Titel: Verarbeitung von Weizen für Brennereizwecke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 9 (S. 227–228)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi05_9
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Verarbeitung von Weizen für Brennereizwecke.

In Folge der ungünstigen Erntewitterung hat der Weizen theilweise bereits auf dem Halme gekeimt, so daſs die Frage nahe liegt, ob sich dieser Weizen nicht vortheilhaft zu Spiritus verarbeiten läſst. Maciejewsky (Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1882 S. 481) hat daher in der Brennerei Jezewo bezügliche Versuche mit ungeschrotenem und geschrotenem Mais ausgeführt.

Beim ersten Versuch wurden für 3516l Maischraum 775k Weizen und 150k Grünmalz (einschlieſslich Hefe) verwendet. Der ungeschrotene Weizen wurde, nachdem im Henzedämpfer 1600l Wasser zum Sieden gebracht waren, so eingeschüttet, daſs das Wasser fortwährend im Kochen blieb, hierauf eine Stunde bei offenem Mannloch, dann ½ Stunde bei geringem Druck und endlich bei 3at ¾ Stunden gar gekocht. Das Ausblasen aus dem Dämpfer in den Vormaischbottich dauerte 1 Stunde und wurde am Schlusse die Temperatur von 62,5° erreicht. Zur Verzuckerung reichten 30 Minuten aus, da nach dieser Zeit Jod keine Reaction mehr zeigte. Danach wurde die Maische auf dem Kühlschiffe auf 20° abgekühlt und nach Zusatz von Grünmalzhefe bei derselben Temperatur in den Gährbottich hinunter gelassen. Die Maische enthielt 17 Proc. Zucker nach Balling. Nach Verlauf von 4 Stunden bildete sich aus den Weizenschalen eine Decke und unter dieser begann eine 48 stündige Gährung. Der Gährbottich ergab 27778 Literprocent Alkohol; vom Liter Maischraume wurden daher 7,8 Literprocent Alkohol gezogen.

Rechnet man nun für 10000 Proc. 50 M., so ergeben sich für 27778 Literprocent Spiritus 138,89 M. 3516l Maische geben 4200l Schlempe, entsprechend 68,80 M., somit Gesammteinnahme 207,69 M. Die Ausgaben betragen für 150k Gerste 21 M., 500k Kohlen 10 M., Steuer 45 M., Arbeitslohn, Oel u. dgl. 6 M., zusammen 82 M.; somit für 775k ein Ueberschuſs von 125,69 M. oder für 100k 16,20 M., welchen Preis man für stark ausgewachsenen Weizen sonst wohl nicht erreicht.

Beim zweiten Versuch wurden 700k geschrotener Weizen mit 150k Grünmalz im Vormaischbottich eingemaischt. Das im Dämpfer zum Sieden gebrachte Wasser wurde in den Vormaischbottich ausgeblasen und während letzterer Operation Weizenschrot und Grünmalz hinzugesetzt; die Einmaischung dauerte 50 Minuten. Es wurde hieraus eine Maische von 17 Proc. Zucker erzeugt. Die Vergährung war eine bessere wie beim vorigen Versuch und zwar auf 0,8 Proc. Balling, dagegen der Spiritusertrag ein bedeutend geringerer. Es wurden nämlich von 100k ungeschrotenen Weizen 3600 Literprocent Spiritus gezogen und beim geschrotenen nur 2800 Proc. Es ist also vorteilhafter und auch leichter, ungeschrotenen Weizen in der Brennerei zu verarbeiten.

M. Delbrück bemerkt dazu, daſs obige Berechnung wohl dadurch etwas zu gut ausfalle, daſs der Werth der Schlempe zu hoch angesetzt sei. Er hält es für wichtiger, den Werth der Schlempe nach dem verwendeten Rohmaterial zu bemessen und zwar mit 6 M. für 100k. Nach dieser Rechnung würden 100k Weizen nur mit 14 M. verwerthet sein.

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