Titel: Explosion eines offenen Gefäſses; von P. Böhme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 1 (S. 431–432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi10_1

Explosion eines offenen Gefäſses; von P. Böhme.

Am 23. Oktober 1882 fand auf dem Eisenhütten- und Emaillirwerk Neusalz a. Oder eine Explosion eines offenen Gefäſses statt, welche durch ihre Eigenthümlichkeit das Interesse weiterer Kreise erregen dürfte.

Auf genanntem Werk wird zu gewissen Zwecken granulirtes Guſseisen, sogen. Eisenschrot, verwendet, dessen Herstellung in der bekannten Weise geschieht, daſs flüssiges Eisen in einem schwachen Strahl über einen nassen, schnell bewegten Ruthenbesen in ein Gefäſs mit kaltem Wasser gegossen und dadurch in kleine Körner zertheilt wird. Als Wassergefäſs diente ein groſser, frei stehender, guſseiserner Waschkessel von 85cm oberen Durchmesser, 52cm,5 Tiefe, mit einem oberen Rand von 5cm Breite; der Kessel war nach unten etwas conisch verengt, hatte einen gewölbten Boden und besaſs eine Eisenstärke von 7mm; der Wasserinhalt betrug 250l. Zur Auflage der etwa 25k flüssiges Eisen haltenden Gieſskelle diente ein starker Holzbock, welcher gegen den Kessel durch eine 3cm starke Brettwand geschützt war.

Am gedachten Tage gofs der die Kelle führende Arbeiter bei Beginn des Granulirens aus Versehen eine zu groſse Menge Eisen, wodurch eine plötzliche Dampfentwickelung entstand, welche einen Theil des Wassers emporwarf, den Arbeiter erschreckte und ihn veranlaſste, die Kelle fallen zu lassen, wodurch der gesammte Inhalt von etwa 20k flüssigem Eisen auf einmal in das Kühlwasser fiel. Die Folge davon war eine augenblickliche rapide Dampfentwickelung, welche unter einer sehr heftigen Detonation den Kessel völlig zertrümmerte, die Bretter der Schutzwand sowie den Holzbock zerriſs und den Arbeiter 2m,5 zurückschleuderte, wobei ihm der rechte Unterschenkel zerschmettert wurde. Der Verunglückte lag auf dem Rücken, den Kopf nach dem Kessel gewendet, mit beiden Beinen in einer eisernen Schiebekarre, war also emporgehoben und um sich selbst gedreht worden.

Von der Heftigkeit der Explosion zeugt auch der Umstand, daſs nur wenige Stücke des Kessels an ihrem früheren Standort gefunden wurden, daſs aber ein Stück in eine 4m entfernte Mauer eines Gebäudes 6cm tief eindrang, daſs mehrere Stücke in eine Thür dieses Gebäudes sich tief einbohrten bezieh. groſse Holzsplitter herausrissen und daſs verschiedene Stücke auf einem Dache vorgefunden wurden, welches 15m entfernt und 6m hoch ist.

Merkwürdig ist auſserdem, daſs die Wirkung der Explosion fast nur nach einer Seite erfolgte; denn der dem Verunglückten gegenüber stehende Arbeiter, welcher den Besen zu handhaben hatte, erlitt nur eine geringe Contusion am Fuſs und wurde sonst nur von dem emporgeschleuderten Wasser überschüttet. Es dürfte diese Einseitigkeit dadurch hervorgerufen sein, daſs der Inhalt der Kelle sich nur an einer Seite des Kessels entleerte und dort die energische Entwicklung hervorrief. Vielleicht ist sogar durch die bedeutende Masse |432| flüssigen Eisens eine Zersetzung des Wassers erfolgt und die Wirkung war eine Folge von entzündetem Knallgas; die heftige Detonation scheint sogar hierauf hinzudeuten.

Jedenfalls liegt hier ein Beweis dafür vor, daſs unter ungünstigen Verhältnissen auch offene Gefäſse explodiren und damit Unheil anrichten können. Es ist der Zweck dieser Zeilen, darauf aufmerksam zu machen und zur Vorsicht zu mahnen.

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