Titel: Engler und Strippelmann, über den Bentheimer Asphalt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250 (S. 216–227)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/ar250089

Der Bentheimer Asphalt unter Hinweisung auf analoge Vorkommen in Italien in geologisch-bergmännischer und chemisch-technischer Beziehung.

1) Geologisch-bergmännische Untersuchungsergebnisse über den Bentheimer Asphalt; von Bergingenieur L. Strippelmann in Görlitz.

Zwischen dem nördlichen Rande des rheinisch-westfälischen Schiefergebirges und dem Teutoburger Walde bildet das Becken von Münster einen abgeschlossenen Bezirk der Kreideformation. Vom Nordwestrande desselben bei Bentheim bis Borken und Duisburg und auch noch bei Losser in den Niederlanden treten aus dem Diluvium die tiefsten Kreideschichten in einzelnen Partien hervor. Ueberlagert sind dieselben, soweit das Becken gegen West zwischen Borken und Duisburg geöffnet ist, von oligocänen Schichten, deren Ausdehnung auch über der Kreide von Aachen nachweisbar ist. Durch den Hils und Gault, welche im Teutoburger Walde eine namhafte Entwickelung erreichen, während der Turon einen breiten Saum um das Becken bildet und bei Fehlen der Schreibkreide das Innere des Beckens mit mächtigen Schichten des Senon erfüllt ist, wird eine sehr vollständige Reihenfolge von Schichten der Kreideformation durch dasselbe nachgewiesen. Am Südrande des Beckens wird die Carbonformation von Duisburg bis gegen Stadtbergen flach von der nur wenig entwickelten unteren Abtheilung des Cenoman – sich auf eine Erz führende Grünsandlage, die Turtia, beschränkend – überlagert. Die gegen Osten in dichten. Kalkstein übergehenden Turonmergel (Pläner) enthalten ein als Baustein verwendetes Grünsandlager, charakterisirt durch die aus demselben hervortretenden Salzquellen.

Während im südlichen Theile des Teutoburger Waldes der Hils, Gault und Turon die steil aufgerichteten Schichten des Jura und Trias flach überlagern, sind in dem westlichen Abschnitte dieses Höhenzuges diese drei Abtheilungen zum Theile auch steil aufgerichtet, zum Theile den unterliegenden Schichten gemäſs überkippt und sprechen dafür, daſs nicht viel vor dem Ende der Kreideperiode die Hebungen und Aufrichtungen der Schichten ihr Ende erreicht haben. Mergel, Kalksteine, Sandsteine und kieselige Gesteine kennzeichnen die Senonschichten in diesem Becken und nehmen von Cappenberg bis Coesfeld und Borken fast überall die oberste Stelle ein.

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen zur geologischen Charakteristik des Kreidebeckens, welchem die speciell hier in Frage kommende Bentheimer Umgebung, anlehnend an die Untersuchungen v. Decken's, angehört, treten wir nun in das Becken ein, welches begrenzt wird gegen Osten durch die von Schüttorf nach Nordhorn von Südosten gegen Nordwesten |217| ihren Lauf vollziehende Vechte, gegen Norden durch den Isterberger Höhenzug in der Bauernschaft Quendorf, gegen Westen durch das Königreich der Niederlande (speciell die Bauernschaften Waldseite, Westenberg und Gildehaus), gegen Süden endlich durch den Regierungsbezirk Münster (speciell die Gildehauser Venne und die Bauernschaften Sieringshock und Suddendorf). An die westlichen Ausläufer des Teutoburger Waldes sich anlehnend und diesen zuzählend erheben sich, rings von Flachland umgeben, drei charakteristische, generell von Osten nach Westen verlaufende, der senonen Kreide zuzählende Sandsteinrücken, von denen der nördlichste, Isterberg, die kürzeste Längserstreckung nachweist, gegen Westen in der Syen-Venne, gegen Osten im Flachlande verschwindet, während der Bentheimer Hügelzug sich von Schüttorf bis zur Grenze der Niederlande (Bauernschaft Westenberg) verfolgen läſst und den Mittelzug bildet und die dritte, am wenigsten entwickelte, am südlichsten gelegene, mehr nur als eine Terrainfalte sich darstellende Erhebung in der Bauernschaft Sieringshock hervortritt, gegen Osten im Flachlande der Bauernschaft Suddendorf, gegen Westen in den Bauernschaften Agterberg-Gildehaus verflacht.

Diese drei in annäherndem Parallelismus stehende Terrainfalten, mit der Längsrichtung von Ost nach West, gegen Norden jenseits Isterberg in das Flachland, gegen Süden jenseits Sieringshock in das Münsterland mit südlichem Einfallen verlaufend, bilden durch den Isterberger und Bentheimer Faltenrücken einerseits und andererseits durch den Bentheimer und Sieringshocker Faltenrücken begrenzt, zwei lang gezogene Mulden. Sowohl der Isterberger, als auch der Bentheimer und Sieringshocker Faltenrücken sind auf ihrer Sattelhöhe durch röthlich weiſse, gelbe, graue, oft ganz weiſse, fein- und grobkörnigere, ein vorzügliches Baumaterial (Bentheimer, Gildehauser u.a.) liefernde Sandsteine gekennzeichnet, welche, insbesondere bei Bentheim steil aufgerichtet, ein südliches Einfallen von 60 bis 65° nachweisen, hier eine die normale Lagerung durchgreifend störende Hauptaufbruchslinie darstellen.

Während die südliche Muldenlinie durch graue, blaue, oft schwarz gefärbte Thon- und Mergelschichten, welche sich den südlich einfallenden Bentheimer Sandsteinen anschmiegen und in gröſserer Tiefe, wie durch Bohrungen bis zu 178m nachgewiesen, einen sandsteinartigen Charakter annehmen, ist die nördliche Mulde zwischen Quendorf, Isterberg und dem nördlichen Rande des Bentheimer Rückens durch dünn schieferige, grünlich schwarze bituminöse Schiefer, bis zu Tage ausgehend, gekennzeichnet, welche sich einerseits an den Sandstein des Isterbergs, andererseits an den Bentheimer Rücken anlehnen, ohne bis dahin Nachweis über deren Mächtigkeit und die unter gelagerten Schichten erlangt zu haben. Dieselben sind durch das Vorhandensein reicher Schwefelquellen, denen auch das Bad Bentheim seine Begründung verdankt, ausgezeichnet, während derartige Erscheinungen der südlichen Mulde fremd sind.

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Das Vorhandensein der in dem vorliegenden Becken nachgewiesenen Asphaltgänge greift derart in beide Gebiete über, daſs eine Zusammenfassung derselben geboten erscheint.

Bereits im J. 1772 gaben innerhalb des Münster'schen Kreidebeckens die Asphaltvorkommen am Schöppinger Berge der Münster'schen Hofkammer zu bergmännischen Untersuchungen Veranlassung. Ebenso wie im Kreise Coesfeld bei Darfeld, Buldern und Hangenau findet sich bei Appelhülsen im Kreise Münster (hier im sogen. „Pechgrabe“) in dem Senon angehörigen mergeligen Gesteinen Asphalt von sehr reiner Beschaffenheit, in bis 1m mächtigen Gangtrümmern nach verschiedenen Richtungen durchsetzend, nur oberflächlich untersucht. Bei Darfeld wurden im J. 1839 bereits groſse Massen reinen Asphaltes gewonnen und umfassendere Versuchsarbeiten, jedoch nur in geringen Tiefen, betrieben. Augenscheinlich in ursächlichem Zusammenhange mit diesen Asphaltvorkommen scheinen nun diejenigen bei Bentheim zu stehen. Dieselben besitzen hier den Charakter von bestimmt ausgeprägten Gangspalten, ausgefüllt mit Asphalt. Derselbe bildet eine feste, spröde, durchaus porenfreie, amorphe Masse von tiefschwarzer Farbe und glänzendem, muschligem Bruche, erst bei groſser Hitze erweichend und sich dadurch wesentlich von den eigentlichen Asphalten, welche schon bei gelinder Wärme zähe werden, unterscheidend. Bei weiterem Erhitzen bläht sich nach Grotowsky's Untersuchungen das Mineral auf und stöſst dabei Dämpfe aus, welche mit heller, wenig ruſsender Flamme brennen. Beim Erhitzen im Destillationsapparate gehen Spuren Wasser und flüchtiges Oel über; später tritt Zerstörung der nichtflüchtigen Bestandtheile ein, unter Bildung von Wasser, Ammoniak und Paraffin haltigen Brandölen, und in der Retorte bleibt Koke zurück. Durch den kaum nennenswerthen Wassergehalt unterscheidet sich der Bentheimer Asphalt vortheilhaft von den Asphalten von Bastennes, Pont du Chateau, Pont Navey und den Abruzzen, welche bis 20 Proc. Wasser enthalten.

Daſs nicht durch Volumenveränderung in Folge von Abkühlung, Austrocknung oder chemischer Umwandlung diese Bentheimer Gangspalten entstanden sind, bei deren Bildung vielmehr ein ungleicher Druck in Folge Bewegung der Erdrinde, gleichviel ob durch Erdbeben, Hebungen und Senkungen des Erdbodens und Zusammenfaltung geschichteter Gesteine in Wirkung trat, erscheint auf Grund eingehender Untersuchungen auſser Zweifel gestellt, ebenso auch daſs derartige Einwirkungen aber in der Umgebung von Bentheim stattgefunden, daſs abnorme Kraftäuſserungen das dortige Sandsteinmassiv gehoben und die steile, nach Süden weisende Schichtenstellung veranlaſst haben, hiermit im Zusammenhange aber die Bildung der auf 900m und mehr Länge streichend verschürften und nachgewiesenen, steil einfallenden, mit Asphalt erfüllten Gangspalten, deutlichen Sahlbändern und Rutschflächen des Nebengesteines stattgefunden hat.

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Während Volumenveränderungen in sich geschlossener kleinerer Gebirgsglieder gewöhnlich eine groſse Anzahl nach den verschiedensten Richtungen verlaufende Spalten zu erzeugen pflegen, dann auch sich auf diese einzelnen Gebirgsglieder beschränken, haben wir es hier einerseits mit Gangspalten zu thun, welche auf die Bezeichnung Verwerfungsspalten berechtigten Anspruch machen und zweifellos viele Gebirgsglieder durchsetzen, in bedeutende Tiefen hinabreichen, andererseits aber auch in dem diese Gangspalten begrenzenden Nebengesteine mit einer gröſseren Anzahl von kleinen, mit Asphalt erfüllten, nach verschiedenen Richtungen verlaufenden, das Gestein durchschwärmenden, gleichfalls in die Teufe niedersetzenden Spalten überall in bestimmter Form anzeigen, daſs die Ausfüllung auch dieser kleinen Spalten mit ursprünglich tropfbar flüssigem Kohlenwasserstoffe (Bitumen) nach deren Bildung oder gleichzeitig hiermit stattfand und hier sich dessen Oxydationsprozeſs vollzog.

Die vorliegenden Gänge stehen des Weiteren nun aber vermittelnd zwischen einfachen und zusammengesetzten Gängen, d.h. es begrenzen einerseits bestimmt erkennbare lettige Sahlbänder Gangmasse und Nebengestein; dagegen bildet andererseits sowohl unverändertes Nebengestein, als auch solches durch chemische und mechanische Umwandlung hervorgegangenes Gestein an den Punkten, wo der Asphalt die Gangspalte nicht vollständig ausfüllt, das Ganggestein. Die Ausfüllung dieser Gangspalten mit Asphalt anlangend, so ergeben die bis dahin über Tage 450 bis 900m lang verschürften h. 11,48 (Gang I und II), 0,14 (Gang III), 0,02 (Gang IV), 0,52 (Gang V) streichenden Gänge fast vollständig übereinstimmende Charaktere.

Während der Asphalt bei Entblöſsung der Gangspalten metertief unter Tage in mehreren sich nach oben ausspitzenden Adern streifenartig das Ganggestein, zumeist aus Zerreibungsproducten des Nebengesteines bestehend, erfüllt, findet in Teufen von 3 bis 5m bereits eine Vereinigung dieser 5 bis 20mm mächtigen Asphaltstreifen zu einer compacten Asphaltmasse und eine Mächtigkeitserweiterung des Asphaltes bis 300mm (Gang II) und 800 bis 1000mm (Gang I), regelmäſsig in die Teufe niedersetzend, statt. Die Gangspalten stehen zumeist vollständig lothrecht (90°) und nur bei Gang I ist ein mäſsiges Einfallen von 80 bis 85° festgestellt. Hierauf sich stützend, wurde mit einer in 35m östlichem Abstande vom Ausgehenden dieses Ganges angesetzten Bohrung in 126m Teufe der Asphalt wieder erbohrt und in demselben bis 178m Teufe vertieft, am Bohrlochstoſse anstehend das Bohrloch bei dieser Tiefe wegen starken, aus dem oberen unverrohrten Horizonte herrührenden Nachfalles eingestellt.1) Ob dieser bei 126m Teufe erbohrte Asphalt |220| identisch mit Gang I ist oder einer hier bereits stattgefundenen Massenanhäufung oder anderen über Tage noch nicht verschürften Gangspalten angehört, muſs vorläufig unentschieden bleiben. Für die Thatsache, daſs bis zu einer Teufe von 178m erwiesenermaſsen der Asphalt in gröſserer Mächtigkeit nieder- und hierüber hinaus fortsetzt, ist diese offen bleibende Frage von untergeordneter Wichtigkeit. Dagegen liefert diese Thatsache einen gewichtigen Hinweis auf die Entstehung dieses Asphaltvorkommens und gestattet Schlüsse, welche für die Bildung des Petroleums im Allgemeinen nicht ohne Interesse sind.

Wir treten um so mehr in eine nähere Beleuchtung dieser Verhältnisse ein, als es hierdurch allein möglich wird, für die richtige Beurtheilung der Bentheimer Asphaltvorkommen eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen und deren geologisch-bergmännische Wichtigkeit zu begründen, gleichzeitig aber, weil wir in der Lage sind, zur näheren Bestätigung unserer diesbezüglichen Anschauungen einige Beobachtungen über Petroleum- und Asphaltvorkommen zur Seite zu stellen, deren Studium uns in Begleitung des Prof. Anton Stoppani in Florenz durch eine geologischbergmännische Untersuchung der Bitumenvorkommen Italiens, speciell der Terra di Lavoro, im J. 1879 möglich wurde.

In der vorausgeschickten Charakteristik der Bentheimer Gangspalten wurde hervorgehoben, daſs deutliche Sahlbänder und Rutschflächen des Nebengesteines dieselben kennzeichnen, der Asphalt aber die Gangmasse nach dem Ausgehenden in streifenartig angeordneten Adern veredelt, nach der Teufe zu und bereits schon 4 bis 5m unter Tage eine Vereinigung dieser Adern zu einer compacten, die ganze Gangmächtigkeit (300 bis 1000mm und darüber) erfüllenden Asphaltmasse stattgefunden hat, daſs das Nebengestein sich von den Bitumen führenden Gangspalten bestimmt abscheide und an keiner der bis dahin erschlossenen Berührungsflächen auch nur entfernt darauf hinweise, daſs ein Ausscheidungsprozeſs aus dem Nebengesteine sich vollzogen habe, gleichzeitig aber auch die Auskeilung des Asphaltes am Tage und dessen Zertrümmerung greifbaren Nachweis dafür liefere, daſs eine Infiltration der Gangspalten von oben positiv als ausgeschlossen zu erachten sei. Wenn dem Nebengesteine der Gangspalten auf Grund dieser Thatsachen die physikalische Natur zur Aufnahme von Bitumen mangelt, so legen genaue Untersuchungen auch klar, daſs das Nebengestein in keinem seiner bisher erschlossenen Sedimente eine organische Substanz oder einen Rückstand derselben, sei es auch nur in Form von Hohlräumen, erkennen lasse, welchem das z. Z. in fester Form vorfindliche Bitumen (Asphalt) seinen Ursprung verdanken kann.

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Auf diese Thatsachen fuſsend, erscheint es demgemäſs als eine durchaus berechtigte Annahme, daſs zunächst die vorliegenden Gangspalten eruptiven Kräften, direkt oder in Folge ihrer Nachwirkungen, ihre Entstehung verdanken, daſs wahrscheinlich gleichzeitig mit deren Bildung massenhaft im Erdinneren angesammelte, dort gebildete Wasserdämpfe die gleichfalls daselbst vorhandenen Kohlenwasserstoffgase mit emporrissen, bei deren Abkühlung die verdichteten Kohlenwasserstoffe sich sammelten und in Folge der dem Nebengesteine nachweislich mangelnden physikalischen Natur zur Aufnahme derselben die vorhandenen oder gleichzeitig hiermit gebildeten Spalten ganz oder theilweise erfüllten, je nachdem innerhalb derselben nicht bereits eine Ausfüllung durch Ganggestein stattgefunden hatte, welches aus unverändertem Nebengesteine oder aus letzterem durch chemische und mechanische Umwandlung hervorgegangen war.

Die charakteristische chemisch-physikalische Natur und Beschaffenheit des Bentheimer Asphaltes und dessen Niedersetzen in namhafte Tiefe weist nun aber weiter darauf hin, daſs dieser von unten nach oben sich vollziehende Bildungs- und Ausfüllungsprozeſs mit Bitumen derart vor sich gegangen ist, daſs, wenn auch alle unter etwa 60° übergehenden Fractionen verflüchtigt wurden, die Fractionen gebunden blieben, welche Leuchtöl, Paraffin und Schmieröle liefern, durch einen lang andauernden, fortgesetzten Oxydationsprozeſs aber die ursprünglich flüchtigen Kohlenwasserstoffe in die Form übergingen, welche wir in der Gegenwart vor uns sehen. Gleichzeitig erhält aber die Annahme Berechtigung, daſs in gröſserer Tiefe und in den bei Bildung der Gangspalten entstandenen, durch hochgespannte Kohlenwasserstoffgase und Wasserdämpfe erfüllten Hohlräumen nach erfolgter allmählicher Abkühlung eine Ansammlung des Materials erfolgte, welches wir nun in den Gangspalten bis zu Tage ausgehend vorfinden, daſs sehr wahrscheinlich und dem Charakter eruptiver Gangspalten entsprechend eine Mächtigkeitszunahme derselben nach der Teufe und hiermit im Zusammenhange in denselben eine gröſsere Anhäufung von Asphalt zu erwarten ist. Nicht ohne Interesse erscheint des Weiteren die bei Gang I festgestellte Thatsache, daſs sich in Begleitung des festen Asphaltes auf 10 bis 15mm mächtigen Nebentrümmern Asphaltpartien von noch zäher Beschaffenheit, oft bis zu bergtheerartiger Beschaffenheit herabgehend, vorfinden, welche sich zumeist in paralleler Anordnung mit den mit festem Asphalte erfüllten Gängen, unabhängig von dem Nebengesteine, hinziehen. In Begleitung des festen Asphaltes finden sich auſserdem Partien reinen ausgeschiedenen Paraffins bis zu Hühnereigröſse in unregelmäſsiger Vertheilung.

Die geplante und durch den hohen Werth, welchen der Bentheimer Asphalt sowohl zum Zwecke der Vergasung, als zur Darstellung von Leuchtöl, Paraffin, Schmierölen und Kokes besitzt, gerechtfertigte, durchgreifende bergmännische Untersuchung mittels Schachteinbau läſst Nachweise über |222| die Bestätigung dieser auf die Thatsachen der Gegenwart sich stützenden, durchaus berechtigten Grundanschauung für den vorliegenden Fall erwarten.

Daſs zwischen den Bentheimer Asphaltvorkommen und denen irn Münsterlande am Schöppinger Berge, Appelhülsen, Darfeld, Buldern und Hangenau (Kreis Coesfeld) ein ursächlicher Zusammenhang bestehen dürfte, wurde bereits angedeutet.

Das muthmaſsliche Vorkommen von flüssigem Bitumen (Erdöl) in der Umgebung von Bentheim und zwar im Bereiche der Asphaltgänge und dem Untersuchungsgebiete überhaupt anlangend, so dürften folgende, den vorliegenden Thatsachen entsprechende Anschauungen der gesuchten Wahrheit nahe kommen.

In groſser Verbreitung finden sich namentlich in dem Bentheimer Walde und in der Richtung nach Quendorf zu Tage tretende Schwefelquellen, denen Ingenieur M. Raczkiewicz2) einen Zusammenhang mit den Erdölquellen zuerkennt, sie gewissermaſsen als Begleiter derselben erklärt. Gestehen wir denselben Wichtigkeit in diesem Sinne zu und beachten ferner, daſs auf vielen Wasseransammlungen in der Nähe der Asphaltgänge ölartige Spiegel sich bilden, halten gleichzeitig aber fest, daſs nachgewiesenermaſsen dem Nebengesteine der Bentheimer Asphaltgänge die physikalische Natur abgeht, Bitumen aufzunehmen, demselben auſserdem jeder Nachweis der Rückstände derjenigen organischen Substanz mangelt, welche gleiehmäſsig oder in einzelnen seiner Sedimente vertheilt zur Bildung von tropfbar flüssigen Kohlenwasserstoffen (Naphta) das Material hätten liefern können, so erscheint der Schluſs gerechtfertigt, daſs in dem vorliegenden Becken anzuhoffendes flüssiges Bitumen in Form von Erdöl ziemlich unzweifelhaft sich vorwiegend nur in Spalten finden wird, hiermit im Zusammenhange aber ursprüngliche Ansammlungen desselben nur in tieferen Horizonten zu vermuthen sind, wobei nicht ausgeschlossen bleibt, daſs einzelne Sedimente, deren physikalische Natur die Aufnahme von tropfbar flüssigem Bitumen zulässig erscheinen lieſs, hiermit, von den Spalten ausgehend, erfüllt wurden, sonach tiefer liegende sedimentäre Schichtencomplexe Oelansammlungen auf secundärer Lagerstätte bergen, die Bildung des flüssigen Bitumens sich aber in Uebereinstimmung mit der bei der Asphaltbildung klar gelegten Grundanschauung befindet.

Wir schreiten nunmehr zu der in Aussicht genommenen Mittheilung unserer Beobachtungen über Naphtavorkommen in vulkanischen Laven und Tuffen und einigen dem Bentheimer analogen Asphaltvorkommen der Terra di Lavoro (Italien) im Bereiche der Litoral- und Apenninenkette.

Prof. vom Rath berichtete bereits im J. 1877 in einer Sitzung der physikalischen Section des naturhistorischen Vereins der Preuſsischen |223| Rheinlande und Westfalens (1877 S. 24) über den Inhalt der Schrift: Sopra alcune Paraffine ed altri Carburi d'idrogeno omologhiche trovansi contenuti in una lava dell'Etna von Prof. Or. Silvestri, und theilte hieraus mit, daſs sich am Fuſse des Aetna bei dem Städtchen Paterno 22km gegen Südsüdwesten vom Centralkrater vorhistorische Lava finde, inmitten welcher aus Thonschiefer der kleine Schlammvulkan La Salinella di Paterno hervorbricht (190m ü. M.). Höhlungen dieser Lava finden sich, in so weit dieselben nicht von kohlensaurem Kalke eingenommen sind, von einer steinölartigen Substanz erfüllt, welche unter Einfluſs der Sonnenwärme flüssig ist. Schon Maravigna erwähnt die Naphta haltige Lava von Paterno. Eine ungewöhnlich groſse Steinölgeode fand 1874 Prof. Gius. Pulvirenti (10cc Oel enthaltend). Dieses Oel erstarrte bei 17° und brannte bei 0,9475 sp. G. mit hell leuchtender Flamme. Eine ähnliche steinölartige Substanz wie diejenige aus der Lavageode wurde durch Behandeln der zerkleinerten Lava mittels Aether gewonnen (etwa 1,1 Proc).

Die Zusammensetzung der in der Lava von Paterno enthaltenen Kohlenwasserstoffverbindung ergab auf 100 Gewichtstheile:

1)
2)

3)
Leichte Kohlenwasserstoffe, Siedepunkt 79 bis 88°, 0,860 sp. G.
Oelartige Kohlenwasserstoffe, Siedepunkt 190 bis 280°, 0,925
bis 0,94 sp. G.
Schwere ölartige Kohlenwasserstoffe, Siedepunkt 280 bis 400°,
0,94 bis 0,96 sp. G.
0,74

17,23

31,95


= 49,92
4)
5)
Weiſses krystallinisches Paraffin, bei 52° schmelzend
Weiſses krystallinisches Paraffin, bei 57,2° schmelzend
19,90
22,89
= 42,79
6) Asphalt mit 12 Proc. Asche = 2,90
7) Schwefel, monokliner
„ rhombischer
4,30
0,09
= 4,39

Diese Untersuchung ergab sonach ein Petroleum mit 42,79 Proc. Paraffingehalt, mit dem Goudronminerale von Rangoon gleichwerthig und fast identisch. Besonderes Interesse gewannen diese Untersuchungen für uns durch den Besuch des Oelfundortes Ripie in etwa 7km nordöstlicher Entfernung von Pofi, etwa 1km,5 von der Stadt Ripie entfernt in dem Thale Piano Pocamare, am Fuſse des von vulkanischem Tuffe überlagerten Monte di S. Silvestro. Auf den der Apenninenkette angehörigen Kalkbildungen lagern hier pliocäne Tertiärschichten (blaugraue und dunkel gefärbte Mergel mit Sandsteinzwischenlagerungen), die von Tuffbildungen, welche dem erloschenen Vulkane Pofi ihre Entstehung verdanken, überlagert werden und das Thal Piano Pocamare vollständig bedecken.

Die in dem sogen. Petrolera-Bache zu Tage tretenden Tuffe sind von frei ausflieſsendem Petroleum reichlich erfüllt, wobei bemerkenswerth ist, daſs in verschiedenen durch Aufschürfungen entblöſsten Niveaus der Travertinschichten Erdöl ausflieſst, also auch hier die physikalische Natur des Tuffes mitzusprechen scheint, die gebildeten, durch Petroleumausflüsse gekennzeichneten Tuffsedimente augenscheinlich verschiedenen Zeitperioden vulkanischer Thätigkeit des Vulkans Pofi angehören. Aber nicht nur auf sedimentären Tuffscheidungen fand sich in reichlichem |224| Maſse abflieſsendes Oel, auch Höhlungen von mehreren Cubikcentimeter Gröſse waren hiermit erfüllt. Von zwei (seitens einer französischen Unternehmung) hier niedergebrachten Bohrungen ergab das 66m tiefe, in Tuff angesetzte, in pliocänen Mergel weiter vertiefte Bohrloch kein Oel, dagegen das nachgewiesenermaſsen auf einer Spalte in unmittelbarer Nähe gleichfalls in Tuff angesetzte, bis 22m in pliocänem Tertiär, dann noch 6m im Kreidekalke vertiefte zweite Bohrloch viel im J. 1879 noch frei ausflieſsendes Oel.

Daſs das in dem über dem pliocänen Tertiär und den Kreidekalken abgelagerten Tuffe vorkommende Bitumen in Ripie ebenso wie die in den Lavageoden von Paterno vorgefundene Naphta in direktem Zusammenhange mit vulkanischen Prozessen stehen sollte, erscheint uns nicht wahrscheinlich. Wohl aber besteht ein bestimmter indirekter Zusammenhang mit vulkanischen Wirkungen in der Richtung, daſs Spaltenbildungen durch dieselben hervorgerufen und bedingt wurden, diese den Austritt von im Bereiche derselben angesammelten Wasserdämpfen und Kohlenwasserstoffen vermittelten und, die letzteren von ersteren emporgetrieben, in der in Folge ihrer physikalischen Natur zur Aufnahme geeigneten, von Hohlräumen reichlich erfüllten Lava des Aetna und dem vulkanischen Tuffe von Pofi ebenso wie in Schichten des Tertiär und den Kreidekalken der Apenninenkette, aus den Spalten übertretend, der Bitumen-Ausscheidungs- und Condensationsprozeſs sich vollzog.

Einen weiteren interessanten Beitrag für die auf den anorganischen Bildungsweg des Bitumens uns verweisenden Thatsachen liefern die Asphaltgänge von Castro am Fuſse der Litoralkette und Colle San Magno in den Abruzzen (Apenninenkette).

Von dem Monte di S. Silvestro bei Ripie in südwestlicher Richtung den Weg über den erloschenen Vulkan Pofi verfolgend, gelangt man bei der Eisenbahnstation Pofi (der Eisenbahn Rom-Neapel unfern Ceprano) aus dem Bereiche der vulkanischen Tuffe auf kurze Entfernung in das der pliocänen Tertiärschichten, welche sich an eine aus Kalkbruchstücken bestehende Breccie anlagern: In dieser Kalkbreccie und dem untergelagerten Kreidekalke findet sich eine Gangspalte, etwa 2m mächtig, wesentlich von Nord nach Süden streichend, mit deutlichen Rutschflächen und einem aus Bruchstücken des kalkigen Nebengesteines bestehenden, mit Asphalt und Erdpech reichlich erfüllten Ganggestein. Der Umstand, daſs die aus Bruchstücken des Nebengesteines herrührenden Theile des Ganggesteines nicht mit Asphalt und Bitumen erfüllt, nur hiervon umgeben sind, Asphalt und Erdpech einzelne Theile der Gangspalte ausschlieſslich erfüllen, liefert einen greifbaren Nachweis dafür, daſs das Bitumen entweder gleichzeitig mit, oder kurz nach der Spaltenbildung, von unten nach oben aufsteigend, die freien Hohlräume derselben in Anspruch nahm. Kurze, in das Nebengestein getriebene Querschläge ergaben, daſs das Nebengestein frei von Bitumen ist, demselben sonach |225| sowohl die physikalische Natur zur Aufnahme von Bitumen mangelt, als auch kein organisches Material ursprüngliches Eigenthum desselben ist, von dem der Asphaltgehalt der Spalten sich etwa herleiten lieſs. Der Gang ist auf etwa 1000m Länge streichend über Tage verschürft und war im J. 1879 mittels Stollenzubauen in zwei Horizonten von einer englischen Gesellschaft in Angriff genommen.

In 20km südlicher Entfernung von dem Castroer Asphaltvorkommen findet sich, von der Station Rocca Secca ausgehend, der vortrefflich geführten Bergstraſse nach Colle San Magno, am südöstlichen Abhänge der Apenninen, folgend und von hier zu dem bereits den Abruzzen zuzählenden Hochplateau etwa 800m aufsteigend, das Asphaltvorkommen Colle San Magno. Uebereinstimmend mit Castro findet sich der Asphalt hier in einer 3 bis 4m mächtigen, auf etwa 2 bis 3km Länge streichend verschürften Gangspalte in einem breccienartigen Kalkeonglomerate und festen Apenninenkalke aufsetzend. Die Gangausfüllung besteht theils aus Zerreibungsproducten des Nebengesteines, deren Absonderungsflächen und Hohlräume innig mit Asphalt erfüllt sind, theils aus reinem Asphalte. Auch hier tritt die Thatsache hervor, daſs das Bitumen weder die die Breccie zusammensetzenden Kalkstücke durchdrungen, noch auch das Nebengestein erfüllt hat. Deutliche Rutschflächen kennzeichnen das Hangende und Liegende der steil stehenden (75 bis 80°), widersinnig gegen die Gebirgskette einfallenden Gangspalte, deren Streichungslinie parallel zu der vulkanischen Aufbruchslinie steht, welche die Vulkane Pofi und Rocca Monfina verbindet und sich als ein Vermittelungsglied zwischen den erloschenen Vulkanen im römischen Gebiete und der süditalienischen vulkanischen Gruppe kennzeichnet. Der Asphalt ist begleitet, oft innig durchdrungen von reinem amorphem Schwefel in linsen- und erbsengroſsen Stücken. Der Gang ist von Tage steinbruchartig erschlossen, wird von Hrn. Cico de Cola in Neapel betrieben und der Asphalt zum Theil durch Saumpferde, zum Theile in Körben von Frauen auf dem Kopfe (40 bis 50k Belastung) nach der Station Rocca Secca, von hier auf der Bahn nach Neapel befördert und kosten 100k an Gewinnungs- und Transportkosten in Rocca Secca etwa 80 Pf.

Einen weiteren Nachweis dafür, daſs der Apenninenkalk keine zur Bildung von Kohlenwasserstoff erforderliche organische Substanzen in einzelnen seiner Sedimente erkennen läſst und seine physikalische Natur zur Aufnahme von Bitumen nicht hinneigt, lieferte das Resultat einer etwa 200m tiefen Bohrung, welche in der Nähe von Pico bei S. Giovanni Incarico in der Nähe des Petrolera-Baches, wo bis zum J. 1879 bereits 7848 Barrels gleich 1330760k Rohöl zur Gewinnung gelangten (nachweislich hier durchsetzenden Spaltenräumen angehörig), im Apenninenkalke angesetzt und hierin resultatlos niedergebracht wurde.

Fassen wir die über einige Petroleum- und Asphaltvorkommen Italiens mitgetheilten Beobachtungen zusammen, so kann nicht in Abrede |226| gestellt werden, daſs dieselben sich aufklärend den über die Bildung der Bentheimer Asphaltvorkommen entwickelten Anschauungen zur Seite stellen.

Daſs Prof. Mendelejef's Grundanschauungen über die Bildung des Bitumens auf anorganischem Wege (vgl. 1878 228 540) – bereits von Herm. Abich in Tiflis auf die kaukasischen Erdölvorkommen übertragen (vgl. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien 1879 Bd. 29) – sowohl auf die italienischen, als insbesondere auch die Bentheimer Asphaltvorkommen mit einiger Berechtigung Anwendung zu finden haben, bedarf einer weiteren Begründung nicht. Hier wie dort begegnen wir Bitumen an Fundstellen, wo geologisch nur dadurch eine Erklärung gefunden werden kann, daſs wir dem direkten Einflüsse vulkanischer Kräfte auf die Bildung von Spalten ihren berechtigten Standpunkt zuerkennen, daſs wir uns das in diesen Spalten angesammelten Bitumen ebenso wie das in Lavageoden und auf Absonderungsflächen vorhistorischer Tuffablagerungen vorhandene aber auf anorganischem Wege – der Hauptsache nach den diesbezüglichen Grundanschauungen Mendelejef's und Abich's folgend – entstanden denken.

Wir haben in dieser Zusammenstellung des Beobachtungsmaterials über die Bentheimer Bitumen vorkommen und durch Heranziehung analogen Beweismaterials eine den Thatsachen entsprechende Aufklärung für ein beachtenswerthes Bitumenvorkommen versucht. Diese Grundanschauung steht für uns z. Z. fest. Ausgeschlossen bleibt hierbei nicht, daſs durch weitere Aufschluſsarbeiten eine Richtigstellung derselben zu erfolgen hat.

Stehen uns, wie Karl Ochsenius in der Zeitschrift: Die Natur, Halle 1882 Nr. 29 ankündigt, auch neue Probleme über die Bildung des Erdöles in Aussicht, in so fern die Mutterlauge als geologisches Agens derart in Wirkung tritt, daſs die Einwirkung Salz haltiger Schlammfluthen auf Organismen die Petroleumbildung einleitet, so können dieselben für den vorliegenden Fall ebenso wenig als die von Bergrath Paul aufgestellten genetischen Anschauungen über die Bildung des karpathischen Erdölvorkommens (vgl. Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt, 1881) etwas ändern.3)

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Was nun schlieſslich den nutzbaren bergmännisch-technischen Werth der Bentheimer Asphaltgänge in der Gegenwart und ohne Berücksichtigung der an die Teufenverhältnisse zu knüpfenden Erwartungen anlangt, so wird derselbe dadurch begründet, daſs zu mäſsigen Kosten eine bergmännische Gewinnung durch Schachteinbaue alsbald eingeleitet werden kann, daſs die bereits 4 bis 5m unter Tage 300, 900 bis 1000mm betragende Asphaltmächtigkeit einzelner Gänge, sowie die nachgewiesene namhafte streichende Erstreckung, endlich aber das bis 178m Tiefe nachgewiesene Fortsetzen derselben sichere Stützpunkte für eine nachhaltige Asphaltgewinnung gewährt, wenn man endlich berücksichtigt, daſs der Bentheimer Asphalt einen hohen Werth sowohl zum Zwecke der Vergasung, als zur Darstellung von Leuchtöl, Paraffin, Schmierölen und Kokes besitzt, wie aus den nachfolgenden chemischen Untersuchungsergebnissen näher hervorgeht.

(Fortsetzung folgt.)

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Im J. 1870 lenkte der Bentheimer Asphalt vorübergehend die Aufmerksamkeit des Amerikaners Sargent auf sich. Nach seinem Berichte fand er in etwa 11 Schächten von 9 bis 38m,5 Tiefe Asphalt, der fast reiner Kohlenwasserstoff |220| und bis 1m mächtig war. 500t habe er gewinnen und auf Petroleum destilliren lassen und von 1t bis zu 525k Petroleum erzielt. Im Museum zu Hannover findet sich ein etwa 0cbm,03 groſser schwarzer Block unter der Bezeichnung „Gagatkohle von Bentheim“.

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Vgl. Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1879 S. 17 ff.

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Daſs endlich gröſsere Klarheit in die geologischen Verhältnisse der karpathischen Sandsteinzonen gebracht ist, kann, nachdem Jahrzehnte lange geologische Untersuchungen diesem umfangreichen und schwierigen Gegenstande zugewendet sind, nicht als das Verdienst eines Einzelnen angesehen werden.

Ob mit den jetzigen Untersuchungen der Gegenstand als endgültig ab geschlossen zu erachten ist, bleibt eine vorläufig offene Frage. Daſs die karpathischen Erdölvorkommen ausschlieſslich der eingeschlossenen organischen Substanz derjenigen Sedimente ihren Ursprung verdanken, in denen oder in deren unmittelbarer Nähe dieselben vorkommen, sowie die hieraus hergeleitete logische Nothwendigkeit der Existenz bestimmter stratigraphischer Oelhorizonte, erachten wir als eine nur bedingungsweise zutreffende, in vieler Beziehung der Richtigstellung bedürftige Ansicht, keinenfalls berufen, dem Oelbergbaue, in dieser Schroffheit und Einseitigkeit hingestellt, vorläufig praktische Anhaltepunkte und wirklichen Nutzen zu bieten.

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Das Prioritätsrecht der ausgesprochenen Ansicht, daſs das Erdöl in den Karpathen, wenn auch an verschiedenen Punkten aus Längs- und Querspalten zum Vorscheine kommend, an diese Spalten, wenn auch hier am reichlichsten angesammelt, nicht ausschlieſslich gebunden ist, sondern auch in verschiedenen Oel führenden Gesteinsschichten in bestimmten Niveaus angetroffen wird, nehmen wir für uns in Anspruch (vgl. Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1879 S. 16).

Hiermit halten wir denn auch die von technisch tüchtigen Fachleuten Galiziens wiederholt bestätigte Behauptung aufrecht, „daſs kaum ein einziger Oelgewinnungspunkt von Bedeutung auſserhalb des Bereiches und der Einwirkungen umfangreicher Dislocationsspalten in den Karpathen nachgewiesen erscheine“.

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