Titel: Ferranti-Thomson's Wechselstrommaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247 (S. 450–451)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/ar247171

Ferranti-Thomson's Wechselstrommaschine.

Mit Abbildung.

In London sind jüngst Versuche mit einer neuen Wechselstrommaschine angestellt worden, welche durch Zusammenarbeiten von Will. Thomson, S. Ziani de Ferranti und Alf. Thompson entstanden ist. Die äuſsere Ansicht der Maschine bietet nichts wesentlich Neues. Zwei Systeme von im Querschnitt sectorförmigen Elektromagneten, 2 × 16 an Zahl, sind an je einer Guſseisenscheibe im Kreise herum so angeordnet, daſs jedem Nordpol ein Südpol zur Seite und gegenüber liegt. Zwischen diesen hindurch bewegt sich eine dünne Scheibe mit einem beistehend schematisch dargestellten sinoidenförmig gebogenen, aus mehreren Lagen bestehenden Metallbande, dessen radiale Stücke denselben Abstand wie die Magnetpole haben.1) Wenn sich bei der Rotation das eine derselben einem Nordpol nähert, so rückt jedes benachbarte um ein gleiches Stück gegen einen Südpol vor, so daſs in ihnen Ströme entgegengesetzter Richtung erregt werden, welche sich gemäſs der Windungsform des Bandes zu einem einzigen Strome summiren. Dreht sich die Scheibe um die Gröſse des Abstandes zweier Magnetpole weiter, so wird zufolge der Annäherung an entgegengesetzte Pole jetzt ein Strom von entgegengesetzter Richtung erzeugt; es entstehen also bei fortwährender Rotation Wechselströme, welche durch Schleiffedern abgeleitet werden können.

Textabbildung Bd. 247, S. 450

Das 36m lange Kupferband ist bei der Versuchsmaschine 12mm,5 breit und 2mm dick und von dem darüber und darunter liegenden Band durch gleich breite Kautschukstreifen isolirt. Die Befestigung der Bänder |451| auf der Scheibe vermittelt ein Eisenring, welcher mit seitlichen Vorsprüngen versehen ist, um welche sich die Bänder legen. Der Zwischenraum zwischen den einzelnen radialen Stücken ist also mit Eisen ausgefüllt, welches durch den Einfluſs der äuſseren Magnete magnetisch wird und hierdurch die Inductionswirkung verstärken soll.

Nach Engineering, 1882 Bd. 34 * S. 526 speist die Versuchsmaschine 320 Swan-Lampen von je 20 Kerzen in einem Stromkreise und gab denselben eine Lichtstärke, welche auf 15 bis 17 Kerzen geschätzt wurde; die ganze Maschine nimmt nur 60 × 50 × 45cm Raum ein und wiegt weniger als 610k. Die Maschine wurde von einer 16e halbtransportabeln Fowler'schen Dampfmotor getrieben, welche am Schwungrade etwa 26e ergab, und lief mit 1900 Umdrehungen in der Minute, was 500 Stromumkehrungen in der Sekunde liefert. Die 320 Lampen bildeten 107 Gruppen, nämlich 106 zu je 3 und 1 zu 2 Lampen in Hintereinanderschaltung. Mit 300 Lampen war die elektrische Leistung etwa 22e,5, der Nutzeffect also 22,5 : 26 = 86,5 Proc.; doch müſsten noch etwa 2e für die kleine, die Elektromagnete erregende Siemens-Maschine gerechnet werden.

Es betrug der Widerstand des Metallbandes 0,0265 Ohm
„ „ „ Lampenstromkreises 0,7735
„ Gesammtwiderstand 0,8
die elektromotorische Kraft im Hauptstromkreis 125 Volt
„ Stromstärke „ „ 156 Ampère
der Widerstand jeder Lampe 31,5 Ohm
die in jeder Lampe verbrauchte Stromstärke 1,3 Ampère
„ „ „ „ „ elektromot. Kraft 41 Volt.
|450|

Die gleiche Form des inducirten Leiters (z. Th. in etwas anderer Lage) findet sich bei Frick (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 3147 vom 6. December 1877) bezieh. bei Schuckert (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 7701 vom 15. Oktober 1878). Sie soll nach der Elektotechnischen Zeitschrift, 1883 S. 15 auch von Siemens und Halske vor Jahren schon versucht worden sein und zur jetzigen Construction der Siemens'schen Wechselstrommaschine geführt haben. Ebenso behauptet O. Schulze in Straſsburg i. E. eine solche Maschine Anfang 1881 entworfen und vom November 1881 bis Februar 1882 ausgeführt zu haben; er habe das Modell, mit Anker von 300mm Durchmesser, mit einem Stromabgeber versehen, um sowohl Wechselströme, als gleich gerichtete Ströme erhalten zu können; die Ergebnisse der ersten Versuche im Februar 1882 seien aber nicht ganz befriedigend gewesen.

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