Titel: Kabath's elektrischer Accumulator.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 2 (S. 432–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi10_2

Kabath's elektrischer Accumulator.

Bei Herstellung seines elektrischen Accumulators strebte N. de Kabath in Paris, groſses Ansammlungsvermögen bei geringem Gewichte der Batterie zu erreichen. Er stellte nach Engineering, 1882 Bd. 34 * S. 199 seine Zelle aus Bleibändern von 0mm,1 Dicke und 1cm Breite her; die eine Hälfte derselben wird gleich in der gewünschten Länge von 36cm zugeschnitten, die andere Hälfte von ursprünglich 56cm Länge durch Rollen zwischen cannelirten Walzen auf 36cm gebracht. 180 bis 190 dieser flachen und gewellten Bänder werden abwechselnd über einander gelegt und das Ganze in eine dünne Bleischeide gefügt, welche an den Längsseiten offen ist und nur oben und unten die Bänder umfaſst. Diese Scheide von 38cm Länge, 9cm Tiefe und 1cm Breite hat sammt den Bändern 1k Gewicht. An das eine schmale Ende wird ein Bleistreifen angesetzt. Reihen von kleinen Löchern in der Scheide gestatten in der fertigen Batterie der Flüssigkeit, ungehindert herum zu strömen. 6 solcher vertikaler Zellen in einem Glasgefäſse bilden die „Laboratoriumsbatterie“ von 6k Gewicht, 12 Zellen von 35k Gewicht die gröſsere, sogen. „industrielle“ Batterie. Neuerdings wählte Kabath eine dauerhaftere Form: Hölzerne Tröge, innen mit Ebonit gefüttert, nehmen die Zellen auf, die entweder durch einen isolirenden Anstrich vom Holz getrennt sind und deren flache Enden zwischen Ebonitstreifen emporgehen, oder die besser paarweise in gerippte Glasplatten eingesetzt sind, wobei dann die Endbleistreifen jedes Paares an entgegengesetzten Enden angebracht sind und nach Belieben zusammengefaſst werden können. Auch diese Batterie wird zu 6k und zu 25k im Preise von 24 M. und 60 M. hergestellt, doch auch in einer noch gröſseren Form. Diese Anordnung erlaubt, wie erwähnt, beliebige Verbindungen und ermöglicht, einzelne schadhafte Zellen mit Leichtigkeit herauszunehmen.

Die Vorbereitung des Accumulators geschieht wie bei dem ursprünglichen Planté'schen Accumulator, nicht nach Faure's Methode (vgl. 1882 244 201), wo bekanntlich von vorn herein abwechselnde Schichten von Blei und Mennige über einander lagern. Soll die Batterie vorbereitet und später geladen werden, so füllt man den Trog mit destillirtem Wasser unter Zusatz von 0,1 reiner Schwefelsäure und sendet einen Strom durch die Batterie, dessen Richtung man manchmal ändert, um eine vollkommene Oxydation aller Theile des Bleies zu erreichen. Dies dauert länger als das Vorbereiten der Faure'schen Batterie, ist aber sicherer und gleichmäſsiger. Es gibt leider kein besonderes Merkmal für das Ende der Operation. Als Elektricitätsquelle werden gewöhnlich Gramme'sche selbsterregende Dynamomaschinen verwendet, welche mit 800 Umläufen in der Minute von Gasmaschinen getrieben werden. Jede Gramme-Maschine kann 30 Accumulatoren in 3 Gruppen zu je 10 laden. Liegt dabei die Batterie mit den erregenden Elektromagneten in einem Stromkreise, so darf die elektromotorische Kraft des ladenden Stromes nicht unter ein gewisses Minimum sinken, da sonst die Richtung des Stromes umgekehrt werden könnte, die Accumulatoren sich in den Stromerzeuger entladen und ernstliche Störungen in Leitern und Maschinen verursachen könnten. Um dies zu verhüten, bringt Kabath einen einfachen selbstthätigen Stromunterbrecher an, welcher den Stromkreis unterbricht, sobald der von der Maschine gelieferte Strom zu schwach wird. Werden dagegen die Batterie und die erregenden Elektromagnete in parallele Stromkreise gelegt, so wird in den der letzteren ein Rheostat und mittels derselben so viel Widerstand eingeschaltet, daſs eine nachtheilige Erhitzung in der Maschine nicht eintritt. Eine Umkehrung der Stromrichtung kann in diesem Falle nicht eintreten, da der Entladungsstrom in den erregenden Elektromagneten dieselbe Richtung hat wie der Maschinenstrom.

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Versuche im Conservatoire des Arts et Metiers ergaben, daſs ein Accumulator von 35k Gewicht 619500 (? Red.) Coulomb oder rund 500000 Coulomb lieferte; dies ergibt bei 16 Ampère für die Sekunde 500000 : 16 oder fast 9 Stunden Entladungsdauer.

Es muſs erwähnt werden, daſs in diesen Berechnungen die Widerstände in den Leitern auſser Acht gelassen sind; in der Praxis würden diese Widerstände die Zahl der neben einander geschalteten Accumulatoren nicht beeinflussen, aber eine gröſsere Zahl von Zellen in jedem Accumulator erfordern.

Eine groſse Beleuchtungsanlage mit dieser Sekundärbatterie ist nach Engineering, 1883 Bd. 35 * S. 82 in St. Denis von Kabath für die Compagnie d'éclairage électrique ausgeführt worden. Die Compagnie des Forges et Chantiers daselbst, welche vorwiegend Eisenbahnwagen baut, beleuchtet ihre weiten Räume zur Verminderung der Feuersgefahr elektrisch. Die 60e-Maschine läſst 12e für Beleuchtung verfügbar. Damit können nicht mehr als 10 Weston'sche Bogenlampen durch eine Weston'sche Maschine gespeist werden. Die Weston-Maschine wird daher täglich 4 Stunden benutzt, um 80 Kabath'sche Accumulatoren, in zwei parallel geschalteten Reihen zu je 40, zu laden, die dann – etwa 3 Stunden lang – den Strom für 30 Maxim'sche Glühlampen liefern, welche in den Trocken- und Lackierräumen vertheilt sind. Die Bürsten der Weston-Maschine lassen sich zwar behufs Schwächung des Stromes leicht verstellen; doch muſste er beim Laden der Sekundärbatterie mit Leichtigkeit noch weiter geschwächt werden können und es war ein Umschalter nöthig, der den Strom den Lampen oder der Batterie zuführen kann. Zu ersterem Zwecke wurde ein Eisendrahtwiderstand in den Ladungsstromkreis gelegt. Ein selbstthätiger Stromunterbrecher in demselben Stromkreise verhütet die Entladung der Batterie, wenn die elektromotorische Kraft derselben gröſser wird als die der Maschine. In den Stromkreis der Glühlampen ist noch ein Widerstand eingeschaltet, welcher nach und nach verkleinert wird, wie die Batterie schwächer wird; so wird durch Reguliren mit der Hand die Stromstärke für die Glühlichtlampen constant erhalten. Die 10 Bogenlampen beleuchten die Sägerei; sie hängen etwa 6m hoch. Die Maxim'schen Lampen in dem Lackirsaale sind beweglich gemacht, indem in geeigneter Höhe 4 Paar parallele Kupferdrähte gespannt sind, worauf ⊤-förmige Kupferstücke gleiten, die durch isolirte Drähte mit den Klemmschrauben der Lampen verbunden sind, so daſs letztere an jeden beliebigen Punkt getragen werden können. Die Maxim-Lampen kosten jede 8 M. und dauern etwa 1000 Stunden. Die ganze Anlage kostete 14400 M. Die Weston-Lampen geben 1000, die Maxim-Lampen 90 Carcel Lichtstärke; das Gas zu gleicher Lichtmenge würde nach Pariser Preisen 14,75 M. stündlich kosten.

E–e.

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