Titel: Ueber Neuerungen an Nähmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250 (S. 505–513)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/ar250192

Ueber Neuerungen an Nähmaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 36.

(Patentklasse 52. Fortsetzung des Berichtes Bd. 248 S. 273.)

1) Nähmaschinen und Hilfsapparate für feste Naht.

Bei solchen Schiffchennähmaschinen, wo ein besonderer Spulapparat für das Bewickeln der Schiffchenspule angebracht ist, sind seit ungefähr dem J. 1877 Triebradausschaltungen zur Verwendung gekommen, um die Nähmaschine während des Spulens auſser Thätigkeit zu setzen.1) |506| Bei den meisten derartigen Einrichtungen erfolgt die Auslösung des Triebrades durch einen besonderen Handgriff des Nähenden und nur bei Thiemer selbstthätig durch Vermittelung des Spulapparates. Den gleichen Vortheil erreicht W. Lange Wwe. in Berlin (* D. R. P. Nr. 14246 vom 3. December 1880) durch eine wesentlich verschiedene Construction.

Bei W. Lange's Schwungradauslösung ist dicht hinter dem lose auf der Welle w (Fig. 1 Taf. 36) sitzenden Triebrade b eine ausgedrehte Scheibe a auf der Welle befestigt. In der Aussparung derselben liegt eine Platte g (Fig. 2), welche einestheils durch den Stift e, anderentheils durch den nach auſsen reichenden Ansatz m Führung erhält. Eine Feder n bewirkt das Heben der Platte g und veranlaſst einen der am Triebrade befestigten Stifte f in den Schlitz l zu treten, um das Triebrad mit der Welle zu kuppeln. Wird nun aber der Spulapparat so weit gedreht, daſs sich das Rädchen k an das Triebrad anlegt, so wird durch i der federnde Stift c abwärts gedrückt; letzterer schiebt mittels des Ansatzes m die Platte g so weit herab, daſs der Stift f den Schlitz l derselben verläſst und die Welle w stillsteht. Beim Zurückdrehen des Spulapparates kann die Feder n (Fig. 2) die Platte g wieder heben, ein Stift f des Triebrades fällt in den Schlitz l derselben ein und bringt die Welle w und somit die Nähmaschine wieder in Bewegung.

H. C. G. Zech in Berlin (* D. R. P. Nr. 18966 vom 4. Januar 1882) hat eine Ausrückvorrichtung patentirt erhalten, bei welcher das Auslösen der Nähmaschine die Inbetriebsetzung des Spulapparates zur Folge hat. Zu diesem Behufe ist die Triebscheibe lose auf der Nähmaschinen welle befestigt und mittels Hebel auf derselben verschiebbar angeordnet; durch auf der Stirnfläche eingeschraubte Stifte, welche in entsprechende Löcher einer auf der Maschinenwelle festsitzenden Scheibe eingreifen, ist das Mitnehmen gesichert. Der Spulapparat ist auf der Nähmaschinenplatte derart befestigt, daſs bei Auslösung der Nähmaschine, also beim Verschieben der Triebscheibe eine Wulst der letzteren zum Anliegen an das Antriebrädchen des Spulapparates kommt.

A. Müller in Braunschweig (* D. R. P. Nr. 19473 vom 8. März 1882) sucht durch Rechts- bezieh. Linksdrehungen des Schwungrädchens eine selbstthätige Radauslösung hervorzubringen, wie dies bereits bei der einfacheren und sicherer wirkenden Radauslösung von E. Schrabetz geschieht. Das Schwungrädchen mit Würtel sitzt lose auf der Maschinenwelle und wird durch eine Schraubenmutter, welche auf dem mit Linksgewinde versehenen Wellenende aufgeschraubt ist, vor dem Herabfallen geschützt. Die Kuppelung wird durch eine zweite gröſsere Schraubenmutter hervorgebracht, welche ebenfalls auf dem Linksgewinde ihren Platz findet und mit einem auf ihrer Stirnfläche vorstehenden Rande über die erste |507| Schraubenmutter hinwegreicht und gegen das Schwungrädchen drückt, Beim Rechtsdrehen der Maschine soll sich diese Schraubenmutter lösen und das Schwungrädchen frei lassen. Diese Lösung der Schraubenmutter kann jedoch nur erfolgen, wenn während der Rechtsdrehung des Schwungrädchens der Arbeiter die Maschinen welle festhält, und es kann daher diese Radauslösung durchaus nicht eine „selbstthätige“ genannt werden.

Seit der Veröffentlichung des vorigen Referats (Bd. 248 S. 278 ff.), in welchem bereits mehrere Spulapparate für Schiffchennähmaschinen beschrieben wurden, sind wieder eine Anzahl dieser Apparate zur Patentirung gelangt, welche zunächst erwähnt werden sollen, und zwar zeigen die ersten drei in so fern eine Vervollkommnung, als die Construction derselben sowohl eine Regulirung der Bewickelungsstärke des Spulchens, als auch eine Veränderung im Drucke des Spulrädchens gegen das Schwungrad zuläſst.

Eine recht einfache und zweckmäſsige Einrichtung gibt R. Gritzner (* D. R. P. Nr. 21213 vom 16. Juli 1882) seinem neuen selbstthätigen Spulapparate (vgl. ältere Construction 1883 248 * 276). Wie aus Fig. 3 Taf. 36 zu erkennen ist, wird der um a drehbare Spulapparat in seiner Arbeitslage durch einen Haken c gehalten, welcher sich in die Feder e einlegt und einen Arm der Druckklappe bildet; dadurch ist ein elastischer Druck des Spulrädchens gegen das Schwungrad erzielt, was bei ungleich starkem Gummiringe seinen Vortheil hat; auſserdem kann dieser Druck durch die Schraube f regulirt, sowie der Zeitpunkt der Auslösung des Apparates bezieh. die Stärke der Spulenbewickelung durch die vertikale Verstellung der Feder e mittels Schraube d verändert werden.

Der selbstthätige Spulapparat von Fr. König in Kaiserslautern (* D. R. P. Nr. 20525 vom 19. März 1882) ist in Fig. 4 Taf. 36 dargestellt. Unterhalb des um m drehbaren Spulapparates ist ein Riegel d angebracht, welcher durch eine Feder nach rechts verschoben und durch einen Stift a in seiner Verschiebung begrenzt wird. Das umgebogene Ende dieses Riegels nimmt die Schraube e auf und diese stöſst gegen einen bogenförmigen Ansatz c der Carter'schen Klappe b. Drückt man nun den Spulapparat zur Ingangsetzung derselben gegen das Antriebrad H, so schiebt sich der Riegel d über den Winkel g und verhindert ein ferneres Zurückweichen. Durch Verstellung des Winkels g mittels Schraube h ist der Druck gegen H regulirbar. Füllt sich die Spule, so weicht die Klappe b zurück und drückt schlieſslich mit ihrem anderen Ende c gegen die Schraube e; dieselbe geht nun mit dem Schieber d so weit zurück, bis d von g abgleitet, worauf die Feder z den Spulapparat so dreht, daſs sich x von H entfernt und der Spulapparat stillsteht. Die Stärke der Spulbewickelung kann leicht durch die Schraube e regulirt werden.

Der selbstthätige Spulapparat von H. Heise in Bremen (* D. R. P. Nr. 20522 vom 28. Februar 1882) trägt einen um a (Fig. 5 Taf. 36) |508| beweglichen Hebel d; das Ende p desselben wird bei Ingangsetzung vor die Nase e geschoben und dadurch das Spulrädchen L an das Schwungrad Q angedrückt. Das andere Ende des Hebels d ist abgeschrägt und an diese Abschrägung legt sich die eine Seite der Druckklappe an. Durch die Bewickelung der Spule wird die Klappe zurück gedrängt, der Hebel schiebt sich demzufolge zur Seite und sein Ende p gleitet von e ab; der Spulapparat fällt zurück und das Antriebrädchen L kommt zum Stillstande. Eine Drehung von e verändert den Druck des Gummiringes gegen Q und eine Verstellung senkrecht zur Bildfläche bedingt ein früheres oder späteres Abgleiten des Hebelendes p bezieh. die damit im Zusammenhange stehende Veränderung der Spulenstärke. Die Schrauben m und h sichern die Lage der Nase e.

Der selbstthätige Spulapparat von Junker und Ruh in Karlsruhe (* D. R. P. Nr. 16477 vom 18. Mai 1881) zeigt eine eigenthümliche Art der Auslösung, welche den vorbeschriebenen Constructionen nachstehen dürfte. Die Feder x (Fig. 6 Taf. 36) drückt für gewöhnlich den Spulapparat an das Schwungrad. Bei der Bewickelung der Spule wird die Klappe g, welche durch die bei f angeschraubte Feder e angedrückt wird, veranlagst, sich abwärts zu bewegen. Hierdurch kommt aber diese Feder e zum Anliegen an den Kopf der Schraube h und zwingt den Apparat, sich vom Schwungrade zu entfernen. Die Stellung der Schraube h bedingt den Zeitpunkt der Auslösung. Die Abstellung bezieh. der Stillstand des Spulapparates erfolgt hier nur allmählich und läſst daher niemals den Zeitpunkt sicher erkennen, wenn die Spule vollendet ist; denn der Apparat kann auch zufällig aus irgend einem anderen Grunde zum Stillstande kommen, während bei einem Spulapparate mit plötzlicher Auslösung der Arbeiter sofort die veränderte Lage desselben bemerkt. Die Anbringung des Fadenführersteges n an der Druckklappe (vgl. Biesolt und Locke 1883 248 * 278) dürfte für die gute Bewickelung vortheilhaft sein.

Der selbstthätige Spulapparat von G. Pfaff in Kaiserslautern (* D. R. P. Nr. 20889 vom 9. Mai 1882) gleicht demjenigen von C. Neidlinger (1881 242 * 355); nur hat Pfaff einen einfachen Fadenführersteg und zwischen Feder p und Arm m noch eine Feder eingeschaltet, wodurch das Spulrädchen des Apparates mit elastischem Drucke gegen das Schwungrad gepreſst wird.

Bei dem selbstthätigen Spulapparate von Haid und Neu in Karlsruhe (* D. R. P. Nr. 21014 vom 29. März 1882) ist die Mitnehmerachse mit einem Zahnrädchen versehen, welches in die Zähne des mit dem Schwungrade verbundenen Zahnrades greift. In dieser Arbeitslage wird der Apparat durch eine rückwärts an der Druckklappe angebrachte Nase gehalten, die sich in einen Einschnitt derjenigen Achse legt, auf welcher sich der ganze Spulapparat durch Vermittelung einer Spiralfeder verschiebt, um die Zahnräder auſser Eingriff zu bringen. Diese Verschiebung |509| oder die Auslösung des Apparates erfolgt, sobald die Klappe sich durch die Bewickelung der Spule so weit zurück bewegt hat, daſs ihre Käse aus dem erwähnten Einschnitte tritt.

Wer einmal einen neueren Spulapparat benutzt hat, wird gern zugeben, daſs diese kleine maschinelle Einrichtung wegen ihrer Einfachheit und Brauchbarkeit eine recht praktische Zugabe zur Schiffchennähmaschine geworden ist. Der Arbeitsvorgang bedarf keiner besonderen Geschicklichkeit, keines mühsamen Erlernens; – man legt einfach die Schiffchenspule ein, führt den Faden in der vorgeschriebenen Weise zu derselben, bringt den Apparat in Gang und nach kurzer Zeit zeigt dieser selbstthätig an, daſs die Spule mit gleichmäſsig neben einander liegenden Fadenlagen voll bewickelt ist. Wie die groſse Zahl der in letzter Zeit erfundenen selbstthätigen Spulapparate beweist, sind dieselben ein begehrter Artikel geworden; man hat einem Bedürfnisse abgeholfen und doch könnten die Vortheile des Spulapparates überboten werden durch eine Nähmaschinen-Construction, deren Unterfaden direkt von einer im Handel gangbaren Garnrolle abgenommen werden kann. Es erscheint geradezu unökonomisch, die auf mechanischem Wege so gleichmäſsig bewickelten Garnrollen, wie solche in den Handel gebracht werden, wieder ab- und von Neuem auf eine kleinere Spule aufzuwickeln. Man hat daher schon seit vielen Jahren (vgl. Lathrop 1873 207 * 24. Du Laney, Polytechnisches Centralblatt, 1872 S. 1319) diese Aufgabe bisher freilich ohne durchschlagenden Erfolg zu lösen versucht.

Nachdem die Du Laney'sche Construction von J. R. V. de Castro in Porto, Portugal (* D. R. P. Nr. 3150 vom 30. December 1877 und Zusatz * Nr. 20954 vom 26. November 1881) wesentlich verbessert worden ist, bringen Castro und Lind in Hamburg die in Fig. 7 bis 12 Taf. 36 dargestellte Doppelsteppstich-Nähmaschine, welche direkt den Unterfaden von einer Garnrolle abzieht, in den Handel. Die Gesammtanordnung gleicht im Allgemeinen der Wheeler- und Wilson-Nähmaschine Nr. 8 und trägt, ebenfalls wie diese, auf der Hauptwelle W das zur Nadelstangenbewegung dienende Kreisexcenter E. Zwischen den Lagern A und B dieser Welle sitzt die Curvenscheibe C, welche den Fadengeber H bewegt. Die Fortsetzung w der Hauptwelle ist etwas zur Seite versetzt und beide Wellen durch eine Kurbelschleife k verbunden, wodurch w eine ungleichförmige Drehbewegung erhält. Durch Einschaltung dieser Kurbelschleife ist es möglich, der Curve der Scheibe C eine praktisch verwendbare Steigung geben zu können.

Der Rückermechanismus ist demjenigen der Singer-Nähmaschine sehr ähnlich. Der Mitteltheil r (Fig. 8) ruht auf dem Excenter e (Fig. 7), welches die Hebung und Senkung vermittelt und oberhalb die zur Stoffverschiebung erforderlichen Zähnchen z trägt. Die Schiene oder der Hebel s erhält seine Bewegung durch einen kleinen einarmigen Hebel h (Fig. 8 und 9) und dieser wiederum durch das Vorschubexcenter e1. |510| Die entgegengesetzte Seite der Schiene s ist durch einen Bolzen b beweglich mit der Rückerschiene r verbunden, so daſs letztere unbehindert auf- und abgehen kann. Ferner ist der Drehpunkt T der Schiene s behufs Veränderung der Stichlänge auf bekannte Weise verschiebbar angeordnet. Der ganze Rückermechanismus wird durch die Federn f und f1 vor- und zurückgezogen.

Die Haupterfindung an dieser Nähmaschine besteht in dem Spulgehäuse S (Fig. 11) und dem Garnrollenhalter L (Fig. 10), welch letzterer die Aufnahme der käuflichen Garnrollen gestattet. Zieht man die Röhre o aus dem Garnrollenhalter heraus, so kann man die Garnrolle in L einführen. Nachdem o wieder heruntergeschoben ist, wird das freie Fadenende um den Steg n geleitet und dann der Reihe nach durch die Einfädelungslöcher 1 bis 4 gezogen. Zwischen 3 und 4 liegt eine kleine Feder v, welche zur Regulirung der Spannung des Unterfadens dient. Hierauf wird der Garnrollenhalter von oben in das Gehäuse S eingeschoben, bis die kleine Feder x, welche im unteren Theile des Garnrollenhalters eingelegt ist, sich auf den Steg u legt. Eine Feder i des Gehäuses S verhütet das Heben des Garnrollenhalters beim Anziehen des Stiches. Durch den Greifer g (Fig. 7) wird die aus dem Oberfaden gebildete Schleife über die Spitze des Garnrollenhalters L gebracht, während durch das Anziehen des Oberfadens mittels des Fadengebers H die Schleife vollends über L hinweg gezogen wird. Die Federn x und i (Fig. 10 und 11) gestatten den leichten Durchgang zwischen dem Gehäuse S und Garnrollenhalter L.2)

Die zwei folgenden Nähmaschinen-Constructionen verfolgen ebenfalls den Zweck, den Unterfaden von einer groſsen Garnrolle abzuziehen; jedoch tritt in beiden Ausführungen das Schiffchen mit in Thätigkeit, während der Greifer nur als Schleifenöffner dient und ein Durchschlüpfen des groſsen Schiffchens ohne Fadenbruch ermöglicht3); auſserdem zeigen beide besondere Einrichtungen, um den Stich anzuziehen.

|511|

Bei der Doppelsteppstich-Nähmaschine für die Verwendung groſser Unterfadenspulen von A. Guillaume und A. Lambert in Fosses bei Namur (* D. R. P. Nr. 21191 vom 12. April 1882) gleitet das Schiffchen a (Fig. 13 bis 15 Taf. 36) in der unterhalb der Nähplatte befestigten Bahn b, welche in der Mitte einen Ring c (Fig. 13 und 15) trägt. Derselbe ist links von c1 bis c2 etwas vertieft und innen coniseh ausgedreht, um einen zweiten Ring d sicher zu halten. Dieser Ring d hat auf seiner vorderen Stirnfläche zwei schiefe Ebenen, welche sich diametral gegenüber liegen und genau so hoch sind wie der höchste Theil des festliegenden Ringes c. Das eine Ende e der schiefen Ebenen ist zu einem Greifer ausgebildet, dagegen das andere Ende e1 abgerundet. Die hintere Seite des Ringes d ist mit einem Zahnrade verbunden, welches in den Zahnbogen g eingreift; letzteres sitzt auf einem Winkelhebel hh1, dessen kürzerer Arm h1 mittels der Curvennuth i bewegt wird.

Die Bewegung des Schiffchentreibers k und somit diejenige des Schiffchens a erfolgt auf folgende eigenthümliche Weise: Der eine Arm l des die Nadelstange bewegenden Winkelhebels ll1 trägt auf der einen Seite eine Rolle (Fig. 14), welche sich in der Curvennuth m fuhrt, auf der anderen Seite ein gezahntes Bogenstück n, welches in das Zahnrad n1 eingreift. Auf der Achse des Rades n1 sitzt die schwingende Kurbel o, welche durch eine Pleuelstange mit dem Schiffchentreiber k in Verbindung steht. Die Bewegung der Nadel und des Schiffchens erfolgt somit von ein und derselben Curvennuth m aus.

Hat nun die Nadel in das Waarenstück gestochen und sich so weit erhoben, daſs der Nadelfaden eine kleine Schleife bildet, so tritt der Greifer e in diese Schleife, um sie zu erweitern. Dabei legt sich der links liegende Fadentheil um den Ring d, während der andere Fadentheil dem Greifer e folgt, bis letzterer ungefähr 180° seiner Drehung zurückgelegt hat. Das cylindrische Schiffchen ist unterdessen in die Schleife eingetreten, erweitert diese vollends und schlüpft hindurch. Nun kommt die Erhöhung o des Ringes d (vgl. Fig. 15) zur Wirkung und schiebt die Fadenschleife vom Ringe d ab; der Greifer läſst durch seinen Rückgang ebenfalls den Faden frei, so daſs der Stich jetzt angezogen werden kann. Dies geschieht durch das Aufsteigen der Nadelstange, welche den Fadenheber p (Fig. 13) hebt; doch reicht die Bewegung desselben nicht aus, um die vorhandene Fadenmenge abzuziehen, und haben deshalb die Erfinder den Oberfaden über die Nadelstange hinweg geführt, um so auf einfache Weise den vollständigen Fadenabzug zu erreichen.

Die Doppelsteppstich-Nähmaschine zum Vernähen groſser Unterfadenspulen von Louis Stresemann in Berlin (* D. R. P. Nr. 21554 vom 13. Juli 1882) enthält zwei horizontale Wellen; die obere a (Fig. 16 Taf. 36) bewegt in der bei Singer-Nähmaschinen üblichen Weise das Schiffchen und die Nadelstange und diese wieder die Fadenheber. Die unter der Nähplatte gelagerte Welle b bringt den Schlingenerweiterer und den |512| Stoffrücker in Thätigkeit. Die Drehung der Welle a wird durch ein sogen. Kurbeldreieck auf die Welle b übertragen. Hierzu ist eine Hilfskurbel c angebracht, welche durch eine winkelförmige Pleuelstange d (vgl. Fig. 17) mit den gleich groſsen Kurbeln von a und b gekuppelt ist.

Der Greifer oder Schlingenerweiterer zeigt nachstehende Anordnung: An dem Querstege e (Fig. 16) ist ein Schieber f angebracht, welcher beständig durch die Feder g an die Stirnfläche der Scheibe h gedrückt wird. Der Schieber f nimmt das Lager der Greiferachse auf, welche so in ihrem Lager ruht, daſs dieselbe durch Vermittelung der Hubscheibe i eine Längsbewegung ausführen kann. Eine Feder bewirkt die rückgängige Bewegung. Auſserdem ist der Greiferarm rückwärts verlängert, um durch die Scheibe k den Greifer zu senken, während dessen Hebung durch die Feder l besorgt wird. Die Hubscheiben r und s sind für die Stoffrückerbewegung vorhanden.

Während nun die Nadel in den zu nähenden Stoff einsticht, drückt die Hubscheibe i den Greifer in die Schilfchenbahn (Fig. 17). Hat die Nadel ihre tiefste Lage erreicht und sich so weit erhoben, daſs der Oberfaden eine kleine Schleife bildet, so wirkt die Erhöhung der Scheibe h auf den Schieber f und veranlaſst den Greifer, in dieselbe einzutreten. Sodann wird durch die Hubscheibe k der Greifer gesenkt und die Schleife verlängert, in welche nun das Schiffchen eintritt, um sie genügend zu erweitern und hindurch zu schlüpfen; indessen geht der Greifer in seine Anfangslage zurück. Die groſse Fadenmenge, welche für den Durchgang des Schiffchens verbraucht wurde, muſs wieder zurückgezogen werden. Zu diesem Zwecke dienen hier zwei Fadenheber m und m1 (Fig. 17) und ist der Faden von der Oese n unter den Haken p und durch den Fadenheber m1, sodann unter den Haken q und durch den Fadenheber m nach der Nadel eingezogen. Werden die Fadenheber durch die aufsteigende Nadelstange gehoben, so wird eine Fadenlänge gleich dem doppelten Hube der Nadelstange abgezogen.

Im Allgemeinen dürfte wohl diese Construction weniger vortheilhaft als die der vorher beschriebenen Nähmaschinen sein.

Von den drei neueren Einrichtungen für das Ausheben des Schiffchens zeichnet sich ihrer Einfachheit wegen diejenige von Heinr. Aufderheide in Kaiserslautern (* D. R. P. Nr. 21420 vom 22. April 1882) vortheilhaft aus. Hier ist unterhalb der Schiffchenbahn eine Feder a (Fig. 18 Taf. 36) angebracht, welche während der Arbeit durch den Schieber d niedergehalten wird. Sobald man den Schieber zur Seite zieht, kommt die Feder a in die punktirte Lage und das Schiffchen steigt, während es sich in seine hinterste Lage bewegt, über die Nähplatte empor und kann so leicht erfaſst werden, oder springt von selbst heraus, wenn das Schiffchen bereits vor dem Aufziehen des Schiebers die entsprechende Stellung eingenommen hat. Das abgebogene Ende b der Feder a begrenzt die Höhenlage derselben und der federnde Stift c den Weg des Schiebers d.

|513|

Die Vorrichtung zum Ausheben des Schiffchens von Junker und Ruh in Karlsruhe (* D. R. P. Nr. 21810 vom 14. Mai 1882) ist derjenigen von M. Vogel (vgl. 1883 248 * 277) sehr ähnlich. Der doppelarmige Hebel ist hier rechtwinklig zur Schiffchenbahn angeordnet und wird durch einen Drücker, welcher aus der Nähplatte hervortritt und während der Arbeit durch eine besondere kleine Platte verdeckt wird, behufs Ausheben des Schiffchens in Bewegung gesetzt. Eine Feder führt den Hebel in seine Ruhelage zurück.

Jac. Roehrig in Dresden (* D. R. P. Nr. 23006 vom 29. August 1882) bewirkt das Ausheben des Schiffchens dadurch, daſs er, wie M. Vogel, einen Hebel parallel zur Schiffchenbahn anordnet und einen Draht an dem Schieber, welcher die Schiffchenbahn verdeckt, befestigt, der einerseits ebenfalls das Schiffchen an den zum Ausheben desselben passenden Platz bringt, andererseits aber noch zur Bewegung des genannten Hebels dient. Hierzu wird dieser Hebel am hinteren Ende durch zwei Schrauben beweglich gehalten, welche durch schräge Führungsschlitze reichen. Oeffnet man den Schieber, so kommt sein Draht an einen Vorsprung des Hebels, ertheilt demselben eine kleine Längsbewegung und zwingt ihn mittels der Führungsschlitze, an den Schrauben aufzusteigen, um das Schiffchen zu heben. Eine Feder führt den Hebel in die anfängliche Lage zurück.

Gl.

|505|

Vgl. Seidel und Naumann 1879 231 * 28. Thiemer 1879 232 * 40. Schrabetz 1879 233 288. Gebrüder Nothmann 1879 233 * 288. Gebrüder Giese und Comp. |506| 1879 233 * 289. Durkopp und Comp. 1880 235 * 33. Berndt und Brune 1881 240 * 441.

|510|

Der Leitsteg n des Garnrollenhalters hat den Zweck, den Faden möglichst senkrecht von der Garnrolle mit gleichbleibender Spannung abzuziehen; seine Form wird entsprechend diesen Bedingungen eine bestimmte sein müssen, wie sich aus folgender Betrachtung ergibt.

Ist k2 (Fig. 12 Taf. 36) die Kraft, mit welcher der Faden von der Garnrolle abgezogen werden muſs, so ist die nach o gerichtete Kraft k3 um den Faden durch das Einfädelloch zu ziehen, gleich feg, vorausgesetzt, daſs man die Reibung auf dem Stege vernachlässigen kann. Ist ferner k1 die Kraft, welche dem Auf- und Abgleiten des Fadens auf dem Stege entgegenwirkt, so ergibt sich nach Aufzeichnung des Kräfteparallelogrammes, daſs Winkel abd = Winkel bdf und da Winkel bdf = Winkel dbf, weil Dreieck dbf gleichschenkelig ist, so erhält man Winkel abd = Winkel dbf, d.h. der Winkel abf wird durch die Tangente halbirt und da dies für alle diese Winkel zutrifft, so muſs die fragliche Curve eine Parabel sein, für welche bekanntlich die Tangente den Winkel des Fahr- und Parallel strahl es halbirt. Das Einfädelloch o muſs mit dem Brennpunkte der Parabel zusammenfallen.

|510|

Vgl. Frister und Roſsmann 1881 242 * 350. Hurtu und Hautin 1882 245 * 445.

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