Titel: Bahnhofsbeleuchtung in Straſsburg u.a.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 5 (S. 265–267)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi06_5

Bahnhofsbeleuchtung in Straſsburg u.a.

In Straßburg sind nach dem Centralblatte der Bauverwaltung, 1882 S. 408 auf dem sogen. Innenbahnhofe seit dem 20. Juli 1880 in den Personenhallen 6 Differentiallampen von Siemens und Halske von je 350 Normalkerzen, in einen Stromkreis vereinigt, aufgestellt; ferner innerhalb der Rangirgeleise zwei in einen Stromkreis vereinigte von je 1200 Normalkerzen. Erstere brennen von Beginn der Dämmerung bis Mitternacht, an Stelle von 54 Gasflammen, letztere von Mitternacht bis Tagesanbruch, als Ersatz von 34 Gasflammen. Ferner wurden |266| am 15. Oktober 1881 neue 12 Siemens'sche Differentiallampen von je 150 Normalkerzen für die Perrons, Wartesäle, das Vestibül und für die Eilgut- und Güterschuppen aufgestellt; für diese Differentiallampen wird der Strom durch zwei Siemens-Wechselstrommaschinen mit dynamo-elektrischem Erreger erzeugt. Darauf wurde am 2. Januar 1882 durch die Société électrique Edison eine Anlage mit Glühlichtlampen (45 zu je 76 und 36 zu je 8 Normalkerzen) in Betrieb gesetzt, welche aus einer elektrodynamischen Maschine, System Edison, mit gleichgerichtetem Strome gespeist wird. Für diese Lampen, welche in den Restaurationssälen der 1. und 2. Klasse, in der Halle für Gepäckannahme, im Telegraphenbüreau, für die Erleuchtung der Stationsuhren, für den Maschinenraum und Geschäftszimmer der Generaldirektion angebracht sind, sicherte die Gesellschaft 800 Brennstunden. Da letztere Räume nur während der Abendstunden erleuchtet zu werden brauchen, so kann der hier während der Nachtzeit entbehrliche Strom nach einer in der Perronhalle angebrachten Reihe von 26 Glühlichtlampen geleitet werden, während gleichzeitig der bis zu dieser Zeit zur Beleuchtung der Perronhalle und des Bahnhofvorplatzes benutzte Strom nach den 2 Siemens-Differentiallampen von je 1200 Normalkerzen umgeschaltet wird, welche den zwischen den Perronhallen und dem Walltunnel liegenden Bahnhofstheil erleuchten. Als gemeinschaftlicher Motor für die 3 Strom erzeugenden Maschinen wird eine ältere 24e-Locomobile benutzt, welche allerdings etwas stark beansprucht ist.

Die Anlagekosten betrugen: für das Bogenlicht 25746, für das Glühlicht 11223, zusammen 36969 M.

Werden die Ausgaben in der Zeit vom 5. Januar bis 5. Juli v. J., in welcher eine vollständige Ausnutzung des Motors stattfand, der Berechnung für die Kosten der Beleuchtung zu Grunde gelegt, so ergibt sich mit Berücksichtigung der Verzinsung und Amortisation des Anlagekapitales folgende Aufstellung:

Kosten für die Brennstunde und Lampe bez. Normal-
kerzenstärke
Pf.
Normal-
kerzen

Pf.
1 Differentiallampe 1200 64,64 0,0539
1 Differentiallampe 350 30,78 0,0879
1 Differentiallampe 150 18,44 0,1229
1 Glühlichtlampe 16 2,37 0,1481
1 Glühlichtlampe 8 1,19 0,1488
1 Gasflamme 12 2,13 0,1775

Für die Gasflamme wurde ein stündlicher Verbrauch von 120l für die Flamme und Stunde zum Preise von 0,16 M. für 1cbm zu Grunde gelegt.

Hiernach kann die elektrische Beleuchtung bezüglich der Kosten mit der Gasbeleuchtung erfolgreich in Wettkampf treten und besonders die Glühlichtbeleuchtung ist wegen ihrer Gefahrlosigkeit, wegen der geringen Wärmeentwickelung, wegen der Ruhe, Gleichmäſsigkeit und angenehmen Farbe des Lichtes und der bequemen Unterhaltung der Lampen jeder anderen Beleuchtungsart für geschlossene Räume vorzuziehen.

Es sollen nun in Straſsburg auch noch andere Systeme der Glühlichtbeleuchtung probirt werden und sind bereits in den Wartesälen und einigen anderen Räumen derartige Lampen von Siemens angebracht; zum Betriebe derselben sind 2 weitere elektrodynamische Maschinen mit besonderem Motor bestimmt.

Hier mögen einige Ziffern über elektrische Beleuchtungsanlagen von Bahnhöfen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn (vgl. auch 1881 240 * 367) folgen, welche im Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens, 1882 S. 188 veröffentlicht sind: In Hagen betragen die Anlagekosten einschlieſslich Dampfmaschine 21104 M.; die Kosten in der Stunde stellen sich für 15 Lampen, welche 45 Gasflammen ersetzen, auf 2,50 M. im Juni und auf 1,77 M. im Januar, während die Kosten der Gasbeleuchtung 1,45 M. in der Stunde betrugen. – In Elberfeld kostet die Anlage ohne Dampfmaschine 8272 M.; 6 Lampen ersetzen 23 Gasflammen und kosten im Juni 1,81 M., im Januar 1,12 M. in der Stunde. – Für Düsseldorf betragen die Anlagekosten rund 15000 M.; es werden 48 Gasflammen ersetzt. Die elektrische Beleuchtung kostet für eine Lampe und Stunde 0,385 M., was |267| 2,89 M. für die Brennstunde ergibt. – Die Hochdahler Anlage kostet 3388 M.; die Betriebskosten betragen für die Lampe und Stunde 0,14 bis 0,15 M., welche sich bei Abminderung des Preises der Dochtkohlen wahrscheinlich auf 0,10 bis 0,12 M. ermäſsigen werden. Die drei erstgenannten Bahnhöfe haben Siemens'sche Differentialbeleuchtung, Hochdahl dagegen ist nach Schuckert'schem System ausgeführt; leider fehlt bei letzterer Anlage jede Angabe über die beschaffte oder ersetzte Lichtmenge.

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