Titel: Neuerungen an Regulir-Füllöfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248 (S. 118–122)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/ar248051

Neuerungen an Regulir-Füllöfen.

Patentklasse 36. Mit Abbildungen auf Tafel 8.

An den bekannten amerikanischen Oefen sind in neuerer Zeit mehrfach Verbesserungen angebracht worden, welche das Bestreben zeigen, bei möglichster Ausnutzung des Brennmaterials eine gesunde Heizanlage zu schaffen. Von den so entstandenen Anordnungen sollen in Folgendem einige mitgetheilt werden, welche in ihrer praktischen Ausführung gute Erfolge erzielten.

O. Elterich in Doos bei Nürnberg (*D. R. P. Nr. 17109 vom 14. Januar 1881 und Zusatz* Nr. 18141 vom 4. December 1881) hat Regulirfüllöfen angegeben, welche die Verwendung beliebigen Brennmaterials gestatten, ohne groſse Veränderungen vornehmen zu müssen, und bei welchen die Zimmerluft wie auch frische Auſsenluft ihren Weg durch den Ofen nehmen kann, um im ersten Fall eine Circulationsheizung, im zweiten Fall eine Heizung verbunden mit Lüftung zu erhalten; die schlechte Luft wird bei der letzteren Anordnung durch den Kamin abgesaugt. Wie aus Fig. 5 bis 7 Taf. 8 zu entnehmen, ist der Feuerraum über dem Feuerkorb c erweitert und wird durch die Kanäle i und l durchzogen. Um den Heizofen ist ein Mantel m aus Porzellan, Thon oder Eisen gelegt, der aus mehreren Ringen mit genau auf einander schlieſsenden Fugen ohne Verwendung von Kitt zusammengesetzt ist, so daſs der Mantel sich frei ausdehnen oder zusammenziehen kann. In den Ofen münden 3 Kanäle k, o und n; der erstere führt nach dem Kamine und besitzt eine stellbare Klappe t, welche eine Oeffnung enthält, so daſs der Abzug sich entwickelnder schädlicher Gase auch dann noch erfolgen kann, wenn t zugestellt ist. Der Kanal n führt bei geöffneter Klappe p zum Zweck der Lüftung frische Auſsenluft in den Ofen. Soll ein Nebenraum noch durch den Ofen erwärmt werden, so wird die Klappe q des Kanales o geöffnet.

An dem Ofen sind weiter mehrere Schieber und Register angebracht, welche die verschiedenen Functionen einleiten sollen. Die 4 Oeffnungen x und y am Boden können wechselseitig durch einen von auſsen stellbaren Ring geöffnet oder geschlossen werden; um ein langsames Brennen zu erzielen, wird die durch das Register r unter den Rost geleitete Luft unmittelbar durch den Kanal s nach dem Kamine geleitet; das Register b führt Luft in den Feuerkorb. Am Mantel befindet sich noch ein drehbarer Ring z mit Oeffnungen. Den Raum zwischen Mantel und Ofen trennen bis zu gewisser Höhe zwei Rippen d; der Deckel h des Füllschachtes ist als Wassergefaſs gebildet, um eine Anfeuchtung der Zimmerluft zu erhalten. Soll nun die letztere veranlaſst werden, durch den Ofen zu streichen, so werden die Oeffnungen y frei gemacht, die Zimmerluft geht durch die Kanäle l nach oben und tritt durch die Oeffnungen des |119| Ringes z aus. Wenn Heizung mit Lufterneuerung stattfinden soll, so werden die Mündungen y geschlossen; dagegen wird die Klappe p geöffnet: Frische Auſsenluft tritt durch die Kanäle l nach oben, fällt über die Scheide der Wände d und geht dann unmittelbar oben in das Zimmer, wenn der Ring z geöffnet ist, oder, wenn dies nicht der Fall, so nimmt die Luft den Weg nach abwärts durch die Kanäle i und tritt am Sockel durch die Oeffnungen x aus. Soll ein Nebenraum mittels des Kanales o mitgeheizt werden, so kann dazu Zimmer- oder Auſsenluft verwendet werden, welche dann zuerst aufsteigt, über die Scheide fallt und durch die Kanäle i nach o abzieht.

Um den Ofen für Holz- oder Torffeuerung zu benutzen, wird das Füllmagazin herausgenommen; ebenso werden der Feuerkorb c, der Rost, das Rostlager und die Rostbalken entfernt, um schlieſslich einen runden Rost einzulegen.

O. Elterich will den Heizeffekt seines Ofens noch dadurch erhöhen, daſs er einen Gasfang bildet, in diesem die unverbrannten Kohlenwasserstoffe und Kohlenoxyde sammelt und durch Zuführung von Luft verbrennt, also zu der Ofenheizung noch eine Gasheizung hinzufügt. In Fig. 7 ist dieser Gasfang durch den ringförmigen Conus a gebildet; die Luft wird durch das Register e eingeführt, das entstehende Luft- und Gasgemenge verbrennt mit den in den Rauchgasen enthaltenen Kohlenstofftheilchen; es kann also eine ziemlich rauchfreie Verbrennung erzielt werden. Der Erfinder legt auf diese Hilfsfeuerung so viel Werth, daſs er durch Verminderung des Luftzutrittes unter den Rost eine unvollständige Verbrennung einleiten will, um möglichst viel Gase zu erhalten, welche dann im Gasfang verbrannt werden sollen.

Fr. Lönholdt in Frankfurt a. M. hat eine Reihe von Patenten erhoben, welche in noch weiterem Maſse als wie die Elterich'schen Anordnungen den Bedingungen einer guten Lokalheizung gerecht werden sollen. Es ist hauptsächlich anzuerkennen, daſs Lönholdt auch der äuſseren Form Rechnung trägt, ohne die technischen Bedingungen zu vernachlässigen; seine Oefen zeichnen sich durch geschmackvolle Gestalt aus. Die angebrachten technischen Verbesserungen würden zum gröſsten Theil auch werthvoll zu bezeichnen sein, wenn daraus nicht eine umständliche Anordnung entstände, welche die Beschickung, richtige Einstellung und Reinigung schwierig gestalten dürfte. Es gilt dies in gewissem Maſse auch von den Elterich'schen Oefen. Bei dem Bestreben, zu viele Functionen mit dem Ofen zu verbinden, entsteht leicht der Uebelstand, daſs die mit der Bedienung des Ofens betrauten Personen eine falsche Einstellung der verschiedenen Klappen und Schieber herbeiführen, wodurch dann der bezweckte Nutzen hinfällig, ja ins Gegentheil umschlagen wird. Jedoch verdienen die von Fr. Lönholdt angegebenen Neuerungen Beachtung, weshalb das Wesentlichste davon im Folgenden beschrieben werden soll.

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Die zwei Hauptpatente mit ihren Zusätzen (*D. R. P. Nr. 12524 vom 29. Juni 1880 und Zusätze * Nr. 14090 vom 18. November 1880 und * Nr. 18169 vom 25. Oktober 1881, ferner * D. R. P. Nr. 17292 vom 10. März 1881 mit Zusätzen * Nr. 18 213 vom 17. Juli 1881, * Nr. 18223 vom 4. September 1881 und * Nr. 19 823 vom 14. Januar 1882) suchen in ziemlich gleicher Weise folgendes zu erreichen: Möglichste Ausnutzung der Heizgase durch Führung derselben in Kanälen im Ofen, ehe sie nach dem Kamine abziehen, wobei hauptsächlich auf kräftige Heizung des Sockels Werth gelegt ist. Verhütung der lästigen Ausstrahlung der Wärme, hauptsächlich nach den Seiten hin, um den Ofen auch in die Nähe von Möbeln stellen zu können; dafür Heizung der Zimmerluft durch Leitung der letzteren durch den Ofen und nach Bedarf auch Heizung mit frischer Auſsenluft. Vollständige Verbrennung der entstehenden Gase. Genügende Anfeuchtung der Zimmerluft. Anbringung einer Koch Vorrichtung in möglichst verdeckter Weise. Vermeidung der unmittelbaren Berührung der Luftdurchströmungskanäle durch glühende Kohlen, um die Verschlechterung der Luft durch Verbrennen der in derselben enthaltenen Staubtheile an den glühenden Flächen zu verhüten. Endlich bei dem neuesten Patent Verhütung des Zusammenbackens etwa zu verwendender fetter Kohle durch Vermeidung der unmittelbaren Berührung des Füllschachtes durch das Feuer.

Die zur Erfüllung dieser Forderungen Von Fr. Lönholdt angegebenen Anordnungen sind im Wesentlichen durch die Fig. 8 bis 13 Taf. 8 wiedergegeben. Bei der Anordnung Fig. 8 und 9 sind zwei seitliche Luftdurchströmungskanäle angebracht, welche mit Zickzackblechen versehen sind; durch diese Kanäle kann Zimmerluft, eintretend durch die Bodenöffnung q, oder, wie in der Figur nicht angegeben, frische nach q gelangende Auſsenluft durch einen Kanal im Fuſsboden geleitet werden, so daſs die gewünschte Circulationsheizung oder Heizung mit Ventilation verbunden entsteht. Die erwärmte Luft tritt in Brusthöhe aus.

Die Feuerführung ist zur möglichsten Ausnützung der Heizgase eingerichtet, indem letztere gezwungen werden, die durch die Zwischenwände h geschaffenen Räume zwischen Füllschacht e und Mantel a zu durchziehen und darauf durch die Oeffnung l in den Rauchzug k1 zu treten; von diesem können die Gase unmittelbar in den Kamin o abziehen, wenn die Klappe k offen ist, oder, wenn dies nicht der Fall, müssen die Gase im Kanal k1 nach unten ziehen, gelangen durch den Kanal k2 wieder nach oben, nachdem sie vorher den breit angelegten Sockel erhitzt haben, und treten dann in den Kamin. Am hinteren Theile des Ofens ist eine Ventilationsklappe angebracht, um die verdorbene Zimmerluft nach dem Kamine ableiten zu können. Um etwa sich im Füllschachte entwickelnde Gase für alle Fälle unschädlich zu machen, sind am oberen Theile von e schmale Schlitze u (vgl. auch Gebr. Buderus 1883 247 * 23) angebracht, so daſs die Gase mit dem Rauch |121| abziehen können. Das Verdunstungsgefäſs g ist breit angelegt, damit durch unmittelbare Berührung desselben durch die Heizgase die Wasserverdunstung beschleunigt wird. Der Rauchkasten o ist mit einer Kochplatte n versehen, welche Ringe enthält. Die Rostanlage besteht aus dem Rostkorbe b, dem ringförmigen Roste c und dem Flachroste d; letztere beide können leicht gerüttelt werden, damit die Asche in den untergestellten Kasten fällt.

Die Anordnung Fig. 10 und 11 Taf. 8 zeigt einen Ofen, welcher möglichst wenig strahlende Wärme auswirft, dagegen bei gedrängter Form starke Luftheizung ermöglichen soll; zu diesem Zweck ist der innere Heizcylinder a mit Rippen versehen und besitzt innen horizontale, gegen einander versetzte Wände, zwischen welchen das Feuer im Zickzack in die Höhe steigt. Die Verbrennungsgase werden entweder unmittelbar durch die Oeffnung b und den Hals c in den Schornstein geführt, oder sie gehen, nachdem man die Klappe d herabgelassen, durch die Oeffnung p in einen Kanal q an der Ofenrückseite abwärts in den Sockel r, der durch eine Scheidewand in zwei Theile getheilt ist, und steigen durch den Kanal t wieder in die Höhe, um nach c zu gelangen. Der Heizcylinder a ist in einen Mantel s eingeschlossen, welcher unten offen ist und die Luftzufuhr aus dem Zimmer oder von auſsen empfängt. Die stark erhitzte Luft tritt dann an der durchbrochenen Decke R aus oder kann in Nebenräume geleitet werden. Ein äuſserer Mantel bildet die dekorative Hülle. Behufs Ventilation läſst man durch die Jalousieklappe e die verdorbene Zimmerluft in den Kamin strömen.

Für besondere Zwecke, wie z.B. zur Heizung groſser Säle, hat Fr. Lönholdt die beschriebene Anordnung abgeändert. Um beliebige Kohle verwenden zu können, muſs die starke Erhitzung der im unteren Theile des Schachtes befindlichen Kohle vermieden werden, damit dieselbe nicht zusammenbackt und dadurch am Nachrutschen gehindert wird. Wie aus Fig. 12 und 13 Taf. 8 zu ersehen, soll diese Bedingung durch die Anordnung eines 4 eckigen verzogenen Füllschachtes d, an welchem ein 3seitiger Rostkorb b angehängt ist, erreicht werden. Der Füllschacht wird an den Seiten und hinten von Circulationsluft umspült, welche nach Durchziehen der Kanäle r am Ofendeckel ausströmt. Der Feuerraum a ist so angeordnet, daſs der Rostkorb sowie die glühenden Kohlen ihn nicht berühren, damit ein Glühendwerden seiner Wände und dadurch ein Ueberhitzen der die letzteren berührenden Circulationsluft möglichst ausgeschlossen ist. Zum Zweck der möglichsten Verbrennung der sich entwickelnden Gase wird in a aus einem der gröſsten Hitze ausgesetzten Kanäle o Zimmerluft, die durch den Schieber t eingeführt wird, in glühendem Zustande eingeleitet. Die Heizflamme zieht dann durch zwei seitliche Kanäle e entweder direkt nach dem Schornstein, oder bei entsprechender Stellung der Klappe q zuerst nach dem Sockel, durchstreicht denselben und zieht darauf durch den mittleren Kanal f nach dem Kamine.

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Zu diesen Ofen-Anordnungen von O. Elterich und Fr. Lönholdt ist noch zu bemerken, daſs wegen der Anlage theilweise horizontaler Führung der Rauchgase die Ruſsablagerung nicht unbeträchtlich sein wird; es wäre also zweckmäſsig, für eine leichte Entruſsung Sorge zu tragen. Allerdings wird die Einrichtung der rauchfreien Verbrennung diesen Uebelstand theilweise beseitigen. Einer Verbesserung dürfte auch die schroffe Richtungsänderung der Heizgase an den Kanten der eingesetzten Zwischenwände fähig sein.

K. H.

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