Titel: Heizung und Ventilation des kgl. Gerichtshofes in London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 3 (S. 225–226)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi05_3

Heizung und Ventilation des kgl. Gerichtshofes in London.

Die Einrichtung der Heizung und Ventilation bei den Gebäuden des im vergangenen Jahre eröffneten kgl. Gerichtshofes in London führte bei der Groſsartigkeit der Anlage zu bemerkenswerthen Aufgaben, deren Lösung naher im Engineering, 1882 Bd. 34 S. 623 mitgetheilt wird.

Zur Ausführung kam eine Heiſswasser-Niederdruckheizung, theilweise combinirt mit Luftheizung. Die ganze Gebäudeanlage ist symmetrisch zu einer groſsen Halle angeordnet; dem entsprechend konnten 4 gleiche Heiz- und Ventilationsanlagen eingerichtet werden, welche getrennt oder zusammen wirken können. In dem Keller unter der erwähnten Halle liegen 4 50e-Kessel zur Wassererhitzung und 2 Kessel, welche den Dampf für die Maschinen der Ventilatoren und für die Erwärmung der Ventilationsschächte liefern. Die ersteren 4 Kessel, welche unter den Ecken der Halle liegen, sind durch Vorlagen verbunden, welche um den Keller laufen und von denen die Heizröhren sich abzweigen, um die einzelnen Räume zu heizen. Die Länge sämmtlicher Heizröhren beträgt 17700m.

Unter jedem Gerichtssaal ist eine Kammer angelegt, welche 2 gleiche Räume enthält; in diese wird durch Ventilatoren, welche in den Höfen aufgestellt sind, Luft getrieben. Letztere wird in dem einen Raum durch Heiſswasserröhren erwärmt und vereinigt sich mit der durch den zweiten Raum gedrückten kalten Luft, wobei mittels vorgespannter grober Tücher eine Reinigung des Luftgemenges von Staub und Rauch herbeigeführt wird. Durch entsprechende Stellvorrichtungen kann der jeweiligen Witterung entsprechend die Menge der warmen und der kalten Luft regulirt werden, so daſs auch in der kältesten Jahreszeit eine Temperatur des Saales von 14,5° bis 15,5° erzielt wird. Die Ventilatoren sind so ausgeführt, daſs sie für einen Saal in der Minute 283cbm Luft liefern, für die ganze Anlage zusammen in der Stunde 262000cbm. Das Luftgemisch tritt dann aus dem Mischraum durch lothrechte Kanäle in den betreffenden Saal; die verbrauchte Luft wird an der Decke und auf den Gallerien durch Ventilationsschächte, welche mittels Dampfröhren |226| angewärmt werden, abgesaugt. Um im Sommer die durch die Ventilatoren eingeblasene Luft zu kühlen, ist in dem erwähnten Keller eine Kühlmaschine aufgestellt, welche aus Dampfmaschine, Dampfpumpen, Refrigeratoren und Condensatoren besteht und im Stande ist, durch Verwendung von Aether 4500l Wasser in einer Stunde von 21° auf 4°,4 zu kühlen. Dieses kalte Wasser wird in feinen Strahlen durch eine Zerstäubungsvorrichtung der eintretenden Luft entgegengespritzt und von dieser theilweise absorbirt; der Rest wird in den Condensatoren verwendet und flieſst dann mit einer Temperatur von 32° ab.

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