Titel: Ueber Roggenmaischen für Spiritusfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247 (S. 425–426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/ar247159

Ueber Roggenmaischen für Spiritusfabrikation.

Die Kartoffelernte ist so schlecht ausgefallen, der Stärkegehalt derselben – unter 13 Proc. – so gering, daſs, wie M. Delbrück in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1882 S. 414 und 434 ausführt, die Mitverwendung von Roggen dringend erwünscht ist. Im Henze'schen Dämpfer gekocht, bilden die Roggenkörner eine sehr zähe Masse. Kocht man 1½ bis 2 Stunden bei 3at,5, so muſs immer noch eine mechanische Zerkleinerung nachfolgen. Zu diesem Zweck muſs zunächst das Ausblasen mit hoher Spannung, aber mit geöffneter unterer Dampfzuströmung und wenig geöffnetem Ventil, also langsam geschehen. Wie weit die bisher gebräuchlichen Nachzerkleinerungsapparate ausreichen, den gedämpften Roggen völlig aufzuschlieſsen, ist noch festzustellen.

Vortheilhafter ist es, Roggen mit Kartoffeln gemeinschaftlich zu dämpfen. Zu diesem Zweck bringt man je 100k Roggen mit 80l Wasser in den Dämpfer, wäscht die Kartoffeln zu, dämpft und bläst nach 1½ Stunden aus. Nach in Biesdorf ausgeführten Versuchen ist der Zerkleinerungsapparat von Barthel (1882 245 * 116) hierfür sehr zu empfehlen, da selbst beim Ausblasen von reinem Roggen das Korn vollständig zerkleinert wurde.

Delbrück empfiehlt schlieſslich folgendes neue Verfahren der gemeinsamen Dämpfung von Korn und Kartoffeln. 150k Roggen werden mit 240l Wasser unter Zusatz von 0l,5 Schwefelsäure 12 Stunden lang bei 50° eingequellt. Das überschüssige Wasser wird nun abgelassen und der gequellte Roggen in den Dämpfer gegeben, welcher bereits 150 bis 200k Kartoffeln enthält; auf den Roggen kommt dann der Rest der Kartoffeln. Das Dämpfen erfolgt in gewohnter Weise wie bei Kartoffeln, d.h. es wird langsam von oben angedämpft, zugleich der Fruchtwasserhahn geöffnet und das Frucht- und Condenswasser vollständig abgelassen. Darauf wird der Fruchtwasserhahn geschlossen, von unten im Ganzen 1½ Stunden bei 3at,5 gedämpft. Das Ausblasen wird mit Vorsicht geleitet. Das Resultat war ohne Barthel's Ausblaserohr ein nicht unbrauchbares, aber doch nicht genügendes, mit diesem Rohr aber ebenso vorzüglich, als wenn Roggen in gewohnter Weise in Wasser reichlich wellend gedämpft wird.

Wo Gerste schwierig zu beschaffen ist, erscheint es ferner vortheilhaft, Roggengrünmalz zu verwenden.

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Auch nach Versuchen von Stenglein (Daselbst S. 502) kann der Barthel'sche Ausblaseapparat für Maischung von Kartoffeln allein, als auch in Verbindung mit Roggen als ein vorzüglicher Zerkleinerungsapparat bezeichnet werden, um so mehr als die Beobachtung der Gährung ergeben hat, daſs mit diesem Apparat erhaltene Maischen einen viel geringeren Steigraum bedürfen, wie solcher bis jetzt bei hochprocentigen Maischen in Anwendung gekommen war.

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