Titel: Elektrisches Licht für Kriegszwecke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 5 (S. 140–141)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi03_5

Elektrisches Licht für Kriegszwecke.

Kräftige elektrische Lichter sind sehr wichtige Kriegsgeräthe geworden. Obwohl sie sich vorwiegend für die Vertheidigung als höchst nützlich erweisen, sind sie es doch in vielen Fällen auch für den Angriff. In England sind sie nach Engineering, 1882 Bd. 34 * S. 407 namentlich auf den Kriegsschiffen und zur Hafenvertheidigung verwendet worden und die Royal Engineers haben dabei ihr Augenmerk darauf gerichtet, den Lichterzeuger und dessen Bedienung thunlichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, diesem nur den Spiegelapparat ausgesetzt zu lassen, denselben jedoch rasch und leicht an eine andere. Stelle versetzen zu können und ihn auſserdem möglichst billig herzustellen. Anfänglich wurden in England und anderwärts Metallspiegel benutzt; bald fand man in den als sphärisches Holophote bekannten Fresnel'schen Linsen eine leichtere und kleinere, doch ebenso kräftige Anordnung. In dieser empfing eine gewöhnlich aus 3 Gläsern mit 0m,75 Brennweite bestehende centrale Linse das Licht als Kegel von etwa 60° durch ein Spiegelsystem, das aus 5 oder 6 Ringen bestand, welche so angebracht waren, daſs der Hauptbrennpunkt jedes Ringes mit dem Brennpunkte des Linsensystemes zusammenfällt; zugleich wirft ein kleiner sphärischer Metallspiegel die Strahlen von der Rückseite des Lichtbogens nach vorn. Diese kostbaren Lichtstrahler (Projectoren), in denen eine genaue Einstellung des Lichtes bei der kurzen Brennweite schwer ist und die Glasringe oft durch die Hitze sprangen, sind verdrängt worden durch die Projectoren des französischen Genieoberst Mangin (vgl. 1882 246 176), in welchen die spiegelnde Linse auf der Innenseite nach etwas kleinerem Halbmesser gekrümmt ist als auf der Auſsenseite, am Rande also dicker ist als in der Mitte. |141| Die Wirkung derselben erläutert folgende von der Fabrik Sautter, Lemonnier und Comp. in Paris aufgestellte Tabelle:

Entfernung
des Lichtes
vom Spiegel
Divergenz
Meter Durchmesser der erleuchteten
Kreise bei
1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000m
Projector 0m,30
Durchmesser
mm
Licht 6mm 160 30 60
Gramme M 170 9 180
Projector 0m,40 240 2,5 45 90 135
Licht 10mm 250 6,5 60 120 180
Gramme A 260 11,5 100 200 300
Projector 0m,60 430 2 30 60 90 120 150
Licht 15mm 440 4 78 156 234 312
Gramme D 450
460
6
11
118
198
236
396
354




Projector 0m,90 760 2 15 30 45 60 75 90 105
Licht 15mm 770 3 25 50 75 100 125 150 175
Gramme D 780
790
800
4
5
7
45
60
115
90
120
230
135
180
345
180
240
460
225
300
250



Der Mangin-Projector wird in seiner gröſseren Form (90cm Durchmesser) auf einen mit den nöthigen Werkzeugen ausgerüsteten Wagen montirt; in seiner kleineren (60cm Durchmesser) ist er von 2 Mann bequem tragbar. In England hat man sich bestrebt, ihn in einen bombensichern Behälter zu stellen und nur den Planspiegel, welcher das Licht fortwirft, den Geschossen bloſsgestellt zu lassen; doch stieſs man in der Ausführung anfänglich auf Schwierigkeiten.

Unsere Quelle bildet mehrere derartige Anordnungen ab, mit denen auf englischen Kriegsschiffen und in Chatham Versuche angestellt worden sind.

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