Titel: Ueber magnetische Platinerze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 248/Miszelle 8 (S. 345–346)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj248/mi248mi08_8

Ueber magnetische Platinerze.

Th. Wilm (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 664) hat gefunden, daſs sämmtliche Platinerze aus dem Ural mehr oder weniger magnetisch sind. Er versuchte daher durch Behandlung mit einem Magnete die Platinerze behufs technischer Verarbeitung anzureichern durch Trennung der an Platin armen Körner. Von einem Platinerze, welches 76,07 Proc. Platin enthielt, wurden |346| 55,15 Proc. mit einem schwachen Magnete ausgezogen; diese getrennten Massen enthielten aber 69,23 Proc. Platin, so daſs eine Reinigung mit dem Magnete keinen praktischen Werth hat.

Weitere Versuche ergaben, daſs der Magnet auch kein Hilfsmittel ist für die zufällige oder absichtliche Beimengung von mehr Eisen oder Eisenerz, als durchschnittlich in den uralischen Erzen enthalten ist, da aus einem Erze über die Hälfte mit dem Magnete ausgezogen werden kann und dieser magnetische Theil immer noch als ein durchschnittlich mittelgutes Erz angesehen werden darf. So wünschenswerth eine schnelle und einigermaſsen sichere Schätzungsmethode für den Käufer von Rohplatinerz wäre, besitzen wir bis jetzt dennoch kein Mittel zum Unterscheiden eines guten und schlechten Erzes, es sei denn, daſs man es mit einer schon sehr groben Verfälschung zu thun hat, z.B. mit einem Zusätze von groben Guſseisenfeilspänen oder Stückchen, welche in der That gewissen aus rostartig überzogenen, zackigkörnigen Aggregaten bestehenden Platinerzen sonst sehr guter Qualität oft täuschend ähnlich nachgebildet werden können und wirklich auch im Ural hier und da zugesetzt werden. Aber selbst bei solchen Erzproben kann der Magnet kein Mittel zur zweifellosen Beantwortung der Frage über eine absichtliche Verfälschung abgeben.

Nach Wilm übergieſst man in solchen Fällen das Platinerz mit reiner Salzsäure; jedes Platinerz, auch das beste, färbt die Säure schon in der Kälte sehr bald deutlich gelb von Eisenchlorid; erwärmt man mäſsig, so darf sich beim unverfälschten Platinsande keine Spar von Gasentwickelung zeigen, wogegen sich bei dem mit Guſseisenstückchen gemengten Erze alsbald ein lebhaftes Perlen und nach und nach eine regelrechte Wasserstoffgas-Entwickelung einstellt und ein fortwährendes Auf- und Absteigen der von den gröſseren Gasblasen aufwärts gezogenen leichteren Theilchen zu beobachten ist.

Wie auſserordentlich schwankend die Zusammensetzung von im Handel vorkommenden uralischen Platinerzen ist, ergibt sich daraus, daſs eine Probe von sehr schönem, hellem, gut gewaschenem Platinerze, welches völlig unmagnetisch war, sich als ein fast reines Osmiumiridium erwies, da es nur 2 Proc. Platin enthielt.

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