Titel: Ueber Chinarindenalkaloide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 9 (S. 44)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi01_9

Ueber Chinarindenalkaloide.

Neutrales Hydroconchininsulfat krystallisirt nach O. Hesse (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1882 S. 3008 u. 1883 S. 58) in feinen Nadeln der Zusammensetzung (C20H26N2O2)2SO4H2.2H2O und bei niederen Temperaturen in derben Krystallen (C20H26N2O2)2SO4H2.8H2O; ein Sulfat mit 12H2O, welches Forst und Böhringer beschreiben, konnte Hesse nicht erhalten. Deutsches Conchininsulfat von verschiedener Herkunft enthielt 5 bis 11 Proc., ein englisches Sulfat von Howard 19 Proc. Hydroconchininsulfat. Ein gröſserer Gehalt des Conchininsulfates an Hydroconchininsulfat verräth sich übrigens schon durch eine mangelhafte Krystallisation.

Das Conchinin wird ziemlich leicht frei von Hydroconchinin erhalten, wenn man das neutrale Chlorhydrat oder das saure Sulfat wiederholt aus Wasser oder Alkohol krystallisirt. Bisweilen genügt schon eine einmalige Krystallisation. Dieses Ziel wird dagegen nicht erreicht, wenn man das neutrale Sulfat aus Wasser oder die freie Base aus heiſsem Alkohol oder Benzin krystallisiren läſst. Bei den Versuchen, das Hydroconchinin in den Remijiarinden aufzufinden, aus welchen neuerdings das Chinin und sein steter Begleiter in demselben, das Conchinin, hauptsächlich dargestellt wird, ergab sich, daſs ein groſser Theil, wenn nicht die ganze Menge des Hydroconchinins erst bei der Gewinnung des Conchinins aus den betreffenden Rinden bezieh. während seiner Fabrikation entsteht. Das gleiche scheint bei den anderen Hydrobasen, dem Hydrochinin, Hydrocinchonidin und Hydrocinchonin stattzufinden.

Cuprearinde enthält Chinin, Conchinin, Cinchonin und amorphe Basen, aber kein Cinchonidin. Ferner erhält man sehr kleine Mengen Cincholin, wenn man die amorphen Basen mit Wasser kocht. Nach Beseitigung des Cincholins bleibt als Rückstand Diconchinin, C40H46N4O3, welches aus der fraglichen Remijiarinde ganz besonders leicht rein dargestellt werden kann, weil diese kein Dicinchonin, Chinamin und Conchinamin enthält, welche Basen die Darstellung des Diconchinins aus den Cinchonarinden erheblich erschweren.

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