Titel: Elektrische Beleuchtung in Textil- und in Papierfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 8 (S. 136–137)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi03_8

Elektrische Beleuchtung in Textil- und in Papierfabriken.

Während das Centralblatt für die Textilindustrie. 1883 S. 193 die Bedeutung und die Vorzüge des elektrischen Lichtes für die verschiedenen Zweige der |137| Textilindustrie erörtert und eine gröſse Anzahl von namhaften Fabriken aufzählt, welche im Jahre 1882 die elektrische Beleuchtung eingeführt haben, wird in der Papierzeitung, 1883 S. 289 die elektrische Beleuchtungsanlage der Papierfabrik von Gebrüder Müller in Mochenwangen (Württemberg) eingehender besprochen. Die Papierfabrikation ist hiernach heutzutage nur bei continuirlichem Betrieb lohnend, daher die Beleuchtungsfrage für sie sehr wichtig. Zur genauen Unterscheidung kleiner Farbenunterschiede wird eine intensive, möglichst farblose Lichtquelle nöthig.

Nach den auf der Münchener Elektricitäts-Ausstellung 1882 gemachten Beobachtungen wurde nach reiflicher Ueberlegung dem Glühlicht der Vorzug vor dem Bogenlicht gegeben. Bogenlicht wird sich nämlich in Papierfabriken, mit alleiniger Ausnahme von hohen Transmissionsräumlichkeiten und etwa geräumigen Holländersälen, nicht zweckmäſsig verwenden lassen, weil man in Papier- und Hadern-Sortirräumen eine starke, in möglichst nächster Umgebung der Arbeitsfläche anzubringende Lichtquelle braucht. Die Beleuchtung der wichtigen Theile der Papiermaschine läſst sich mit den überall an Tragarmen und Ständern anhängbaren Glühlichtern sehr leicht ausführen, während namentlich die mächtigen Schatten des Trockenapparates bei einem bezieh. bei wenigen Bogenlichtern einen sehr empfindlichen Uebelstand bilden würden.

Die Lieferung des Stromerzeugers (der dynamo-elektrischen Maschine) wurde nach ebenfalls in München gemachten Erfahrungen S. Schuckert in Nürnberg übergeben. Die seit kurzer Zeit in Betrieb gekommene, 8e absorbirende Maschine ist auf einem – des Verkehres wegen – manneshohen, auf I-Trägern ruhenden Betonboden montirt; ihre Inductorachse macht, von der Haupttransmission aus über ein Vorgelege getrieben, im normalen Gange bei der den Edison-Glühlampen entsprechenden Klemmenspannung von 110 Volt, 780 Umdrehungen in der Minute. Die etwa 100 Glühlampen von 8 bezieh. 16 Normalkerzenstärken, welche vorläufig ohne Hahnschlüssel angebracht wurden, da eine Viertelsdrehung des Glaskörpers den Contact aufhebt und den Strom unterbricht, können nun – und dies ist ein groſser Vorzug dieser speciell für Glühlicht von Schuckert construirten so genannten „J. L. Maschine“ – bis auf eine sämmtlich auf die eben angedeutete Weise abgedreht werden, ohne daſs für diese letztere eine Gefahr rascherer Zerstörung der Bambuskohlentheilchen im Inneren der luftleeren Glasbirne entstünde und ohne daſs eine ungünstige Rückwirkung auf die Dynamomaschine durch Erhitzung stattfände. Ebenso wenig müssen in diesem Fall durch Anwendung des Stromregulators Widerstände eingeschaltet werden, woraus zur Genüge hervorgehen dürfte, daſs der Betrieb auſserordentlich einfach und beinahe ohne alle Aufsicht vor sich gehen kann.

Um den Treibriemen der Dynamomaschine immer straff gespannt zu erhalten, ist letztere auf einen Schlitten befestigt, welcher durch eine Spindel mit verschiedenem Schraubengang vor- und rückwärts bewegt werden kann.

Obwohl die Drahtleitung, um jedem Stromverluste durch Ableitung vorzubeugen, durchweg gut isolirt ist, würde doch eine Berührung des nackten Drahtes bei der geringen Spannung keinerlei Gefahr für Gesundheit und Leben mit sich führen.

Die Glühlampen leuchten wider Erwarten günstig, trotz Schwankungen von 20 Umdrehungen in der Tourenzahl (180 normal in der Minute) der Haupttransmissionswelle, wie sie eben beim Betrieb von Holzschleifapparaten, Holländern und Rollkalandern, auch bei guten Turbinen, ohne besondere kostspielige Regulirung vorkommen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: