Titel: Telephon und Induction.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 4 (S. 309–310)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi07_4

Telephon und Induction.

In dem Centralblatt für Elektrotechnik, 1883 S. 13 hat Victor Wietlisbach in Zürich eingehendere Erörterungen über die Tragweite der Fernsprechapparate und die Beseitigung der störenden Inductionswirkungen veröffentlicht. Davon ausgehend, daſs der Inductor beim Mikrophon (als Sender) uns gestatte, das Instrument jedem beliebigen Widerstände, also auch jeder Linienlänge anzupassen, und deshalb Bezug nehmend auf die Versuche von Herz zwischen Paris und Orleans, von Rysselberghe zwischen Brüssel und Paris (vgl. 1882 245 231) und die vorjährigen Versuche zwischen München und Regensburg, Bayreuth, Hof und Dresden (1882 246 81), weist der Verfasser zunächst auf den Einfluſs der Dicke der Eisenplatte des Telephons hin, welche bei zu kräftigen Strömen durch die eigene Elasticität freie Schwingungen anstatt der durch die Ströme zu erzwingenden ausführe, während in den dünneren Platten der leicht ansprechenden amerikanischen Telephone zu rasch die Elasticitätsgrenze überschritten werde. Verfasser zeigt dann, daſs die Länge der Leitung, in welcher eine telephonische Verständigung noch möglich sei, wesentlich von 2 Umständen abhängig ist: 1) dem Leitungsvermögen des die Leitung umgebenden Mittels und 2) der inducirenden Wirkung aus benachbarten Leitungen.

In Beziehung auf den ersten Punkt erinnert Verfasser an die übereinstimmenden Rechnungsergebnisse von W. Thomson, Kirchhoff und Helmholtz, aus denen hervorgehe, daſs bei der in Frage stehenden Fortpflanzung der Elektricität die Amplituden der Strom welle längs des Drahtes immer kleiner, die Phasen der Wellen aber mit wachsender Länge des Drahtes immer gröſser werden, die Bewegung also verlangsamt wird. Ersteres hat eine Schwächung der Welle im Gefolge, so daſs schlieſslich auch das empfindlichste Telephon nicht mehr anspricht. Bei letzterem ist es wichtig, daſs die Gröſse der Verspätung von der Schwingungszahl abhängt, also hohe Töne mehr verspätet werden als die tiefen, was ein Auseinanderziehen der verschiedenen zusammengehörigen und einen bestimmten Klang charakterisirenden einfachen Töne veranlasse und eine deutliche Verständigung bald erschwere oder gar unmöglich mache.

Nimmt man an, daſs die Verspätung 0,01 Sekunde nicht überschreiten dürfe und daſs die Schwingungszahl n in einer Männerstimme zwischen 100 und 3000 auf- und absteige, so ergibt sich aus der Formel für die Fortpflanzungsgeschwindigkeit v der Wellen:

die Bedingung: ,

worin L die Entfernung der beiden Stationen, c und w die Capacität und der Widerstand der Länge 1 des Leiters bezeichnen.

Bei Luftleitungen ist c viel kleiner als bei Kabeln; dagegen macht sich in ihnen die Induction viel mehr bemerklich als in Kabeln. Verfasser zeigt, daſs die elektrostatische Induction nur bei groſsen Längen der Leitung Einfluſs gewinnen könne und bespricht dann die Mittel zur Verminderung der elektrodynamischen Induction: Anwendung einer ganz metallischen Leitung (Hin- und Rückleitung), Führung der oberirdischen Leitungen so, daſs die Drähte in Schraubenlinien von sehr groſser Ganghöhe um einander herumgehen, Nachahmung der Inductionswage (1882 244 331) und – wie es Herz mit Erfolg beim Telephoniren zwischen Paris und Orleans gethan – Entfernung der hoch |310| gespannten Inductionsströme mittels eines Diffusors mit vielen Spitzen bei Verwendung der Schwankungen eines Batteriestromes von mäſsiger Spannung zur Erregung des Telephons.

E–e.

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