Titel: C. v. Balzberg, über Fortschritte im Salinenwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250 (S. 365–369)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/ar250136

Fortschritte im Salinenwesen.

Mit Abbildungen auf Tafel 25.

Die Verbesserungen an den Sudwerkseinrichtungen der Saline Ischl beschreibt C. v. Balzberg in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1883 S. 403. Verfasser zeigt zunächst durch Rechnung, daſs die Mindergrädigkeit der Soole von nur 0,1 Proc. schon einen Brennstoffverlust von mehr als 0,5 Proc. verursacht. Die jetzt im Gebrauche befindlichen Aräometer entsprechen jedoch diesem Genauigkeitsgrade bei weitem nicht. Fig. 8 Taf. 25 zeigt nun ein neues, viel genaueres Aräometer, dessen Skala Theilstriche für 0k,05 auf 1hl besitzt. Abgelesen wird mittels eines gläsernen Oberflächenschwimmers, dessen mittlerer, die Röhre eng umschlieſsender Theil an der Oberkante schräg abgeschliffen ist und so ein bequemes Ablesen und Abschätzen auf 0k,01 gestattet. Um nun aber die Ablesung auch bei einer anderen als der angenommenen Normaltemperatur

Reductionstabelle zur Bestimmung der Grädigkeit der Soole bei 18,75° C. (15° R.) und Ablesung an der Soolenspindel bei einer beliebigen Temperatur zwischen 0° bis 20°.

10° 12° 14° 16° 18° 18 ¾° 20°
30,44 30,30 30,16 30,01 29,86 29,70 29,55 29,39 29,22 29,06 29 28,90
30,64 30,50 30,36 30,21 30,06 29,90 29,75 29,59 29,42 29,26 29,2 29,10
30,84 30,70 30,56 30,41 30,26 30,10 29,95 29,79 29,62 29,46 29,4 29,30
31,04 30,90 30,76 30,61 30,46 30,30 30,15 29,99 29,82 29,66 29,6 29,50
31,24 31,10 30,96 30,81 30,66 30,50 30,35 30,19 30,02 29,86 29,8 29,70
31,45 31,30 31,16 31,01 30,86 30,70 30,55 30,39 30,22 30,06 30 29,90
31,65 31,51 31,36 31,21 31,06 30,90 30,75 30,59 30,42 30,26 30,2 30,10
31,85 31,71 31,56 31,41 31,26 31,10 30,95 30,79 30,62 30,46 30,4 30,30
32,05 31,91 31,76 31,61 31,46 31,30 31,15 30,99 30,82 30,66 30,6 30,50
32,26 32,11 31,97 31,82 31,67 31,51 31,35 31,19 31,03 30,86 30,8 30,70
32,46 32,31 32,17 32,02 31,87 31,71 31,55 31,39 31,23 31,06 31 30,90
32,66 32,51 32,37 32,22 32,07 31,91 31,75 31,59 31,43 31,26 31,2 31,10
32,86 32,72 32,57 32,42 32,27 32,11 31,95 31,79 31,63 31,46 31,4 31,29
33,06 32,92 32,77 32,62 32,47 32,31 32,15 31,99 31,83 31,66 31,6 31,49
33,27 33,12 32,97 32,82 32,67 32,51 32,35 32,19 32,03 31,86 31,8 31,69
33,47 33,32 33,17 33,02 32,87 32,71 32,55 32,39 32,23 32,06 32 31,89
33,67 33,52 33,37 33,22 33,07 32,91 32,75 32,59 32,43 32,26 32,2 32,09
33,87 33,72 33,57 33,42 33,27 33,11 32,95 32,79 32,63 32,46 32,4 32,29
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von 18,75° C. (15° R.) ausführen zu können, hat Balzberg eine Correctionstabelle berechnet, welche vorstehend im Auszuge gegeben ist. Das Vorwärmen der Soole mittels der im Dampfe enthaltenen latenten Wärme in offenen Pfannen erfordert viel Raum, ergibt grobes, miſsfarbiges Salz in denselben und bedingt eine eigene Bedienung, so daſs dieses Verfahren meist wieder verlassen ist. Dagegen besteht der Vorwärmer in Ischl, welcher am Ende der Pfanne in dem auſserhalb derselben gelegenen Dunstfange aufgestellt ist, aus 3 Behältern C (Fig. 11 Taf. 25). Dieselben sind aus 4mm starkem Eisenbleche zusammengenietet und oben wie unten durch Röhren verbunden. Jeder dieser 3 Behälter ist 4m lang, 1m,5 hoch und hat eine lichte Weite von 0m,16, so daſs die wirksame Oberfläche 40qm beträgt. Die Deckel sind nur leicht aufgeschraubt, um einerseits die Verdampfung zu verhindern und andererseits eine leichte Reinigung zu ermöglichen, welche einfach dadurch bewerkstelligt wird, daſs man die unten angebrachten 6 Rohrstutzen m öffnet, sodann den ganzen Apparat mit Wasser gut ausspült und allenfalls mit Drahtbürsten scheuert. Zum Schütze gegen Rost ist der ganze Apparat mit einem Miniumanstriche und auſserdem noch mit einem kräftigen Zinkschutze versehen.

Um diesem Apparate die volle Wirksamkeit zu sichern, war es nothwendig, die bis jetzt gebräuchliche unterbrochene Pfannenfüllung zu verlassen. Die Höhe des Soolenspiegels in der Pfanne wird daher durch einen kupfernen Schwimmer s bestimmt, welcher durch ein Ventil v den Zufluſs aus dem Vorwärmer derart regelt, daſs eben nur so viel Soole in die Pfanne einrinnt, als derselben durch Verdampfung oder Ausziehen des Salzes entzogen wird. In dem Troge d befindet sich ein Schwimmer e, welcher seinerseits wieder den richtigen Zufluſs der Soole bei f regelt, von wo aus die Soole zuerst durch den Kipptrog g flieſsen muſs. Ein mit letzterem verbundener Zählapparat z (Fig. 13) gibt die Zahl der Kippungen und somit auch in jedem Augenblicke die von der Pfanne verbrauchte Soolenmenge an. Bei einer Dampfabzugstemperatur von durchschnittlich 43° wird die Soole in diesem Vorwärmer von 0° auf 40° vorgewärmt. Da nun täglich 67673k Soole verarbeitet werden, deren specifische Wärme 0,8384 beträgt, so nimmt die Soole aus dem Dampfe täglich 2 269 500° auf, entsprechend einer Ersparung von 656k Traunthaler Kohle von je 3000° Brennwerth.

Zur Soolenmessung dienen bei den alpinen Salinen der Schwind'sche Meſstrog (vgl. 1870 198 * 23) und die Messung in groſsen cubicirten Gefäſsen, die sogen. Stubenmessung. Der Meſstrog beruht auf Messung der Druckhöhe, unter welcher die Soole bei Annahme eines bestimmten Querschnittes ausflieſst. Diese Einrichtung setzt entweder einen fortwährend gleichen Soolendurchfluſs, oder eine fortwährende Beobachtung voraus. Beim Sudprozesse ist jedoch ersteres nicht der Fall und letzteres unzukömmlich. Die ungleich genauere Stubenmessung erfordert jedoch |367| eine Druckhöhe gleich der Stubenhöhe und einen ziemlich groſsen Raumbedarf, da man zweier solcher Behälter benöthigt, welche, um nicht zu ott entleert und wieder gefüllt zu werden, möglichst groſs gemacht werden müssen. Auch dieser Nachtheil, namentlich der Druckverlust, machte diese Art der Messung unthunlich. Dagegen hat sich die von Balzberg bereits in der Oesterreichischen Zeitschrift, 1879 * S. 46 beschriebene, inzwischen aber verbesserte, in Fig. 12 Taf. 25 skizzirte Meſsvorrichtung bewährt. Zunächst wurde der Schwerpunkt des Apparates durch Anbringung eines Gewichtes a verstellbar gemacht. Um diese Last andererseits wieder auszugleichen, muſste der Winkel, welchen der Soolenspiegel mit dem Boden des Gefäſses bildet, spitzer gemacht werden, wodurch auch noch der Vortheil erreicht wurde, daſs der Apparat einen geringeren Ausschlagwinkel erhielt, daher nicht so stark auf seine Unterlage aufschlug. Bei der Ausmessung des Apparates hat man nur nöthig, die durchflieſsende Soolenmenge direkt zu messen und, je nachdem das Ergebniſs zu hoch oder zu niedrig ausfällt, das Gewicht a nach abwärts oder aufwärts zu schieben, endlich die feine Tarirung durch Anschrauben oder Abnehmen von Messingplättchen an das Gewicht zu bewerkstelligen. Da jedes der beiden Doppelgefäſse einen Fassungsraum von 5l hat und der Hubzähler jede zweite Kippung angibt, so hat man die Angabe desselben nur durch 10 zu theilen, um sofort die durchgeflossene Zahl Hektoliter zu erhalten.

Der zunehmende Mangel an Brennholz im Salzkammergute veranlaſsle die Salinenverwaltung mit Ende des J. 1881 auch in Ischl theilweise fossile Brennstoffe zu verwenden. Die günstigen Resultate, welche die Saline Aussee (vgl. 1882 246 * 288) mit der Gasfeuerung erzielt, waren Veranlassung, daſs ursprünglich dieselben sogen. Heupel'schen Generatoren angelegt wurden, welchen man jedoch nach und nach, den örtlichen Verhältnissen entsprechend, die in Fig. 9 und 10, 13 und 14 Taf. 25 veranschaulichte Form gab. Da auch hier die Gase zur direkten Trocknung des Salzes verwendet werden, so war eine völlig reine Verbrennung Bedingung. Die Brennerformen, durch welche dieser Zweck erreicht wurde, sind in Fig. 9 bei dem Kohlen- und in Fig. 10 bei dem Holz-Gasofen ersichtlich gemacht. Die heiſse Luft, welche durch die Schlitze b mit den durch die Schlitze a strömenden Gasen in einem rechten Winkel zusammentrifft, mengt sich mit letzteren schon vor Eintritt in den Verbrennungsraum e durch die Schlitze c.

Die Untersuchung der Rauchgase ergab im Mittel für die ursprüngliche Construction (I), für die Brenner Fig. 10 (II) und für die Kreuzbrenner Fig. 9 (III) folgende Zusammensetzung:

I II III
Kohlensäure 11,2 14,0 15
Kohlenoxyd 0,2 0 0
Sauerstoff 9,0 5,5 4
Stickstoff 79,6 80,5 81
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Die Kreuzbrenner arbeiteten somit am günstigsten1) und wurde damit ein vollkommen weiſses Salz in den Darren erzielt. Diese Verwendung der heiſsen Verbrennungsgase in den Darren ist für den eigentlichen Sudbetrieb sehr nachtheilig, da die Darrung nicht gelingt, wenn die Gase nicht durchschnittlich mit 250° die Pfanne verlassen, durch Oeffnen und Schlieſsen der Dörrkammern der Querschnitt der Abströmung fortwährend geändert wird, weil ferner die Gase stets mit kaltem, nassem Salze in Berührung kommen und durch diese wechselnde Abkühlung beständige Zugschwankungen entstehen. Die Leistung der Darren ist überhaupt sehr gering. Die Endtemperatur der Gase von der Pfanne betrug im Durchschnitte 250°, beim Austritte aus den Darren 83°. Von der hier abgegebenen Wärme werden aber, wie Balzberg berechnet, nur ⅛ wirklich zur Wasser Verdampfung verbraucht. Da nun die Dörrung dann am meisten Wärme absorbirte, wenn die Dörrtemperatur niedrig und die Dörrzeit eine lange wurde, so wurde durch Anbringung einer direkten Heizung in den Darren die Abzugstemperatur der Gase um so viel erhöht, als zu einem guten Darrprozesse nothwendig war, während man die Gase mit einer solchen Temperatur abziehen lieſs, als zu einem guten Sudprozesse dienlich war. Das Verfahren hat sich bewährt.

Bei der Vergasung der Traunthaler Kohle im Generator Fig. 10 wurden durchschnittlich mit 100k Kohle 137k,3 Salz, bei direkter Kohlenfeuerung aber nur 117k Salz erhalten, entsprechend einer Ersparung von 13 Procent an Brennstoff.

Zur Vergasung von Holz wurde der Brenner beibehalten; an Stelle des Rostes brachte man aber eine nach vorn geneigte schiefe Ebene und Schlitze zum Lufteintritte an. Bei den 4 Generatoren (Fig. 9, 13 und 14 Taf. 25) findet der Lufteintritt für die Gasverbrennung bei f statt, der Luftstrom theilt sich sodann in die Kanäle g und h; ersterer geht sogleich nach rückwärts, um durch die hin- und hergehenden Kanäle i in die Kammer k zu gelangen, von wo sie stark erhitzt in den Brenner eintritt. In gleicher Weise gelangt die Luft aus dem Kanäle h durch l und m in die entgegengesetzte Seite des Brenners. Die Schütthöhe wurde auf 1m,15 erhöht.

Um nun einen möglichst verläſslichen Vergleich zwischen der Vergasung und Verbrennung im Pultofen zu gewinnen, wurden die beiden ganz gleichen Pfannen des Kolowrat-Werkes benutzt, beide gleichzeitig angezündet und gelöscht und in beiden die gleiche Holzsorte verfeuert. Die Vergasung ging sehr regelmäſsig und ohne Störung von statten. Die Asche schmolz und trat als Schlacke zwischen den Schlitzen heraus. Die Bedienung war sehr bequem. Die Dörrung war rein und vollkommen, obwohl auch hier durch eigene Feuerung in den Darren nachgeholfen |369| werden muſste. Die Resultate in den drei vorgenommenen Probesuden ergaben für je 1cbm weiches Holz:

Pultfeuerung Gasfeuerung
1) 438,2k Salz 511,1k Salz
2) 431,8 483,6
3) 437,7 506,8
––––––––––– ––––––––––
im Mittel 435,9k Salz 500,5k Salz,

daher gegen die Pultfeuerung um 14,8 Proc. günstiger, eine Zahl, die bei den groſsen Massen Holzes, welche noch immer zur Salzerzeugung verwendet werden, eine bedeutende Summe darstellt. Beim zweiten Sude wurden die Gase versuchsweise durch übermäſsiges Oeffnen der Abzugsschieber mit einer höheren, der Pultfeuerung ähnlichen Endtemperatur, nämlich mit durchschnittlich 242°, in die Darren entlassen; dies hatte sogleich ein vermindertes Ausbringen zur Folge und bestätigte die früher ausgesprochene Ansicht. Es wäre daher auch richtiger, das Mittel aus den Resultaten des ersten und dritten Sudes mit 509k Salz für 1cbm weiches Holz für diese Art der Gasfeuerung anzusetzen.

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Vgl. Ferd. Fischer: Taschenbuch für Feuerungstechniker (Stuttgart 1883. J. G. Cotta) S. 28.

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