Untergruppen; sie sind aber im Ganzen schwerer als jene.

Sämmtliche Klemmverbindungen zeichnen sich durch ihre Steifheit, namentlich quer gegen den Riemenlauf aus, eignen sich daher wenig für breite Riemen, welche auf stark gewölbten Rollen laufen; ihres Gewichtes und ihrer Gestalt halber sollten sie nur für geringere Geschwindigkeiten unter 8m sekundlich Anwendung finden; Riemen, deren Rücken gegen Spannrollen sich legen, dürfen mittels der Klemmen nicht verbunden werden. Sie sind aber nicht ganz zu umgehen bei Verwendung der Baumwoll- und Gummiriemen.

Die Riemenverbinder der Klasse D (Haken, Knebel u. dgl.) dürften im Allgemeinen am wenigsten zu empfehlen sein und ebenso diejenigen der Klasse B (Schrauben und Mete); ein weiteres Feld steht der Klasse C (Krallen) offen. Vor allen aber findet man die wesentlichsten, an einen guten Treibriemen zu stellenden Forderungen durch die Verbindungen der Klasse A (Binderiemen) erfüllt, unter denen die Leim Verbindung den ersten Rang einnimmt, wenn von dem Umstände abgesehen wird, daſs sie zu ihrer Herstellung wie zu einer Längenänderung viel Zeit beansprucht.

Aus den gegebenen Erörterungen dürfte aber vor allen Dingen hervorgehen, daſs man vor der Wahl einer Verbindungsart die besonderen Umstände prüfen, die Vortheile und Nachtheile der einzelnen Arten abwägen muſs, da keiner der Riemenverbinder für alle Riemenarten und Betriebsverhältnisse in gleichem Maſse geeignet ist. Freilich genügt eine viel kleinere Auswahl, als die Erfinder uns geschaffen haben, welche augenscheinlich oft Neues hervorzubringen suchten, ohne das Vorhandene kennen gelernt zu haben.

Die folgenden Erörterungen verdanken ihr Dasein der Anregung des bekannten, bedeutenden Hamburger Geschäftshauses C. Otto Gehrckens, welches auch einen Theil des Stoffes geliefert hat.

Der Verf.

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