Titel: Laborde's vielfacher Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 5 (S. 310)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi07_5

Laborde's vielfacher Telegraph.

Von der Thatsache ausgehend, daſs, wenn eine Scheibe mit 8 in gleichen Abständen auf ihr gezeichneten Halbmessern über einen anderen concentrischen, mit 9 ebenfalls gleich weit von einander entfernten Halbmessern in Umdrehung versetzt wird, bei jedem Umlaufe jeder ihrer Halbmesser die 9 Halbmesser der anderen Scheibe einmal überstreicht, doch niemals 2 Paare von Halbmessern gleichzeitig über einander liegen, hat der Abbé Laborde jüngst in La Lumière électrique, 1882 Bd. 7 S. 541 eine neue Art und Weise erörtert, wie verhältniſsmäſsig einfach sich ein absatzweises vielfaches Telegraphiren durchführen lieſse.

Man hätte nämlich dazu in jeder der beiden zusammen arbeitenden Stationen eine Metallscheibe mit 8 (bezieh. 10 oder noch mehr) Metallfedern um eine vertikale Achse drehbar aufzustellen und durch die Telegraphenleitung, in welche zugleich eine Batterie einzuschalten wäre, mit einander zu verbinden. Die 8 Federn jeder Station schleifen bei synchronem Umlauf der beiden Scheiben auf einer still stehenden Scheibe aus nichtleitendem Material, in welche 9 radiale metallene Streifen eingelegt sind. Die Breite der Streifen und der Federn ist so bemessen, daſs sie zusammen nicht mehr als ⅛ bezieh. 1/9 des Scheibenumfanges füllen. Von jedem Streifen – mit Ausnahme der beiden neunten, welche für die Correction des Synchronismus verwendet werden sollen – wird in jeder Station ein Draht zur Erde geführt und in jedes zusammen gehörige Paar dieser Erddrähte in der einen Station ein Morsetaster, in der anderen ein Morse-Farbschreiber eingeschaltet. Wird dann ein Taster dauernd niedergedrückt, so werden bei jedem Scheibenumlaufe dem zugehörigen Farbschreiber 8 Ströme zugeführt, weiche 8 Ankeranziehungen und demzufolge das Niederschreiben von 8 kurzen Strichelchen auf den Papierstreifen bewirken. Diese Strich eichen sind Tangenten an das Schreibrädchen; ihre Länge wächst daher mit dem Durchmesser des Schreibrädchens und man wird durch Vergröſserung dieses Durchmessers, Vergröſserung der Umlaufsgeschwindigkeit der beiden Scheiben und Verminderung der Geschwindigkeit, womit der Streifen abläuft, es erreichen können, daſs die Strichelchen sich etwas übergreifen und so bei dauernd niedergedrücktem Taster auf dem Streifen eine zusammenhängende farbige Linie entsteht. Wenn man dann aber mit dem Morsetaster in ganz derselben Weise wie sonst in der Morsetelegraphie arbeitet, so werden anstatt der zusammenhängenden Linie einzelne Morseschriftzeichen der gewöhnlichen Art erscheinen.

Wird der Synchronismus der beiden Scheiben in ausreichender Weise erhalten, was in einer der sonst bei Synchronismus fordernden Apparaten üblichen Arten oder auch in einer anderen geschehen kann, so ist jeder der 8 (oder mehr) Apparatsätze – Geber und Empfänger, die an zwei zusammengehörige Streifen gelegt sind – von den anderen allen vollständig unabhängig. Auf jedem Apparatsatze kann man beliebig rasch oder langsam arbeiten und jederzeit in jeder Station auf jedem Apparatsatze im Geben und Nehmen abwechseln. Der neunte zur elektrischen Correctur des Synchronismus bestimmte Streifen einer jeden Scheibe ist auſserhalb des von den anderen Streifen gebildeten Kreises eingelegt, damit er nicht von den erwähnten 8 Federn, sondern nur von einer neunten überstrichen werden kann und so bei jedem Umlaufe der Scheiben nur einen einzigen Correctionsstrom durch die Leitung sendet.

Die Apparate sowohl, wie der Vertheiler – die beiden Scheiben – würden bei Durchführung dieses Gedankens sehr wesentlich einfacher ausfallen als bei anderen Systemen der absatzweisen vielfachen Telegraphie (vgl. z.B. 1875 215 * 310. 384. 1878 228 * 120. * 413. * 515. 229 * 530), das Arbeiten selbst aber sich von der gewöhnlichen Morsetelegraphie in keiner Weise unterscheiden.

E–e.

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