Titel: Ueber Neuerungen in der Gieſserei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250 (S. 149–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/ar250057

Ueber Neuerungen in der Gieſserei.

Patentklasse 31. Mit Abbildungen auf Tafel 2, 9 und 12.

(Fortsetzung des Berichtes S. 103 d. Bd.)

Das deutsche Patent * Nr. 22776 vom 21. November 1882 von E. Is. Levasseur in Paris bezieht sich auf gegossene Rohre, wie sie besonders in gezogenem Zustande bei der Herstellung von Bijouteriewaaren verwendet werden. Der zu diesem Zwecke von Levasseur angegebene |150| Apparat gestattet es, innerhalb gewisser Grenzen Rohre von ganz bestimmten Abmessungen und in beliebiger Länge zu gieſsen.

Zwischen den Wangen D (Fig. 1 bis 3 Taf. 12) des Gestelles A kann die aus zwei Hälften B bestehende Gieſsform hin- und zurückgleiten. Die beiden Formtheile B sind durch die Schrauben C mit Flügelmuttern fest mit einander verbunden und jede dieser Hälften ist mit einer dem Rohrdurchmesser entsprechenden Aushöhlung a von halbkreisförmigem Querschnitte versehen. Der Einguſs erfolgt durch einen Schlitz c zwischen beiden Hälften B, welcher sich über die ganze Länge der Form ausdehnt. Letztere ist auf der unteren Seite mit einer Verzahnung E versehen, in welche das auf der Welle I sitzende Triebrad J eingreift.

Der Kern wird durch eine runde Metallstange F gebildet, welche genau denselben Durchmesser wie die lichte Weite des zu gieſsenden Rohres hat und an einem Ende b in der Form festgehalten, am anderen Ende. dagegen von einem Rohre H geführt wird. Dieses Rohr H ist in einem Stuhle G des Gestelles befestigt und hat genau denselben äuſseren Durchmesser wie die Aushöhlung der Form bezieh. wie das zu gieſsende Rohr. Das Rohr H schlieſst mit seinem in die Form hineinragenden Ende dieselbe auf der linken Seite nach auſsen ab. Auf dem Gestelle A sitzen zwei Ständer L, zwischen welchen der Schmelztiegel M mit dem flüssigen Metalle auf Zapfen drehbar eingehängt wird. Durch die Schnur N, deren freies Ende sich auf die Welle I aufwickelt, wird die Drehung und der Ausguſs des Tiegels abhängig von der Drehung der Welle oder der fortschreitenden Bewegung der Form B gemacht.

Beim Beginne des Gusses befindet sich die Form in der äuſsersten Stellung links in Berührung mit dem Stuhle G. Setzt man die Maschine durch Einrücken des Riemens auf die Riemenscheibe K in Gang, so fängt die Form an, mittels des Triebes J und der Zahnstange E sich nach rechts zu bewegen; der mit flüssigem Metalle gefüllte Tiegel M senkt sich allmählich in Folge der Aufwickelung der Schnur N auf der Welle I und gieſst seinen Inhalt durch den Spalt c in die Form, den leeren Raum von dem Lager b des Kernes an bis zum Ende des Rohres H rings um den Kern ausfüllend.

Ist der Guſs vollendet, so bewegt man die Form so weit nach rechts, bis das Rohr H nicht mehr in dieselbe hineinragt, hebt alsdann die Form von den Wangen D ab und schraubt die Muttern C los. Man kann nun die Formhälften B von einander und das gegossene Rohr mit dem darin steckenden Kern F herausnehmen.

Auf diese Art lassen sich Guſsröhren von Gold, Silber, Kupfer, Zink, Bronze u. dgl. herstellen.

Um den Kern aus dem Guſsrohre herauszuziehen, wird das Rohr zwischen zwei Backen zusammengepreſst und dann durch Hin- und Herbewegung einer der Backen parallel seiner Achse auf dem anderen Backen hin- und hergerollt. Dabei löst sich das Rohr von dem Kerne |151| ab und kann leicht von letzterem entfernt werden. Auch hierfür hat Levasseur einen Apparat angegeben, welcher jedoch weiter keine besonderen Eigenthümlichkeiten aufweist.

Wie für Guſsröhren so hat sich Levasseur auch ein Verfahren zur Herstellung von Draht durch Gieſsen patentiren lassen (* D. R. P. Nr. 21260 vom 23. Juli 1882). Der betreffende Apparat, welcher in Fig. 5 und 6 Taf. 12 veranschaulicht ist, besteht aus der auf der stehenden Welle A festsitzenden Scheibe C, welche an ihrem Rande den Kühlwasserkanal D und über diesem die eigentliche, mit einer Guſsrinne F versehene Guſsform E trägt. Die Welle A dreht sich mit der Scheibe C in dem Gestelle R mittels der Kegelräder K und der Riemenscheibe M. Das Kühlwasser flieſst durch das Rohr d zuerst zur Lagerpfanne B, dann durch die mit Längsbohrungen versehene Welle A nach oben, weiter durch das Rohr d1 nach dem unterhalb der Guſsform E liegenden Kanäle D und von dort durch ein zweites Rohr e und ein die Welle A concentrisch umgebendes Rohr wieder zurück. Nahe am Rande der Scheibe C ist am Gestelle die Gieſskelle G angebracht- dieselbe wird vom Ringe T getragen und läſst sich mit diesem um die Achse t drehen. Von dem Ringe T geht die Stange H in die Höhe, um mittels der am oberen Ende befestigten Schnur N und der auf der Welle A aufgeschobenen Schraube I bei Drehung des Apparates ein gleichmäſsiges Kippen der Gieſskelle und dadurch ein gleichmäſsiges Ausgieſsen des Metalles zu erreichen.

Der Draht wird nun in folgender Weise gegossen: Nachdem die Gieſskelle G mit flüssigem Metalle gefüllt ist, wird die Welle A in Drehung versetzt. Der Rand E der Scheibe C bewegt sich dabei an der sich langsam neigenden Kelle G vorbei, so daſs deren Inhalt nach und nach in die Rinne F ausgegossen wird. Das Metall erstarrt durch den unter der Guſsrinne liegenden Kühlkanal sehr schnell und wird, an dem Punkte o angelangt, durch ein Messer aus der Rinne gehoben und aufgewickelt. Der auf diese Weise hergestellte Draht soll nur zweimal durch das Zieheisen gezogen werden, um das richtige Kaliber zu erhalten.

Bisher wurden die Formen zum Gieſsen von Britanniametall vielfach in dem geschmolzenen Bade des letzteren vorgewärmt, was, abgesehen von anderen Nachtheilen, unter Umständen eine starke Oxydation des Bades verursachte. Man muſste z.B. das Bad der Gröſse der Formen entsprechend herstellen, ohne daſs dies die zur Verwendung kommende Menge des Metalles bedingte; nach der Vorwärmung muſsten die Formen geputzt werden, um die anhaftenden Metalltheile zu entfernen. Joh. Wilh. Dunker in Werdohl, Westfalen (* D. R. P. Nr. 22002 vom 5. August 1882) ordnet deshalb in seinem Herde mit Unterfeuerung 2 Kessel an. In dem ersten gröſseren werden die Formen in geschmolzenem Bleie vorgewärmt, in dem zweiten kleinen Kessel dagegen wird das Britanniametall geschmolzen.

Wie es früher schon beim Bessemern von Tholander in Forsbacka |152| vorgeschlagen worden ist (vgl. 1882 243 * 404), entgast R. Aitken in Westminster, England (* D. R. P. Nr. 22170 vom 12. Oktober 1882) geschmolzene Metalle, Glas, Schlacken u.s.w. durch ein theilweises Vacuum. Der dazu nöthige Apparat (Fig. 4 Taf. 12) besteht aus einem Sammelgefäſse c und dem Entluftungsbehälter a; beide stehen durch eine Oeffnung e, welche durch einen Ventilpfropfen e1 verschlossen werden kann, mit einander in Verbindung. Unter e ist noch ein Zertheiler f angeordnet, welcher das zu entgasende flüssige Metall möglichst zertheilt und dadurch die Entgasung erleichtert, d bedeutet das Luftabsaugerohr und g einen Pfropfen, welcher unter Umständen auch fortgelassen werden kann. Herrscht in a eine theilweise Luftleere, so läſst man den Inhalt von c durch e nach a flieſsen. Dabei findet die Entgasung statt und werden die frei werdenden Gase durch die fortwährend weiter arbeitende Luftpumpe abgesaugt. Hat sich das Metall im Behälter a bis zu einer gewissen, seinem specifischen Gewichte entsprechenden Höhe angesammelt, so gewinnt die auf den Pfropfen g lastende Metallsäule das Uebergewicht über den Ueberdruck der äuſseren Luft und der Pfropfen g wird herausgedrückt. Es flieſst dann so viel Metall aus a, als dem Luftdrucke und dem specifischen Gewichte des Metalles entspricht. Dabei kann aus dem Gefäſse c noch fortwährend unentgastes Metall nachflieſsen.

Man kann den Apparat auch so einrichten, daſs das Vacuum das flüssige Metall in den Behälter a saugt; es fällt dann der Behälter c mit dem Ventile weg.

Um eine innige Mischung geschmolzener Metalle zu erzielen, rührt W. G. Otto in Darmstadt (D. R. P. Nr. 23040 vom 11. Januar 1883) das Metallbad mit einem Rührer um, an welchem unten ein Stück Kalkstein oder ein anderes in der Hitze Kohlensäure entwickelndes Mineral befestigt ist. Es läſst sich denken, daſs durch dieses Verfahren eine innige Mischung der Metalle erzielt wird, daſs aber auch dichte Metallgüsse die Folge sein werden, ist zweifelhaft. Ob sich auf der Oberfläche des so behandelten Metalles eine Schicht von Kohlensäuregas bildet, welches das Metall vor der Berührung mit dem Sauerstoffe der Luft schützt, ist wohl sehr fraglich.

St.

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