Titel: W. Fritsche's Keilpresse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248 (S. 408–409)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/ar248165

Leistung und Arbeitsverbrauch von rotirenden Keilpressen.

Mit Abbildung auf Tafel 28.

Im Anschlüsse an die Beschreibung der von W. Fritsche in Breslau angegebenen rotirenden Keilpresse zur Gewinnung von Saft oder Oel aus Früchten, Samen u. dgl. (vgl. 1882 243 * 316) mögen hier einige |409| Angaben über Leistungsfähigkeit und Kraftverbrauch derartiger Pressen Platz finden. Zum leichteren Verständnisse ist in Fig. 16 Taf. 28 die Skizze einer neueren Ausführung beigegeben.

Der mittels rotirender Keilpressen erzeugte Druck kann 180 bis 220k auf 1qc der Kuchenfläche betragen. Die Dauer des Druckes ist allerdings geringer wie bei den hydraulischen Pressen; dagegen läſst sich als Vortheil anführen, daſs der Samen in flachen Kuchen zur Pressung gelangt, also der Abfluſsweg für das Oel sehr verkürzt wird, und daſs ferner während der Ausübung des Druckes eine Verschiebung der Kuchentheile gegen einander stattfindet, was dem Oele stets neue Abzugswege schafft. Weitere Vorzüge der Rotations-Keilpressen gegenüber hydraulischen bestehen im Fortfalle der Packungsmaterialien (Roſshaardeckel oder Tücher), sowie in der Ersparung von Bedienungsmannschaft und Pumpwerken, wodurch sowohl die Anschaffungs-, als die Unterhaltungskosten geringer ausfallen.

Was die Leistung solcher Pressen betrifft, wie sie zur Gewinnung von Rapsöl benutzt werden, so läſst sich dieselbe aus den folgenden Angaben entnehmen. Die aus der Presse tretenden Oelkuchen haben eine Breite von 100mm, eine Dicke von 22mm und eine Länge von 192mm und wiegen 0k,409. Bei einer Geschwindigkeit von 0,5 Umdrehungen in der Minute ergibt dies eine stündliche Erzeugung von 147k Oelkuchen. Da 100k Raps durchschnittlich 72k Kuchen und 27k Oel liefern, so ist man mit einer solchen Presse im Stande, 55k Oel aus 204k Samen stündlich zu erzeugen, oder in 24 Stunden 4500k Raps zu verarbeiten. Der Keilwinkel beträgt in der Mitte der Druckfläche etwa 1°, woraus sich der am Umfange der inneren Scheibe tangential wirkende Widerstand zu 9500k berechnet, unter Voraussetzung eines auf das Preisgut wirkenden Normaldruckes von 45000k. Bei der oben angeführten Geschwindigkeit von 0,5 Umdrehungen in der Minute ergibt sich aus diesen Kraftziffern ein Arbeitsverbrauch von 2e,8, also etwa dieselbe Kraft, welche hydraulische Pressen von gleicher Leistung beanspruchen. Das Gewicht einer Keilpresse belauft sich auf ungefähr 5000k.

Bei der Benutzung solcher Maschinen in der Zuckerfabrikation zur Gewinnung von Saft aus Zuckerrüben gestalten sich die Verhältnisse etwas abweichend. Die Presse läuft in diesem Falle rascher, nämlich mit 2 Umgängen in der Minute, und die aus ihr tretenden Kuchen haben bei 250mm Breite und 192mm Länge eine Dicke von 14mm bezieh. ein Gewicht von 0k,6. Die Maschine kann also in 24 Stunden über 2000 Ctr. Rüben verarbeiten. Der Preſsdruck ist im Mittel 35000k und bei einem Keilwinkel von 2° 10' beträgt die Umfangskraft 8100k, was einem Arbeitsverbrauche von 9e,37 entspricht.

Pr.

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