Titel: Elektrische Beleuchtung auf dem Truppenschiff Himalaya bezieh. dem Dampfschiff Tarawera.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 3 (S. 177–178)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi04_3

Elektrische Beleuchtung auf dem Truppenschiff Himalaya bezieh. dem Dampfschiff Tarawera.

Für den Krieg in Egypten hatte man es durch Einrichtung elektrischer Beleuchtung auf dem Truppentransportschiff Orient ermöglicht, auch solche Räume mit Soldaten zu belegen, in denen bei anderer Beleuchtung das Athmen nicht möglich gewesen wäre. Deshalb hat die englische Regierung den Truppendampfer Himalaya mit elektrischer Beleuchtung ausrüsten lassen. Im Oktober 1882 übertrug die Admiralität der Swan Company die Ausführung und im December unternahm das Schiff seine erste Fahrt von Devonport nach Suez. Das Schiff hat nach dem Engineer, 1883 Bd. 55 * S. 112 249 Swan-Glühlampen, 171 mit 20 |178| und 78 mit 10 Kerzen Lichtstärke. Dieselben sind in 7 Stromkreise vertheilt, welche beleuchten: 1) das Oberdeck, 2) das vordere Hauptdeck, 3) das hintere Steuerbord-Hauptdeck, 4) das hintere Stückpforten-Hauptdeck, 5) das vordere Unterdeck, 6) das hintere Unterdeck und 7) den Schiffsmaschinenraum. Die 7 Stromkreise gehen von einem Hauptumschalter mit 7 Schienen zwischen zwei Langschienen aus; kleinere Umschalter in den Stromkreisen gestatten eine Ausschaltung der Lampen, die nicht beständig brennen sollen, und noch kleinere sind in den Kajüten zum Auslöschen einzelner Lampen oder Lampengruppen angebracht und mit Bleiausschaltern versehen, welche schmelzen, wenn etwa der Strom zu stark wird. Die Hauptleiter sind Siemens'sche 19 drähtige Seile (aus Nr. 16 der englischen Drahtlehre) und gut mit Kautschuk und Hanfband isolirt; die Zweigleitungen sind isolirte einzelne Drähte (Nr. 8), von der Silvertown-Company besonders für Verwendung auf Schiffen angefertigt. Hin- und Rückleitung liegen in Holzrinnen; die Rinnen sind 12mm von einander entfernt und es ist besonders dafür gesorgt, daſs Kurzschlieſsungen und Berührungen mit dem Schiffsgeripp mit eintreten können.

Die Ausrüstung ist meist von Faraday Sons geliefert, z. Th. besonders für diesen Zweck construirt. So hängen im Hauptsalon Lampen in plattirten Trägern vor Spiegeln, welche als Verzierung dienen. Ueber den Compaſstischen hängen 3 Doppellampen an plattirten Trägern.

Der elektrische Maschinenraum liegt im Unterdeck und ist ein Theil des Kohlenraumes; er miſst 5m,8 und 3m,2. Die Maschinen sind doppelt. Sie sind Siemens'sche Wechselstrommaschinen mit ausnahmsweise langen Erregern. Erreger und Maschine laufen gleich schnell, mit 640 Umdrehungen in der Minute, wenn die volle Lichtstärke verlangt wird; gewöhnlich reichen 610 Umdrehungen aus. Als Motor dient eine Brotherhood'sche Dreicylindermaschine, welche mit den Stromerzeugern direkt gekuppelt ist; das Ganze liegt mit guſseiserner Grundplatte auf 20cm dicker Teakholzunterlage. Die 20 Kerzen-Lampe fordert 54 Volt elektromotorische Kraft bei 1,24 Ampère Stromstärke und es zeigt sich, daſs 30 bis 40 in den Stromkreis ein- und ausgeschaltet werden können, ohne zu stören.

Die Edison Electric Light Company hat den Dampfer Tarawera der Union Steamship Company of New Zealand mit elektrischer Beleuchtung versehen. Der Stromerzeuger ist nach Engineering, 1882 Bd. 34 * S. 547 eine Edison'sche Dynamomaschine für 150 Lichter, welche nur einige Abänderungen erhalten hat, weil sie langsam laufen soll. Ihr Anker sitzt zugleich mit einem kleinen Schwungrade auf der Welle einer Brotherhood'schen Dreicylindermaschine von 178mm Cylinderdurchmesser, 114mm Hub und 20e; beide Maschinen sind auf derselben Grundplatte. Widerstand des Ankers 0,1 Ohm, jedes der 4 Schenkel der erregenden Elektromagnete 20 Ohm; Umlaufsgeschwindigkeit 475 Umdrehungen in der Minute; elektromotorische Kraft 96 Volt; Stromstärke 120 Ampère; Länge des Ankers 1m,664, Durchmesser 254mm; 150 Lampen zu 16 Kerzen, zu je 125 Ohm Widerstand beim Glühen und 0,8 Ampère Strombedarf. Die Drahtführung ist eine höchst sorgfältige und es ist namentlich sehr gut isolirter Draht (Kautschukhülle und darüber eine wasserdichte Lage von Wachsgarn) verwendet worden. Im Salon sind die Glühlampen gleich im Schirme der gewöhnlichen Oellampen untergebracht, lassen sich aber nach Belieben sofort entfernen.

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