Titel: Die Herstellung des Kanal-Tunnels nach Crampton's Vorschlag.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 247/Miszelle 2 (S. 471–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj247/mi247mi11_2

Die Herstellung des Kanal-Tunnels nach Crampton's Vorschlag.

T. R. Crampton schlägt im Engineer, 1882 Bd. 54 * S. 255 vor, den Kanal-Tunnel mittels eines einzigen Scheibenbohrers von 11m Durchmesser abzubohren. Auf der vorderen Fläche einer runden Scheibe sind 72 Kreismesser schräg befestigt. Jedes dieser Messer schneidet bei der Umdrehung der Scheibe einen Ring von 76mm Breite und 1mm,6 Tiefe fort, so daſs in der Stunde 0m,90 abgebohrt werden können. Es würde also die Herstellung jeder Tunnelhälfte, welche etwa 16000m lang ist, ungefähr 2½ Jahre in Anspruch nehmen. Da hierbei stündlich 120cbm Bohrtrümmer fortzuräumen sind, so wären, wenn man den Transport durch Wagen bewältigen wollte, in der Stunde 85 Wagen von etwa 1m,8 Lange nothwendig. Bei einer Verkuppelung von 10 Wagen müſste demnach alle 7 Minuten ein solcher Zug beladener Wagen aus- und ein gleicher Zug leerer Wagen einfahren. Die Wagen müſsten dann in den Endschächten, von welchen aus der Tunnel vorgetrieben wird, bis zur Erdoberfläche gehoben, entleert und wieder in den Tunnel zurückgebracht werden. Dies entspräche einer Förderung, wie sie keines der gröſsten Bergwerke aufzuweisen hat. Hierzu kommt ferner, daſs bei einer Ausmauerung des Tunnels mit einem Gewölbe von 0m,90 Stärke stündlich 50cbm Steine u.s.w. in den Tunnel geschafft werden müssen.

Um die Schwierigkeiten eines solchen Transportes zu umgehen, schlägt Crampton vor, die Gesteinstrümmer mit dem aus den hydraulischen Betriebsmaschinen des Bohrers kommenden Wasser zu vermischen und direkt oder von einem Schachttiefsten bis über Tage zu pumpen. Der Bohrapparat besitzt zu diesem Zwecke folgende Einrichtung: Der oben erwähnte Scheibenbohrer liegt mit seiner horizontalen Welle in einem fahrbaren starken Gestell und wird von einer direkt an die Welle angreifenden hydraulischen Kolbenmaschine in der Minute 10mal in Umdrehung versetzt. Die abgebohrten Gesteinstrümmer werden von an der Scheibe befestigten Löffeln mitgenommen und am obersten Punkte in eine schräg nach unten gerichtete Rinne geworfen, aus welcher sie vom Abwasser der hydraulischen Maschine in eine rotirende Siebtrommel gespült werden; |472| letztere, durch eine besondere kleine hydraulische Maschine getrieben, macht die Trümmer mit dem Wasser zu einem Brei an, welcher durch Pumpen bis über Tage gehoben wird. Die Erfahrung hat gelehrt, daſs man die besten Resultate erhält, wenn die Wassermenge etwa 3mal das Gewicht der Gesteinstrümmer übersteigt. Die zum Betriebe der hydraulischen Maschinen dienenden Rohrleitungen, sowie die Pumpensteigröhren, welche an dem Bohrgestell befestigt sind, lassen sich mittels Stopfbüchsen in den Hauptleitungen um 22m verschieben, so daſs nur alle 24 Stunden die Einschaltung von Fortsetzungsrohren nothwendig wird. Das Wasser zum Betriebe der hydraulischen Maschinen besitzt, abgesehen von der Druckhöhe von über Tage bis vor Ort eine Pressung von ungefähr 70at.

Hiernach ist ersichtlich, daſs die Tunnelstrecke hinter dem Bohrer bis auf die geringe Querschnittsverengung durch die Rohrleitungen vollständig frei bleibt. Das durch Klüfte eindringende Seewasser muſs natürlich durch besondere Pumpwerke bewältigt werden.

Die Ausführbarkeit dieses Planes gründet Crampton hauptsächlich auf die Weichheit und Wasserundurchlässigkeit des sich unter dem Meeresboden zwischen Dover und Calais hinziehenden grauen Kalkes.

St.

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