Titel: O. Schimmel's Vlieſstrommelwage.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248 (S. 195–197)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/ar248079

O. Schimmel's Vlieſstrommelwage.

Mit Abbildung auf Tafel 12.

Der von O. Schimmel in Chemnitz (* D. R. P. Kl. 76 Nr. 8064 vom 24. Juni 1879, vgl. 1880 238 * 137) angegebene, bereits kurz erwähnte Apparat zum Abwiegen der Vlieſse bei Wollkrempeln liegt in einer praktischen, von der ursprünglichen, in der Patentschrift enthaltenen, etwas abweichenden Ausführung vor. Wie Fig. 16 Taf. 12 zeigt, ist das Prinzip |196| beibehalten, daſs die das Vlieſs aufnehmende Trommel die eine Schale einer Wage bildet und durch ihr Sinken die Materialaufnahme unterbricht. Die Materialvorlage kann dann ununterbrochen geschehen und das Vlieſsgewicht ist durch das Abwiegen unabhängig von dem Fluge oder Auswurfe der Krempel und dem in den Zähnen des Beschlages zurückbleibenden Theile des Spinnmaterials gemacht.

Die Achse der Vlieſstrommel T ruht in Kanonenlagern m, welche ihrerseits mittels zweier prismatischer Zapfen in Gabellagern hängen. Das Gabellager auf der Seite des Antriebes ist am Krempelgestelle fest, das andere in der Figur sichtbare mit dem einen Arme W des Wagebalkens verbunden, welcher auf der am Gestelle festen Schneide Z hängt. Auf diesen Arm W wirkt also das halbe Gewicht der Trommel nebst Vlieſs. Ausgeglichen ist dieses Gewicht durch den am anderen Arme W1 des Wagebalkens verstellbaren Guſseisenkörper G: Kleine Differenzen können durch das verstellbare Gewicht g behoben werden.

Die Kammwalze P wird in gewöhnlicher Weise durch die mit aufsteckbaren Wechselrädern r versehene, von der Kardentrommelachse aus getriebene Riemenscheibe S bewegt und von ihr aus die Drehung der Vlieſstrommel T bewirkt.

Die Achse, auf welcher Riemenscheibe S und Rad r sich drehen, ist an einen Hebel h befestigt, der sich um den Bolzen q drehen kann und in richtiger, dem Eingriffe von r in das Kammwalzenrad R entsprechender Stellung dadurch erhalten wird, daſs sich eine Nase o am linken Ende desselben auf eine Stufe des durch einseitiges Gewicht immer nach rechts zur Anlage von o gedrückten Hebels b stützt. Derselbe ist mit seinem oberen Ende an die Schiene i angelenkt, welche sich in dem Auge l des mit W1 verbundenen Stelleisens führt und die verschiebbare Nase t trägt. Der während der Bildung des Vlieſses schwerere rechte Arm W1 des Wagebalkens wird durch einen Stift p unterstützt, welcher sich auf die untere Rast des ebenso wie b einseitig angedrückten Hebels c legt.

Hat nun das gebildete Vlieſs ein bestimmtes Gewicht erreicht, so wird der Arm W gesenkt und W1 gehoben. Mit W1 hebt sich dann auch das Auge l und die Nase t kommt in Anschlag mit dem Stifte s des Kammwalzenrades R. Um zu verhüten, daſs der Wagebalken zurückschwingt, bevor t und s sich begegnen, und die Ausrückung sich dadurch verzögert, wird derselbe in seiner höchsten Lage dadurch festgehalten, daſs die Nase p sich auf die nächste Stufe des Rasthebels c setzt. Indem der Stift s an die Nase t stöſst, schiebt er die Schiene i und den Hebel b nach links, die Nase o wird frei und der Hebel h fällt ab, womit das Rad r auſser Eingriff mit R gebracht wird. Die Kammwalze P und die Vlieſstrommel T stehen still. Da von P aus auch die Wollzuführung betrieben wird, so ist mit dem Stillstande der Kammwalze die Zuführung ebenfalls unterbrochen. Wenn der Hebel h gefallen ist, so setzt |197| der an der Scheibe S sitzende Stift s1 durch Anschlag an die Nase t1 die Glocke k in Bewegung, wodurch die bedienende Person zur Abnahme des Vlieſses herbeigerufen wird.

Beim Zurückdrücken der Stange i und des Hebels b nimmt die Nase d des Hebels b, durch Anschlag an den Vorsprung des Hebels c, den letzteren so weit mit, daſs der Stift p von der oberen Stufe wieder auf die untere zurückfallen kann.

Rn.

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