Titel: Fortschritte der Telegraphie in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 3 (S. 300–301)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi07_3

Fortschritte der Telegraphie in England.

In einem am 15. Februar in der Institution of Civil Engineers gehaltenen Vortrage über die Fortschritte der Telegraphie hat W. H. Preece nach Engineering, 1883 Bd. 35 S. 218 u.a. folgende Angaben über die englischen Telegraphen gemacht.

Das Post Office hat im Gebrauch 87221 Elemente von Daniell, 56420 von Leclanché, 21846 Doppelchromsäure-Elemente. Magnet-Elektricität wird für einige Apparatformen benutzt und Dynamomaschinen ersetzen gelegentlich Batterien. Die oberirdischen Leitungen liegen auf kreosotirten Holzstangen; eiserne Säulen wurden ausgiebig in den Colonien benutzt. Als Leiter dient fast ausschlieſslich Eisendraht; Kupferdraht nur an rauchigen Orten. Phosphorbronze wird versucht und verspricht Erfolg. Die Güte des Eisendrahtes hat sich sehr verbessert; derselbe leitet jetzt 50 Proc. besser wie vor wenigen Jahren. In den Städten liegt fast allgemein mit Guttapercha isolirter Kupferdraht in Eisenröhren. Im ganzen Königreiche liegen davon 19310km. Die Anwendung von unterirdischen Leitungen auſserhalb der Städte hält Preece für zu kostspielig. Von Unterseekabeln gibt es jetzt im Betriebe 128750km und 600 Millionen Mark sind auf ihre Herstellung verwendet worden. 19 Kabelschiffe sind für Legung, Ueberwachung und Ausbesserung der Kabel im Dienste. Den Atlantischen Ocean kreuzen 9 betriebsfähige Kabel; im verflossenen Jahre legte die Telegraph Construction and Maintenance Company ein Kabel durch den Atlantischen Ocean in bloſs 12 Tagen.

Zeigertelegraphen sind 4398 in Gebrauch, Nadeltelegraphen 3791 beim Post Office, 15702 bei verschiedenen Eisenbahn-Gesellschaften. Morse-Farbschreiber besitzt das Post Office 1330. Das Arbeiten nach dem Gehöre breitet sich in England sehr rasch aus; es gibt bereits 2000 Klopfer, im J. 1869 keinen einzigen; sehr vorzüglich arbeitet es sich mit Bright's Klopfer (vgl. 1883 247 * 121). Hughes-Typendrucker werden in England nur für die Kabel nach dem Festlande von der Submarine Telegraph Company benutzt. Alle langen Kabel werden mit Thomson's „Siphon Recorder“ (vgl. 1877 224 279) betrieben. In England wird auf 319 Linien das Gegensprechen, auf 13 das Doppelgegensprechen angewendet. Auf 71 Linien arbeiten zusammen 224 selbstthätige Geber, welche bequem in der Minute 200 und bei Benutzung des Gegensprechens 400 Wörter absenden, während bei Handarbeit nur 30 bis 40 gegeben werden. Durch Anwendung besonderer rasch arbeitender Uebertrager (High speed Repeaters) wird die Länge der mit selbstthätigen Gebern zu betreibenden Linien fast unbegrenzt.

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Seit Uebernahme der Telegraphen durch den Staat ist die wöchentliche Telegrammzahl von 126000 auf 603000 gestiegen. Die Drahtlänge ist nicht in gleichem Verhältnisse gewachsen, vielmehr das Leistungsvermögen der Apparate durch wichtige Verbesserungen gesteigert worden. Im J. 1873 kamen 147, jetzt 256 Telegramme auf 1 Meile Draht (91 bezieh. 159 auf 1km). Die Preſstelegramme sind von täglich 5000 Wörtern zur Zeit des Betriebes durch die Telegraphengesellschaften auf 340966344 Wörter in dem am 31. März 1882 endenden Betriebsjahre gestiegen.

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