Titel: Zur Untersuchung des Senfs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 8 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi09_8

Zur Untersuchung des Senfs.

Nach A. R. Leeds und E. Everhart (Zeitschrift für analytische Chemie, 1882 S. 389) wird eine Probe des zu untersuchenden Senfs bei 105° getrocknet und vorsichtig in ein Faltenfilter gebracht, welches man dann in einen Trichter mit geraden Wänden bringt. Die Trichterröhre setzt man mittels gut schlieſsenden Korkes auf ein theilweise mit Aether gefülltes, gewogenes Kölbchen, während man den Trichter andererseits mit einem aufsteigenden Kühler verbindet und den Aether gelinde erwärmt. Wenn alles Oel aus dem Senf ausgezogen ist, nimmt man den Apparat aus einander, destillirt den Aether ab, trocknet die Flasche nebst Inhalt bei 100° und wägt. Die Gewichtszunahme gibt die Menge des Oeles an. Aus der von Oel befreiten Senfprobe entfernt man den anhängenden Aether durch Verdunsten, fügt dann an den Apparat statt des mit Aether beschickten Kölbchens ein eine Mischung von gleichen Theilen Wasser und Alkohol enthaltendes Kölbchen und setzt nun den Extractionsapparat neuerdings in Thätigkeit. Der verdünnte Alkohol löst sowohl das rhodanwasserstoffsaure Sinapin, als auch das myronsaure Kali; das Myrosin dagegen coagulirt er und läſst es nebst der Cellulose ungelöst. Nachdem alles rhodanwasserstoffsaure Sinapin und myronsaure Kali entfernt ist, spült man den Inhalt des Kölbchens in eine gewogene Platinschale, verdampft, trocknet bei 105° und wägt. Hierauf |395| glüht man und wägt wieder. Aus dem zurückbleibenden schwefelsauren Kali berechnet man das myronsaure Kali und findet dann das rhodanwasserstoffsaure Sinapin aus der Differenz. Nach dem Ausziehen mit Alkohol enthält das Filter nur noch Myrosin und Cellulose nebst wenig Farbstoff. Man entfernt den Alkohol durch freiwillige Verdunstung und behandelt den Filterinhalt mit einer ½procentigen Sodalösung. Die das Myrosin enthaltende Lösung wird durch ein gewogenes Filter decandirt und der Rückstand noch einmal der gleichen Behandlung unterworfen. Die auf den Filtern zurückbleibende Lösung wird getrocknet, gewogen, dann geglüht und die Asche gewogen, um sie in Abzug zu bringen. Die das Myrosin enthaltende Lösung neutralisirt man annähernd mit verdünnter Salzsäure, fügt etwa 50cc der Ritthausen'schen Kupfervitriollösung zu, neutralisirt dann genau mit verdünnter Natronlauge und läſst den schweren grünen Niederschlag, welchen die Kupfer-Myrosinverbindung bildet, sich absetzen. Derselbe wird dann auf einem gewogenen Filter gesammelt, bei 110° getrocknet und gewogen. Hierauf äschert man ein und wägt die Asche. Das Gesammtgewicht des Niederschlages, nach Abzug der Asche, ist gleich dem vorhandenen Myrosin. Von Thurber und Comp. in New-York hergestelltes Mehl von braunem Senf ergab auf diesem Wege:

Feuchtigkeit 6,78 6,90 6,82
Myronsaures Kali 0,61 0,61 0,72
Rhodanwasserstoffsaures Sinapin 10,97 11,19 11,21
Myrosin 28,45 28,70 28,30
Oel 29,22 29,21 29,19
Cellulose (aus der Differenz) 20,24 19,55 20,06
Asche 3,73 3,84 3,70
–––––– –––––– ––––––
100,00 100,00 100,00.

In derselben Probe Senf wurde durch eine Verbrennung der Gesammtstickstoff zu 5,337 Proc. und durch Schmelzen mit kohlensaurem Natronkali und Salpeter und Bestimmung der Schwefelsäure die Gesammtmenge des Schwefels zu 1,489 Proc. bestimmt. Berechnet man aus obigen Analysen die im myronsauren Kali rhodanwasserstoffsauren Sinapin und Myrosin enthaltenen Mengen Stickstoff und Schwefel, so erhält man 5,342 bezieh. 1,50 Proc. Bei Untersuchung von mit Stärke oder Mehl verfälschtem Senf kann man nach dem Ausziehen des Oeles mit Aether und des rhodanwasserstoffsauren Sinapins und myronsauren Kalis mit Alkohol den Rückstand mit Malzaufguſs oder mit verdünnten Säuren unter Druck behandeln, um die Stärke in Glykose überzuführen, welche dann in gewöhnlicher Weise bestimmt wird.

E. Herbst (Badische Gewerbezeitung, 1882 S. 351) warnt vor einem Tafelsenf von Louit Frères et Comp. in Bordeaux, weil die die üblichen Glastönnchen schlieſsende Stanniolkapsel 89,8 Proc. Blei enthält, so daſs sich unter derselben erhebliche Mengen Bleizucker bilden.

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