Titel: Elektrische Beleuchtung der Kettenbrücke zwischen New-York und Brooklyn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 5 (S. 47–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi01_5

Elektrische Beleuchtung der Kettenbrücke zwischen New-York und Brooklyn.

Bei Beginn des Baues der kürzlich dem Verkehre übergebenen Kettenbrücke zwischen New-York und Brooklyn dachte Niemand an die Möglichkeit elektrischer Beleuchtung. In der jüngsten Zeit erst holten die Ingenieure Gutachten bei verschiedenen Gesellschaften ein, welche sich mit der Verbreitung des elektrischen Lichtes in Amerika beschäftigen.

Die Vorschläge der Compagnie Edison auf Verwendung von Glühlampen fanden keine günstige Aufnahme; man hoffte unter den vorliegenden Verhältnissen eine vollkommenere Vertheilung des Lichtes und einen geringeren Aufwand an Betriebskraft durch Anwendung von Bogenlichtern erreichen zu können. Unter diesen zog die Commission besonders die Lampen der Compagnie Weston und die der Compagnie Brusk in Betracht; endlich entschied man sich für das System Weston, weil dieses gröſsere Betriebssicherheit und bessere Ausnutzung der Betriebskraft verhieſs; die Brücken-Gesellschaft selbst muſs den Elektrikern die nöthige Kraft liefern.

Um Beschädigung von Personen von den metallenen Leitungsdrähten aus möglichst zu verhüten, wurden nach der Revue industrielle, 1883 * S. 254 die Lampen so construirt, daſs die Kohlenstäbe nur sehr wenig von einander entfernt sind; |48| die Bogenlänge miſst nur 0mm,8, während sie bei anderen Lampen 1,5 bis 3mm beträgt. Daher ist auch die Spannung des Stromes geringer als in anderen Fällen; überdies ist der Gleichstrom der Weston-Maschine von geringerer Gefährlichkeit als die Wechselströme, welche die Brush-Maschinen liefern.

Die Stromleiter muſsten sorgfältig gegen die Brücke isolirt sein, weil letztere ganz aus Metall besteht. Die nöthigen 70 Lampen liegen in zwei Stromkreisen zu je 35. Die Hauptöffnung hat 14 Lampen, die beiden Zugangs-Öffnungen zusammen 50 erhalten; der Rest kommt auf die äuſsersten Stationen und den Maschinenraum, welcher auf der Seite von Brooklyn liegt. Die beiden Stromkreise sind ganz unabhängig von einander und enthalten 6km Kabel; die auf einander folgenden Lampen liegen abwechselnd in dem ersten und dem zweiten. Jeder Stromkreis wird von zwei hinter einander geschalteten Dynamomaschinen von 20 Lichtern gespeist, welche durch eine Corliſsmaschine getrieben werden. Das Kabel besitzt über dem metallenen Leiter eine Isolirschicht und darüber ein Geflecht. Es ruht in gewissen Abständen auf metallenen Trägern mittels hölzerner, mit Paraffin getränkter Unterlagen.

Die Lampen enthalten doppelte Kohlenstifte und dadurch eine längere Brenndauer.

Für den an sich höchst unwahrscheinlichen Fall, daſs einmal beide Stromkreise gleichzeitig versagen sollten, hat man dafür gesorgt, daſs man sie an das elektrische Beleuchtungsnetz der Stadt New-York anschlieſsen kann.

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