Titel: Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247 (S. 361–368)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/ar247140

Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 29.

(Patentklasse 25. Fortsetzung des Berichtes S. 216 Bd. 246.)

Die Erfindungen im Gebiete der Wirkerei sind in den letztverflossenen Jahren nach und nach immer seltener geworden; weder durch Patentirung |362| bezieh. Veröffentlichung der Patentschriften, noch durch gelegentliche mündliche Mittheilungen sind erhebliche Neuerungen bekannt geworden: der Maschinenbau war reichlich beschäftigt mit der Ausführung der vorhandenen und zum Theil als gut anerkannten Constructionen. In den neuesten Patentschriften finden sich deshalb die Klassen der besten regulären Wirkmaschinen gar nicht vertreten; nur Strickmaschinen und zwar die gewöhnliche Lamb'sche Einrichtung sowohl, als die sogen. halben oder einseitigen Maschinen und Rundstrickmaschinen sind mit Verbesserungen bedacht worden und diesen schlieſsen sich endlich noch zwei Rundstuhleinrichtungen an.

Die einseitige Strickmaschine von Hauswirth und A. Johann in Barmen (* D. R. P. Nr. 20143 am 22. April 1882) ist eigentlich ein flacher Stuhl mit einzeln beweglichen Zungennadeln a (Fig. 1 bis 3 Taf. 29), welche durch eine Curvenschiene b genau so bewegt werden wie die Nadeln der Lamb'schen Strickmaschine durch das Schloſs ihres Schlittens. Jede Nadel a wird durch eine Feder c so weit abwärts geschoben, daſs ihr Arbeitshaken z nicht in die Führungsnuth der Schiene b gelangt, und es drückt deshalb vor jeder Reihenbildung ein Jacquardprisma d an die unteren Nadelenden und theilt je nach der Durchbohrung seiner Karten die Nadelreihe a in arbeitende Nadeln, welche emporgeschoben und in z von der Nuthenschiene b erfaſst werden, und ruhende Nadeln, welche unten bleiben. Hiermit und unter Zuhilfenahme mehrerer Fadenführer können unterlegte Farbmuster gearbeitet werden. Die hierzu angegebenen Fadenführer e bilden Rahmen mit Spulen, ähnlich den Broschirschützen der Weberei; sie werden unter Vermittelung eines Zahnstangengetriebes e1, e2 durch einen Mitnehmer e3 der Nuthenschiene b seitlich verschoben. Wegen des Fadenwechsels enthält die Schiene f drei oder mehr Fadenführer und wird durch einen besonderen Regulator so verstellt, daſs irgend einer derselben über die herausgeschobenen Nadelhaken a kommt und seinen Faden auf dieselben legt.

Die Maschine enthält ferner einen neuen Petinetapparat: Den Zungennadeln a gegenüber liegen, in gleicher Anzahl mit denselben, die Haken oder Abhängenadeln g, geführt von einem Kamme h und getragen theils von der gerippten Walze i, theils von den Stäben k, mit deren Enden sie durch einfache Hakengelenke verbunden sind. Diese Stäbchen k verhalten sich ähnlich wie die Nadeln der Gegenseite; im Allgemeinen sind sie durch Federn l hinabgedrückt, können aber durch ein von Hebeln bewegtes Jacquardprisma m in beliebiger Anzahl und Vertheilung emporgeschoben werden. Im letzteren Falle gelangen die vorderen Haken von g in die Maschen der gegenüber liegenden Nadeln a und sie heben bei der Drehung von i diese Maschen empor (Fig. 1), worauf die Zungennadeln a, deren Jacquardprisma wenig zurückweicht, sich gänzlich aus ihren Maschen herausziehen, welche dann nur auf g hängen (vgl. Fig. 3). Hierauf verschiebt sich der Kamm h und nimmt die Abhängenadeln g um eine |363| Theilung nach rechts oder links mit fort, so daſs jeder Haken g nun der Nachbarnadel a gegenüber liegt, welche beim Andrücken des Prismas d in die Masche auf g einfährt. Wenn endlich die Haken g sinken und zurückgehen, so bleiben ihre Maschen auf den Nadeln a hängen und es ist dann, genau wie in Petinetarbeit, irgend eine Masche der Reihe von ihrer Nadel a hinweg genommen und auf die Nachbarnadel gehängt worden.

Bei der Neuerung an Strickmaschinen von H. Schürer in Werdau (* D. R. P. Nr. 20478 vom 18. August 1881) sind es wiederum sogen. einseitige Strickmaschinen, welche hier zu je zweien oder mehreren (a in Fig. 4 Taf. 29) hinter einander verwendet und deren Schlösser durch einen gemeinschaftlichen Schlitten gleichmäſsig bewegt werden. Diese Maschinen enthalten offene Haken b als Fadenführer, welche so gebogen sind, daſs sie einen in der Richtung v ihnen vorgehaltenen Faden regelmäſsig mit fortnehmen, denselben aber frei lassen, wenn er durch seinen oberen Führer c in die Richtung w gebracht wird. Die Schienen c, c1, c2 u.s.w. (sogen. Tasten) sind auf dem Gestell verschiebbar; sie können mit der Hand einzeln nach rechts gerückt werden, bringen dabei ihren Faden in die Arbeitslage und bleiben mit ihm in derselben, gehalten von einem federnden Schieber d, durch dessen Ausschnitte je eine solche Schiene c mit einem dünnen Theile hindurch reicht und welcher hinter eine Verstärkung dieser Schiene sich dann anstemmt (vgl. Fig. 5). Wird an Stelle eines jetzt arbeitenden Führers c1 ein anderer c nach vorn in die Arbeitslage gebracht, so drängt er mit seiner Verstärkung den Schieber d bei y etwas seitwärts, bringt damit den Einschnitt für c vor die Knagge z in c und nun wird sofort die Schiene c durch eine Feder zurückgezogen. Der frühere Fadenführer c1 rückt also selbstthätig seinen Faden aus, sobald man einen neuen Faden mit c einrückt. Die Reihenfolge dieses Einrückens kann nun auch durch die Musterkette e bestimmt werden, welche über Rollen geleitet und so breit ist, daſs sie über jeder Taste c, c1 u.s.w. auf irgend einem Gliede einen Vorsprung f tragen kann. Das Klinkrad g mit Klinke h, Hebel i und Schieberstange k, welche von einem Keilstücke l des Schlittens gehoben und gesenkt wird, bewegen die Kette nach je zwei Reihen um ein Glied fort und auf zwei oder eine gerade Anzahl Reihen muſs jeder Faden thätig sein, weil der Wechsel immer nur auf einer und derselben Maschinenseite stattfinden kann. Stöſst eine Nase f an die entsprechende Erhöhung m ihrer Taste, so nimmt sie letztere bei der nächsten Drehung von g mit vorwärts in die Arbeitslage und während dieser Zeit rückt die vorige Taste selbstthätig zurück.

Bei den Strichmaschinen von Th. Coltman in Leicester, England (* D. R. P. Nr. 19314 vom 26. Oktober 1880) wird die Schloſsbewegung von einer Kurbelscheibe in der Weise abgeleitet, daſs die Kurbelstange ein Parallelogramm in Schwingungen versetzt, dessen eine Seite in langer Schleife den Bolzen der Schloſsplatte führt. Auf jeder Seite der Maschine sind doppelte Schlösser und Fadenführer vorhanden zur Herstellung hinterlegter Fangwaare; ferner werden |364| die Roscher'schen getheilten Nadelbetten (vgl. 1878 230 * 402) in der Weise zum Mindern der Waare verwendet, daſs man durch sie die abgedeckten Nadeln ausrückt.

Verfahren und Apparate zur Herstellung eingelegter Farbmuster auf der Lamb'schen Strickmaschine von Wilh. Barfuß in Apolda (* D. R. P. Nr. 20157 vom 21. December 1881). Bei der Herstellung von Ränderwaare arbeiten beide Nadelreihen der Strickmaschine gleichmäſsig und gleichzeitig ihre Maschen; werden aber einzelne Nadeln durch besondere Fadenleger (ähnlich einer Kettenmaschine) mit Faden überlegt und vor Beginn der Reihenarbeit schon tief hinabgeschoben, so erhalten sie dann den allgemeinen Reihenfaden nicht mehr, sondern bilden unter Einwirkung des Schlosses endlich ihre Maschen aus den Extrafäden und damit Farbmuster auf einer Waarenseite. Die Verbindung zwischen Vorder- und Rückseite der Waare ist an diesen Musterstellen aufgehoben; da sie aber nur von geringer Breite gearbeitet werden können (einen Faden kann man über nur zwei gleichzeitig abschlagende Nadeln legen) und in der Waarenbreite fortschreitend sich verschieben, so ist dieses Fehlen der Maschenverbindung nicht merklich.

In der Strickmaschine von Seyfert und Donner in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 19601 vom 3. April 1881) ist der Fadenführer nicht mehr, wie in der alten Lamb'schen Maschine, oberhalb der Nadelbetten auf einem horizontalen Stabe verschiebbar aufgelagert, sondern die Führungsschiene des Schlittens, welche unter den Nadelbetten die Gestellwände mit einander verbindet, trägt das verschiebbare Führerkästchen, von welchem aus der Führer über den Schlitten hinweg aufwärts reicht und das durch die Schlittenfüſse selbst, in deren Zwischenraum der erforderliche Spielraum für das Nachgehen des Führers vorhanden ist, angestoſsen und mit fortgenommen wird. Ferner ist als ein Mittel zum Senken und Heben der Nadelbetten auf dem Gestell folgende Einrichtung angegeben: Das Nadelbett enthält an jedem Ende, dicht an der Stirnwand der Maschine und parallel zu letzterer eine rechtwinklig angesetzte Platte; diese Platte und die Gestellwand sind durchbohrt und ein Bolzen verbindet beide in einer bestimmten Lage fest mit einander. In kurzer Entfernung von dieser Stelle hat Platte und Gestellwand auch wieder je eine Durchbohrung; aber beide Löcher liegen nicht in gleicher Achse, sondern parallel zu und etwas verschoben gegen einander, so daſs nur etwa ⅔ der Oeffnungen sich treffen. Zieht man nun den Bolzen aus der ersten Befestigungsstelle heraus und steckt ihn mit dem zugespitzten Ende von auſsen in die zweite Oeffnung hinein, so trifft er, wenn er durch die Gestellwand hindurch ist, auch die Oeffnung der Nadelplatte und drängt diese Oeffnung in gleiche Richtung mit derjenigen im Gestell, senkt oder hebt also das Nadelbett je nach der Lage der Löcher gegen einander. – Mit der Patentirung dieser Einrichtung im J. 1876 in Sachsen und der Uebertragung des Patentes auf das deutsche Reich ist ein neuer Beweis dafür geliefert, daſs Dubied in seinem Strickmaschinenpatente Nr. 2254 nicht ganz allgemein die Verschiebbarkeit der Nadelbetten auf dem Gestell geschützt erhalten hat, wie noch jetzt von mancher Seite fälschlich angenommen und angegeben wird.

Die Einrichtung zur Verschiebung des Nadelbettes an der Lamb'schen Strickmaschine von Laue und Timäus in Löbtau-Dresden (* D. R. P. Nr. 20493 vom 5. Februar 1881) ist ebenso wie die oben genannte, dazu bestimmt, die Nadelbetten zu heben und zu senken: Dicht unter den letzteren und in Nuthen der beiden verstärkten Gestellwände liegt ein viereckiger Rahmen, in dessen schiefe Schlitze je zwei Bolzen einer Nadelplatte eingreifen. Unter dem Rahmen aber ist eine Schnecke gelagert und ein aus ersterem herausreichender Stift greift wie ein Radzahn in die Schneckengänge. Dreht man nun die Schnecke, so verschiebt dieselbe den Rahmen und dieser drückt mit seinen schrägen Schlitzen die Bolzen der Nadelbetten und letztere selbst ab- oder aufwärts.

Lagerung zweier Nadelreihen in einem Bett der Lamb'schen Strickmaschine von Laue und Timäus (* D. R. P. Nr. 20559 vom 22. Januar 1882). Die neben einander liegenden Nadeln der Strickmaschine sind durch Stege des Nadelbettes von einander getrennt, welche wegen des seitlichen |365| Stoſses, den die Nadeln zu erleiden haben, nicht allzu dünn sein dürfen. Damit nun doch die Reihe eine enge Theilung erhalte, sind die in Fig. 6 und 7 Taf. 29 gezeichneten Constructionen angegeben worden: Das Nadelbett a hat Führungsnuthen an seiner Ober- und seiner Unterseite erhalten derart, daſs die Nadeln nicht über, sondern neben einander liegen; der Schlitten b bekommt zwei Schlösser c, d, welche entweder beide von oben wirken wie in Fig. 6, oder von denen das eine oberhalb und das andere unterhalb des Nadelbettes liegt wie in Fig. 7.

Mit Zungennadeln werden Preſsmuster in der Regel in der Weise gearbeitet, daſs man diejenigen Nadeln, welche Doppelmaschen bilden sollen, nicht bis durch ihre alten Maschen völlig hinabzieht, sondern die letzteren auf den zugeklappten Zungen hängen läſst. Dies ist bisher durch Anwendung von Nadeln verschiedener Länge und ebenso vieler Schlösser auf jeder Seite der Maschine unter einander liegend erreicht worden. Sollten die Preſsmuster zugleich Farbmuster sein, so brachte man auf jeder Seite zwei Reihen solcher Schlösser neben einander an und arbeitete mit zwei auf einander folgenden Fäden bei jedem Schlittenhube der Maschine. Nach dieser Einrichtung arbeiteten die Nadeln von gleicher Länge auch immer in gleicher Weise und ein beliebiger Musterwechsel war nicht zu erreichen. Für einen solchen sind nun nach dem neuen Verfahren und der Einrichtung zur Herstellung von Farbpreſsmustern an der Lamb'schen Strickmaschine von G. F. Groſser in Markersdorf bei Burgstädt, Sachsen (* D. R. P. Nr. 19510 vom 14. Juli 1881) die Nadeln von gleicher Art und so geformt, wie Fig. 8 Taf. 29 bei a zeigt, und das Schloſs einer Seite hat die in Fig. 8 und 9 dargestellte Zusammensetzung: Die beiden Schlösser b, b1 und c, c1 heben die sämmtlichen Nadeln an den oberen Arbeitshaken a1, senken sie aber nur bis in die oben angegebene Stellung, in welcher sie die alten Maschen nicht abschlagen (Fangstellung), und die besonderen Dreiecke d, e wirken auf die untersten Nadelfüſse a2, und zwar sind die Dreiecke d hoch und e ist tief gestellt. Die Federn f liegen nicht, wie gewöhnlich, in der Längsrichtung der Nadeln a, sondern in Richtung der Nadelbettstärke unter ihren Nadeln, reichen auch von innen durch die Wand des Bettes hindurch und können von einer mit Stiften besetzten Jacquardtrommel g emporgedrückt werden. Sie heben dabei die Nadelfüſse a2, welche dann in den Bereich der Dreiecke d gelangen, während sie in der unteren Lage vom Dreiecke e erfaſst werden. Bei einem Schlittenhube werden also die Nadeln, während die Schlösser b, c und d, e sie passiren, je nach der Vertheilung der Stifte auf g, theils mit dem ersten Faden als Schleife durch e abgeschlagen, mit dem zweiten durch d aber Doppelmaschen bilden, theils mit dem ersten von e nicht herabgezogen und mit ihren hier schon erhaltenen Doppelmaschen erst von d abgeschlagen. Das vorangehende Dreieck d wird jedesmal in die Schloſsplatte zurückgezogen, damit die gehobenen Nadelfüſse a2 nicht an dasselbe anstoſsen. Die |366| Muster können in flacher, glatter und Ränderwaare sowie auch in glatter Rundwaare gearbeitet werden.

Schloſsconstriictionen für die Lamb'sche Strickmaschine zur Herstellung von Fang- und Preſsmustern von G. L. Oemler in Plagwitz-Leipzig (* D. R. P. Nr. 19515 vom 28. Oktober 1881). Die Zungennadeln der Strickmaschinen können in zweierlei Weise Doppelmaschen bilden: entweder sie werden durch das Mitteldreieck des Schlosses nicht hoch genug gehoben und behalten ihre alten Maschen auf den Zungen zur direkten Vereinigung mit den neuen Schleifen, oder sie werden durch je ein Seitendreieck nicht tief genug herabgezogen, schlagen die alten Maschen nicht ab und bringen dieselben bei dem nächsten Emporsteigen mit den neuen Schleifen zu Doppelmaschen zusammen. Dem ersten Falle entsprechen die in Fig. 10 bis 12 Taf. 29 gezeichneten Mitteldreiecke: In Fig. 10 ist der Schlitz d des Regulirschiebers c für das Dreieck a in der Mitte durch ein kurzes horizontales Stück d1 unterbrochen und sein Fuſs hat zwei Stufen e und e1. Stöſst dieser Fuſs mit e1 an den Seitenriegel der Maschine, so wird er nur eine kurze Strecke verschoben und der Schlitz d hebt das Dreieck a nur bis in die Mitte, bis d1, in welcher Lage dasselbe die Nadeln in ihre höchste Lage zur Maschenbildung emportreibt. Stöſst aber der Schieber mit dem breiten Fuſse e an den Maschinenriegel, so wird er auf ein gröſseres Stück verschoben und d nimmt das Dreieck a ganz hinauf zum Schluſs des Schlosses. Wenn endlich der Schieber c auf der anderen Seite an den Maschinenriegel antrifft, so wird er das Dreieck a in die unterste Stellung zurückführen, in welcher es die Nadeln blos bis zur Fangstellung emportreibt. – Nach der Einrichtung Fig. 11 Taf. 29 besteht das Mitteldreieck aus einer Grundplatte f mit aufgelegtem Paralleltrapez g und drehbarem Dreieck e. Ist letzteres in g herabgedreht, so steigen die Nadeln an den Seiten von g nur bis zur Fangstellung empor. Wird e aber durch den Schieber f1 gehoben, so reicht es, wie bei h punktirt angegeben ist, über g hinaus und hebt nun die Nadeln so hoch, daſs sie Maschen bilden. – Nach Fig. 12 ist auf der Grundplatte i das bogenförmig begrenzte Stück k befestigt und des Arm g drehbar angebracht, so daſs er durch die Nadeln selbst verschoben und durch die Riegel l in einer höheren oder tieferen Lage g1 oder g aufgehalten wird, in welcher er dann die Nadeln entweder zur Maschen-, oder zur Doppelmaschenbildung bewegt.

Für den zweiten Fall, welcher verstellbare Seitendreiecke betrifft, ist die in Fig. 13 gezeichnete Construction angegeben, nach welcher die Dreiecke b an drehbaren Armen m, m1 der Schloſsplatte befestigt sind und durch Schwingen der Arme in ihre höhere oder tiefere Lage kommen, in welcher sie die Nadeln zur Herstellung entweder von Doppelmaschen oder von glatten Maschen herabziehen.

Der Ringelapparat für Strickmaschinen von G. L. Oemler in Plagwitz-Leipzig (* D. R. P. Nr. 20565 vom 17. März 1882) hat in so fern eine gewisse Aehnlichkeit |367| mit der oben erwähnten Schürer'schen Vorrichtung zu gleichem Zwecke, als in ihm auch Schieber oder Tasten, welche je einen Faden halten, Verwendung finden zu dem Zwecke, den Faden dem eigentlichen Führer oder Mitnehmer vorzulegen, oder ihn von demselben hinweg zu ziehen. Der Mitnehmer ist aber nicht ein offener Haken, sondern eine durch den Schieber auf der einen Seite sich öffnende und durch ein Stelleisen auf der anderen Maschinenseite sich schlieſsende Kapsel. Beim Fadenwechsel werden die Tasten mit der Hand verschoben.

An der einfachen Bickford'schen Rundstrickmaschine dreht sich bekanntlich der Schloſsring mit dem Fadenführer um den feststehenden Nadelkranz. Wollte man da zweifarbige Ringelwaare von feststehenden Spulen arbeiten, so würden sich die beiden Fäden natürlich bei jeder Reihe um einander herum drehen. Dies ist nun bei der Fadenzuführung für Rundstrickmaschinen von Th. Hessenbruch und Comp. in Ronsdorf bei Elberfeld (* D. R. P. Nr. 20235 vom 26. März 1882) dadurch vermieden worden, daſs man an den Schloſsring selbst den Spulenträger angeschraubt hat, so daſs beide Spulen sich stetig mit ihm herum drehen. Wenn die Fäden einzeln arbeiten, so müssen sie mit der Hand ein- und ausgelegt werden; zur Herstellung plattirter Waare ist eine geeignete Führung vorhanden.

Vorrichtung am englischen Rundwirkstuhle zur selbstthätigen Herstellung vielfarbiger, Ringelwaare von J. Bradley in Lowell, Mass., Nordamerika (* D. R. P. Nr. 20477 vom 26. Juli 1881). Am gewöhnlichen englischen Schlauchstuhle ist eine groſse Anzahl ausrückbarer Fadenführer angebracht, welche, durch Zählräder regulirt, in bestimmter Reihenfolge ihre Fäden dem Nadelkranze vorlegen; eine selbstthätig wirkende Schere schneidet jeden Faden, welcher gearbeitet hat, ab und eine Spiralfeder klemmt sein Ende derart fest, daſs es erforderlichen Falles wieder den Nadeln zugeführt werden kann.

In Ränder- oder Fangwaare wird der Doppelrand dadurch gebildet, daſs die Stuhlnadeln allein einige (3 oder 4) glatte Maschenreihen arbeiten, während die Maschinennadeln unthätig sind. Die hierfür erforderlichen Umstellungen mancher Maschinentheile werden durch folgende Neuerung an französischen Rundfangmaschinen zur selbstthätigen Herstellung von Doppelrändern von C. Terrot in Cannstatt, Württemberg (* D. R. P. Nr. 20156 vom 11. December 1881) vom Stuhle selbstthätig bewirkt: Auf dem Nadelkranze befindet sich drehbar ein Arm a (Fig. 14 Taf. 29), welcher durch einen Zählapparat zeitweilig etwas nach vorn oder auch wieder nach hinten zurück gewendet werden kann. In diesen zwei Stellungen trifft er Hebelpaare A, B bez. E, F und KL, welche von ihm verschoben werden und dann die erforderliche Verstellung der Maschinentheile vornehmen. Wenn durch a das linksseitige Ende des vorderen Hebels A gehoben wird, so hebt sich C und zieht die Mühleisenscheibe der Mailleuse b mit empor und gleichzeitig senkt sich D und zieht durch cd das obere Regulatorrad U etwas höher, beides zur Herstellung kürzerer Schleifen und Maschen für den glatten Doppelrand. Drückt weiterhin der Arm a gegen den Hebel E, so senkt derselbe durch G und e den Riegel W in der Rändermaschine, damit dieser die Maschinennadeln nicht mehr hebt und von der Arbeit ausrückt. Wird endlich der Hebel K von a getroffen, so sinkt das Ende N vom Pressenhebel fg herab und die Presse m wird nicht mehr an die Maschinennadeln angedrückt. Nach etwa 3 oder 4 Umdrehungen (bei einem Systeme) wendet sich der Arm a nach hinten und stöſst nun an die Hebel B, F und L, welche die entgegengesetzte |368| Bewegung aller der Theile veranlassen, sie daher wieder einrücken und den Stuhl zur Arbeit von Ränderwaare einstellen; also den Doppelrand schlieſsen. Anstatt des Armes a, welcher die einzelnen Hebel verstellt, kann an jedem der letzteren auch die in Fig. 15 gezeichnete Curvenscheibe Q angebracht werden, welche durch ein Sperrrad S gedreht wird und den Hebel nach der entsprechenden Anzahl Reihen hebt oder senkt.

G. W.

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