Titel: Neuerungen in der Fabrikation von Wachstuch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 5 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi09_5

Neuerungen in der Fabrikation von Wachstuch.

Nach J. Schmitz in Bonn a. Rh. (D. R. P. Kl. 8 Nr. 19341 vom 5. März 1882) sieht man zunächst von der Herstellung irgend eines Grundes – wie beim alten Verfahren, welches nur die Herstellung einer harten Oberfläche zur Aufnahme des Musters bezweckt, – vollständig ab und druckt vielmehr direkt auf das rohe Gewebe, welches als Grundlage des Wachstuches dient. Zum Bedrucken bedient man sich Farben, welche aus Leinöl, Bleiweiſs und beliebigen Eisen haltigen Erden zusammengesetzt sind, welche Farben mittels gravirter Tafeln aus Kupfer oder Holz aufgetragen werden.

Der erste Aufdruck erfolgt direkt auf das rohe Gewebe unter Anwendung eines starken Druckes, so daſs die Farben innig in das Innere des Gewebes eindringen. Dieser erste Aufdruck ergibt die Zeichnung und das Muster so, wie das Fabrikat es wirklich erhalten soll. Nach Beendigung desselben wird das Fabrikat bei 70° Temperatur 48 Stunden lang getrocknet. Hierauf entfernt man etwaige Rauhheiten mittels eines geeigneten Stahlwerkzeuges oder aber durch Abschleifen mit Bimsstein, wobei man vorsichtig darauf achtet, daſs das bereits aufgedruckte Muster weder in der Zeichnung, noch in den Farben verändert wird.

Nach dieser Behandlung des Gewebes erhält dasselbe einen zweiten dem vorhergehenden gleichen Aufdruck, mit dem einzigen Unterschied, daſs die Farben dicker sind. Das so zum 2. Mal bedruckte Gewebe wird wieder bei 70° getrocknet. Die durch die Wärme erzeugte Ausdehnung der Farben beider Schichten hat zur Folge, daſs sich dieselben aufs innigste verbinden und eine einzige Schicht bilden, welche in das Innere des rohen Gewebes hineinreicht. Nach völliger Trocknung dieser beiden Schichten wird das Gewebe mit einem harten Firniſs überzogen. Die Rückseite des Wachstuches wird mit einer gleichmäſsigen Schicht Eisenminium oder mit einer Eisen haltigen Farbe bedeckt, um das Fabrikat gegen die Feuchtigkeit des Bodens zu schützen.

Man könnte bei Herstellung des Wachstuches auch nur einen einzigen Aufdruck anwenden, welcher in Oel- oder Wasserfarben hergestellt werden kann und der, wenn auch noch so schwach, direkt auf das rohe Gewebe oder auf bereits auf das Gewebe aufgetragene Schichten gebracht wird.

Zur Herstellung von geäderten oder dekorirten Wachstüchern in Holz-, Marmor- u. dergl. Imitation, welche speciell mittels einer gravirten Walze |394| hergestellt werden, trägt Schmitz die Imitation bezieh. Malerei direkt auf das rohe Gewebe auf, ohne dasselbe vorher irgendwie zu behandeln. Die Farben sind Oel- oder Wasserfarben. Der Aufdruck auf das rohe Gewebe erfolgt mittels gravirter Holz- oder Metallwalzen, welche so lang sind, wie das Gewebe breit ist und entweder derart wie die Druckwalzen bei Herstellung von Buntpapier gelagert sind, oder aber über das ausgebreitete Gewebe hinweggeführt werden, wobei man einen so groſsen Druck ausübt, daſs die Farbe bis in das Innere des Gewebes eindringt. Dasselbe Resultat erzielt man auch bei Anwendung gravirter Platten, welche, mit Farben versehen, unter Druck auf das Gewebe gepreſst werden. Nach dem ersten Aufdruck erfolgt eine leichte Grundirung, jedoch so, daſs die zu erzielende Tönung nicht verloren geht; dann folgt ein zweiter dem ersten in Zeichnung und Farben gleicher Aufdruck. Zuletzt wird nach dem Trocknen abgeschliffen und das Ganze mit Firniſs überzogen.

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