Titel: Versuche mit Peilen, welche mittels Sandstrahl geschärft sind.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 1 (S. 86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi02_1

Versuche mit Peilen, welche mittels Sandstrahl geschärft sind.

Das Verfahren von A. Richardson, Feilen mittels Sandstrahlgebläse zu schärfen, findet sich bereits in D. p. J. 1879 231 * 25 (vgl. auch Wiebe's Skizzenbuch, 1880 Heft 4) beschrieben. Es ist dazu ergänzend nachzutragen, daſs der Hauptwerth des Verfahrens nicht in der Anwendung desselben zum Schärfen alter gebrauchter Feilen beruht, sondern vor Allem darin, daſs die frisch gehauenen Feilen durch Schleifen mittels Sandgebläses vollendet werden. Aus einer abgenutzten, durch Ausbrechen von Zähnen unbrauchbar gewordenen Feile läſst sich natürlich durch Schleifen allein kein vollkommenes Werkzeug mehr machen, während neue Feilen, mit Sand abgeblasen, von vorn herein gröſsere Widerstandsfähigkeit neben gröſserer Schärfe erhalten und dem Ausbrechen von Zähnen weniger ausgesetzt sind, so daſs sie nach dem Stumpfwerden 1 bis 2, in einzelnen Fällen selbst 3 maliges Nachschleifen vertragen.

Um das Verhältniſs der Schärfe, sowie der Dauerhaftigkeit der mit Sandstrahlgebläse geschärften zu der gewöhnlicher Feilen festzustellen, hat Tilghman, der Inhaber des Richardson'schen Patentes, Versuche anstellen lassen, welche folgendes Ergebniſs lieferten. Es wurde eine neue, 350mm lange, flache Bastardfeile auf einer Seite (a) mit Sandstrahl geblasen, während die andere Seite (b) einfach gehauen blieb; ferner kam noch eine gleich groſse, abgenutzte und durch Sandstrahl wieder geschärfte Feile (c) zur Anwendung. Mit diesen Feilen wurden nun 3 gleich groſse Stücke Kanonenmetall von gleicher Beschaffenheit bearbeitet, indem ein geübter Schlosser auf jedem Stück der Reihe nach mit der zugehörigen Feile 50 Stöſse ausführte und damit so lange fortfuhr, bis endlich eine der Feilen unbrauchbar wurde. Dieselbe Arbeit wurde sodann noch auf Guſseisen, Schmiedeisen und Stahl ausgeführt. Bei sämmtlichen Versuchen zeigte sich, daſs die neue ungeblasene Feile zuerst den Dienst versagte. Die Zahl der Stöſse und das Gewicht der abgearbeiteten Späne, sowie daraus das Verhältniſs der Schneidwirkung zeigt folgende Tabelle:


Material
Zahl der
Stöſse
Gewicht der Feilspäne in k Verhältniſs d. Schneidwirk.
a b c a b c
Rothguſs 28000 2,980 1,619 2,390 1,84 1 1,47
Guſseisen 8000 0,544 0,448 0,533 1,21 1 1,19
Schmiedeisen 4500 0,165 0,160 0,156 1,08 1 0,975
Stahl 12000 0,344 0,291 0,306 1,18 1 1,05

Während die gewöhnliche Feile durch den Versuch vollständig abgenutzt war, zeigten sich die mit Sand geblasenen noch gebrauchsfähig, so daſs also die gröſsere Dauerhaftigkeit der letzteren neben ihrer besseren Schneidwirkung hiermit als erwiesen angenommen werden kann.

Zum Schluſs kann noch bemerkt werden, daſs Friedr. Krupp in Essen dieses Verfahren in seine Werkstätten eingeführt hat.

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