Titel: Heizung und Ventilation von groſsen Bibliotheksräumen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 2 (S. 299–300)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi07_2

Heizung und Ventilation von groſsen Bibliotheksräumen.

Einer Mittheilung der Deutschen Bauzeitung, 1883 * S. 101 über neuere Bibliotheken und deren Einrichtungen entnehmen wir folgende interessante Angaben.

In dem Lesesaale der Bibliothek des British Museum in London, welcher einen kreisförmigen Grundriſs besitzt, sind die Lesetische radial, die Tische mit den Katalogen in der Mitte concentrisch angeordnet. Die Heizung erfolgt durch erwärmte Luft, welche durch Pulsion in Kanälen herbeigeführt wird; letztere sind, entsprechend der Stellung der Tische, radial innerhalb des Fuſsbodens ausgespart. Diese Heizluft vertheilt sich im Räume durch Oeffnungen, welche |300| in den Fuſsgestellen der aus verzinktem Bleche hergestellten Tische bezieh. in der hohlen Zwischenwand der letzteren angebracht und mit feinen Drahtgittern geschlossen sind; in gleicher Weise erfolgt die Luftzuführung durch die in der Mitte geschlitzten Katalogtische. Zwischen den Fuſsgestellen der Tische liegen auſserdem in Polster eingehüllte Heiſswasserröhren, welche dem Lesenden als Fuſsbank dienen. – Diese Anlage soll sich jedoch gar nicht bewährt haben, indem die eingeführte Warmluft zu rasch aufsteigt, die Besucher deshalb durch die niedrige Temperatur am Fuſsboden leiden, während auf die in der oberen Gallerie aufgestellten Bücher die hohe Temperatur an der Decke nicht günstig einwirkt. Weiter entsteht durch die Erwärmung des Schuhwerkes ein unangenehmer Geruch.

Von besserem Erfolge erwies sich die Heizung des Lesesaales der Pariser Nationalbibliothek. Auch hier wird erwärmte Luft eingeführt, jedoch in der oberen Gallerie durch 24 Wandöffnungen; überdies sind unter den Fuſsbrettern verdeckt Warmwasserröhren angebracht. Zur Luftbefeuchtung dienen urnenartige beheizte Verdunstungsbecken, welche in den Bogennischen des Saales aufgestellt sind.

Für den groſsen Lesesaal der neuen Bibliothek in Washington hat man sich für eine Heiz- und Ventilationsanlage entschieden, wie sie in Deutschland bereits mehrfach mit gutem Erfolge ausgeführt wurde, z.B. im Gürzenich in Köln; hier wird nämlich die Warmluft in gröſserer Höhe an den Wänden eingeführt, die verdorbene aber am bezieh. im Fuſsboden abgeführt und dieselbe zur Erwärmung des Fuſsbodens ausgenutzt.

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