Titel: Kankelwitz's Kraftkuppelung und Regulirvorrichtungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250 (S. 191–194)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/ar250072

Vorrichtungen zum Uebertragen der Bewegung und zum Reguliren der übertragenen Kraft und Geschwindigkeit.

Mit Abbildungen auf Tafel 14.

Die von W. Kankelwitz in- Stuttgart (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 21647 vom 30. April 1882) angegebenen Transmissionselemente können kurz bezeichnet werden als Kraftmaschinen-Kuppelungen, Vorrichtungen zum Uebertragen eines bestimmten (constanten oder veränderlichen) Kraftmomentes bezieh. einer bestimmten (gleichförmigen oder sonst gesetzmäſsigen) Bewegung.

Was die Kraftmaschinen-Kuppelung anlangt, so ist dieselbe dort am Platze, wo es sich darum handelt, von verschiedenen Kraftquellen (z.B. |192| einer Dampfmaschine und einem Wasserrade) Betriebskraft auf ein und dieselbe Welle zu übertragen. In diesem Falle ordnet man zweckmäſsig die Verbindung der Motoren mit der Welle so an, daſs, wenn einer derselben still steht oder langsamer zu laufen beginnt, sein Uebertragungsmechanismus sich selbstthätig von der Welle loslöst. Als bequemes Mittel zu diesem Zwecke kann die in Fig. 4 bis 6 Taf. 14 dargestellte Kuppelung dienen und dieselbe ist bei Riemen-, Zahnrad- oder Kurbelbetrieb anwendbar; die Abbildung zeigt die Kuppelung in Verbindung mit einer Riemenscheibe. Auf der zu betreibenden Welle ist ein Sperrrad festgekeilt, in welches die mit der vom Motor angetriebenen Riemenscheibe, Kurbel o. dgl. umlaufende Sperrklinke a eingreift. Diese Sperrklinke wirkt hebelartig und ist mittels der Zugstange b mit der Riemenscheibe verbunden. Die Sperrklinke a muſs sich nun, sobald die treibende Riemenscheibe hinter der getriebenen Welle zurückbleibt, selbstthätig auslösen und zwar derart, daſs die Klinke mit den Zähnen des Sperrrades gar nicht mehr in Berührung kommt, da im anderen Falle ein lärmender Gang und rasche Abnutzung der Klinke und der Zähne unvermeidlich wäre. Zu diesem Ende sind in der das Sperrrad seitlich umfassenden gabelförmigen Verlängerung f der Klinke a Gleitstücke c angebracht, welche mit einiger Reibung in Ringnuthen des Sperrrades schleifen. Eilt daher das Sperrrad gegen die Riemenscheibe vor, d.h. bleibt letztere gegen die zu treibende Welle zurück, so verschieben sich diese Gleitstücke nach oben, so daſs die Sperrklinke ausgerückt wird. Umgekehrt bleiben, wenn die Riemenscheibe vorläuft, die Gleitstücke zurück und ziehen die Klinke in die Zähne des Sperrrades hinein, wie Fig. 4 zeigt. Die sonst noch in der Figur ersichtlichen Theile, wie das Stück d, die gabelförmige Verlängerung g desselben mit den Gleitbacken e unterstützen durch die Reibung der letzteren die Wirkung der Kuppelung und dienen gleichzeitig als Gewichtsausgleichung.

Selbstverständlich kann diese Anordnung auch benutzt werden, wenn in umgekehrter Richtung Bewegung von der Welle auf die Riemenscheibe zu übertragen ist.

Den Haupttheil der beiden anderen Mechanismen bildet eine Reibungskuppelung nach Art der Weston'schen Lamellenkuppelungen. Auf eine Welle mit festen Keilen sind Scheiben aufgeschoben, zwischen welchen Ringe liegen, die in einer concentrisch zur Welle drehbaren Büchse verschiebbar, aber nicht drehbar gelagert sind. Werden nun diese Scheiben und Ringe achsial zusammengepreſst, so ist die Büchse mit der Welle durch ein mehr oder minder groſses Reibungsmoment (proportional dem Drucke und der Anzahl der Ringe bezieh. Scheiben) gekuppelt. Ist die Pressung unveränderlich, so wird auch das von der Welle auf die Büchse oder umgekehrt übertragene Moment constant sein, im anderen Falle nach demselben Gesetze zu- oder abnehmen, nach welchem die Pressung vergröſsert oder verkleinert wird.

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Als Beispiel einer solchen Uebertragung eines bestimmten und zwar constanten Momentes möge der Betrieb der Preſskästen einer Holzschleifmaschine (vgl. Fig. 7 bis 9 Taf. 14) dienen. Auf der von der Maschine betriebenen Welle h ist die mit dem Kettenrade t verbundene Büchse s drehbar, welche eine Lamellenkuppelung, wie oben beschrieben, enthält. In Fig. 9 sind i die auf die Achse h aufgeschobenen Scheiben, k die Ringe, welche von im Inneren der Büchse s angebrachten Rippen mitgenommen werden. Einerseits legen sich diese Ringe und Scheiben gegen einen Anlauf m der Achse h, andererseits gegen den mit der Büchse s verbundenen Ring l. Das an dem Winkelhebel f hängende Gewicht q drückt die Büchse s nach rechts, so daſs der Ring l die Scheiben i und k der Kuppelung zusammenpreſst und ein bestimmtes gleichbleibendes Drehungsmoment von der Welle h auf die Büchse s und das Kettenrad t übertragen wird. Eine über letzteres geschlungene Kette (vgl. Fig. 7 und 8) zieht alsdann mit gleichbleibender Spannung die mittels Zahnstangengetriebe auf die Deckel der Preſskästen einwirkenden Kettenrädern an, so daſs das in den Kästen befindliche Holz stets mit gleichem Drucke auf den rotirenden Stein gepreſst wird.

Soll die Uebertragung einer bestimmten Bewegung erzielt werden, z.B. in der Weise, daſs sich die Drehungsgeschwindigkeit einer Welle (oder eines Rades u. dgl.) genau nach der einer anderen richtet, so ist dies durch Zuhilfenahme eines Differentialgetriebes zu erzielen. Eine solche Anordnung läſst Fig. 10 Taf. 14 erkennen. Von der Welle a aus soll das Rad b eine Bewegung erhalten, welche mit jener der Welle w übereinstimmt. Das Rad b darf daher nicht auf der Welle a festgekeilt sein; es ist vielmehr mit dem Gehäuse s einer Kuppelung der oben beschriebenen Einrichtung verschraubt. Ein an dem dreiarmigen Hebel o wirkendes Gewicht q sucht die Kuppelung stets geschlossen zu erhalten. Gegen den nach unten gerichteten Arm dieses Hebels o legt sich nun aber ein Bundring der regulirenden Welle w; letztere ist mit einem solchen Gewinde c versehen, daſs dasselbe sich aus seiner Mutter nach rechts herausschrauben würde, wenn diese sich nicht im gleichen Sinne mit der Welle w drehte. Diese Mutter befindet sich aber in der Nabe des Zahnrades v, welches durch die gezahnte Flansche u der Büchse s Drehung erhält. Würde also die Büchse s schneller laufen, als es der durch die Zahnräder v und u im constanten Verhältniſs abgeänderten Winkelgeschwindigkeit von w entspricht, so würde das Gewinde c der Welle w in das Muttergewinde der Nabe von v hineingezogen; der erwähnte Bundring r der Welle w müſste das Gewicht q anheben; dadurch wäre aber die Reibungskuppelung zwischen der Welle a und dem Rade b gelöst und letzteres würde wieder zurück bleiben. Hat also a eine entsprechend groſse Geschwindigkeit, so wird die Winkelgeschwindigkeit der Büchse s und des mit ihr verbundenen Zahnrades b o. dgl. ausschlieſslich von der Bewegung der Welle w abhängen und werden in jedem |194| Augenblicke die Geschwindigkeiten von s und w in dem Verhältnisse der Zähnezahlen von v und u stehen, z ist ein Zählwerk, bestehend in einem Differentialgetriebe von bekannter Anordnung.

Eine ähnliche Anordnung, welche auſserdem gestattet, das Verhältniſs der Geschwindigkeiten zwischen der getriebenen und der regulirenden Welle während des Ganges beliebig abzuändern, ist in Fig. 11 Taf. 14 dargestellt. Hier ist a die treibende Welle, welche natürlich auch bei dieser Anordnung mit einer gröſseren Geschwindigkeit laufen muſs, als die getriebene Welle b je annehmen kann- zwischen a und b ist wieder eine Lamellenkuppelung s eingeschaltet. Als regulirende Welle ist hier eine kleine Riemenscheibe w gedacht, welche mit der in ihrer Nabe befindlichen Mutter auf ein entsprechendes Gewinde der Spindel v aufgeschraubt ist. Bei ihrer Drehung schraubt sich nun w von v herunter und ertheilt dabei mittels des Hebels o der Welle b eine Achsialverschiebung, in Folge deren die Kuppelung s geschlossen wird und b Drehung erhält. Durch die Winkelräder m und die Reibungsscheiben u und v1 wird diese Drehung dann der Spindel v mitgetheilt, welche im gleichen Sinne wie die regulirende Riemenscheibe w umläuft und daher diese wieder zurückzieht, bis die Welle b eine der Umlaufzahl von w entsprechende Geschwindigkeit angenommen hat. Ist der Beharrungszustand erreicht, so wird die Kuppelung s in jedem Augenblicke so weit gleiten, daſs die Geschwindigkeit der Welle b in dem durch die Uebersetzung zwischen u und v1 bestimmten und durch Verschieben des letzteren Rades auch veränderlichen Verhältnisse zu der Geschwindigkeit der regulirenden Welle w steht.

In der betreffenden Patentschrift sind noch einige derartige Constructionen erwähnt, sowie verschiedene Beispiele der Anwendung einer solchen Lamellenkuppelung als Ausrückvorrichtung, z.B. bei Mühlspindeln. Hier bietet dieselbe Vortheile durch die Möglichkeit, die zum Schlüsse erforderliche Pressung durch entsprechende Vermehrung der Lamellen herabzuziehen, und daher den specifischen Druck zwischen den reibenden Flächen und damit auch die Abnutzung beliebig klein zu machen. Auch schützt die alle reibenden Flächen umgebende Büchse s gegen das Eindringen von Staub und ermöglicht eine leichte dauernde Schmierung.

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