Titel: Die elektrische Beleuchtung der Louvre- Magazine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 5 (S. 89–90)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi02_5

Die elektrische Beleuchtung der Louvre- Magazine.

Die elektrische Beleuchtung der groſsen Magazine des Louvre in Paris besteht bereits seit dem J. 1877; damals hatte man die Räume zu ebener Erde mit einer leuchtenden Decke versehen, gebildet aus matt geschliffenen Glasscheiben, welche die Strahlen eines Serrin'schen Regulators dämpften und zertheilten. Den Strom lieferte eine Gramme'sche Gleichstrommaschine, getrieben von einer 3e-Locomobile. Bald nach der Erfindung der Jablochkoff-Kerzen wurde nach Engineering, 1883 Bd. 36 * S. 84 die neu erbaute Marengo-Halle während des Frühlings und Herbstes 1877 vorübergehend durch 6 solcher Kerzen erleuchtet, welche durch 2 Alliance-Maschinen gespeist wurden. Eine mehr auf Dauer berechnete Anlage wurde am 15. September 1877 vollendet und hatte 9 Kerzen; am 25. November waren 15 und im Frühjahre 1878 deren 23 vorhanden, von denen 7 bei Tage an den dunkeln Stellen der Geschäftsräume brannten, die anderen 16 aber bei Nacht 201 Gasflammen ersetzten. Ende 1879 aber brannten im Louvre 120 Jablochkoff-Kerzen mit zusammen 75000 Kerzen Lichtstärke. Seitdem ist die Anlage nicht sehr wesentlich vergröſsert worden, weil es unter den Magazinen an Raum zur Aufstellung neuer Maschinen fehlt. Zur Zeit sind 4 Berjot-Bogenlampen, 150 Jablochkoff-Kerzen und 58 Edison-Glühlichter im Betriebe.

Im Erdgeschosse brennen die 4 Bogenlampen, 2 in der Palais-Royal-Halle und 2 in der Marengo-Halle; ferner 111 Kerzen, davon 96 bloſs bei Nacht, 5 nur bei Tag und 10 bei Tag und Nacht. Die Kerzen, welche 1013 Gasflammen ersetzen, sind theils auf Kandelabern angebracht, theils an Wand- und Hängearmen. Im Zwischengeschosse ersetzen 27 Kerzen 149 Gasflammen. Die 58 Edison-Lampen befinden sich in verschiedenen Bureaux und ersetzen 58 Gasflammen. Das erste Stockwerk ist zum groſsen Theile vom Hotel du Louvre eingenommen und enthält nur 9 Kerzen an Stelle von 107 Gasbrennern. Der früher von 88 Gasflammen erleuchtete Hof des Hotels hat 9 Kerzen, der glänzend erhellte Speisesaal ebenfalls 9 Kerzen als Ersatz für 706 Gasbrenner, nämlich 22 Gruppen von 19 und 4 Kronen zu 72.

Den für die Maschinen nöthigen Dampf liefern 2 Belleville-Kessel zu 40e bezieh. zu 50e. Die beiden 35e-Corliſs-Maschinen sind an dieselbe Triebwelle gekuppelt, welche 70 Umdrehungen in der Minute macht und mittels Riemen eine zweite Welle im Kellergeschosse mit 277 Umdrehungen treibt. Von letzterer werden die in 2 Gruppen zu beiden Seiten eines Mittelweges aufgestellten Stromerzeuger getrieben, nämlich: 1) eine Wechselstrommaschine von De Méritens (905 Umdrehungen) für 25 Kerzen (20 im Zwischengeschosse, 5 im Erdgeschosse) in 5 Stromkreisen; 2) eine Gramme'sche Wechselstrommaschine (995 Umläufe) für 24 Kerzen (15 im Erdgeschosse und 9 Tag und Nacht brennende im Bettzeug-Magazine des Hotels) in 8 Kreisen, erregt durch eine Gramme'sche Gleichstrommaschine mit 600 Umdrehungen; 3) eine der früheren gleichen Maschine von De Méritens für 5 Kerzen im Erdgeschosse und die 4 Bogenlampen in besonderem Kreise; 4) zwei weitere Gramme-Maschinen derselben Art für 12 Kerzen im Keller-, 3 im Zwischengeschosse und 9 im ersten |90| Stocke. Die Leiter von diesen Stromerzeugern sind an einen Rahmen mit 25 Umschaltern geführt; für die 3 besonderen, die 9 beständig brennenden Kerzen speisenden Stromkreise der erstgenannten Gramme-Maschine ist ein besonderer Umschalter vorhanden, da diese Kerzen den Strom tagsüber von einer anderen Maschine erhalten als bei Nacht und die Umschaltung ohne merkliches Erlöschen des Lichtes erfolgen muſs.

Der zweite Theil der Anlage enthält ebenfalls 2 Corliſs-Maschinen von je 35e, welche treiben: 1) eine Gramme-Maschine und deren Erreger für 24 Lampen; diese geht von 9 Uhr Morgens bis 10¼ Abends, wird bei Tag fürs Magazin benutzt, Abends für 9 Lampen im Hofe des Hotels, 9 Lampen im Speisesaale und 6 im Erdgeschosse; sie hat 17 Umschalter, 8 für den Tag, 8 für die Nacht und 1 für die erregende Maschine; 2) zwei Pumpen; 3) eine Edison-Maschine für die Glühlampen; 4) eine Gramme-Maschine für Kraftübertragung nach dem Hause Rue de Valois Nr. 2 (1100 Umläufe); 5) eine Gramme-Maschine für 24 Jablochkoff-Kerzen im Erdgeschosse mit 9 Umschaltern für die 8 Stromkreise und den Erreger; 6) ein Paar Gramme-Maschinen für 24 Kerzen; diese laufen von 9 Uhr Morgens bis zum Abend und speisen am Tage bloſs 5 Kerzen, Abends 24 im Erdgeschosse.

Die durch das elektrische Licht ersetzten 1269 gröſseren Fledermaus-Brenner und 706 kleineren Gasflammen verbrauchten je 6 bezieh. 0,5 Cubikfuſs engl. Gas in der Stunde, zusammen 7967 Cubikfuſs Gas oder nahezu 200000 Cubikfuſs Luft, d.h. also rund 226cbm Gas und 5660cbm Luft; da die Jablochkoff-Kerzen 5g, die Bogenlampen 10g Kohle in der Stunde verbrennen, so verderben sie höchstens 10cbm Luft in der Stunde.

Minder ausgedehnt sind die elektrischen Beleuchtungsanlagen in den Magazins du Printemps (104 Glühlampen und 50 Maxim'sche Bogenlampen und des Bon-Marché (480 Edison-A-Lampen), über welche nebst zwei noch kleineren Anlagen die Elektrotechnische Zeitschrift, 1883 S. 172 nach der Lumière électrique, Bd. 7 S. 630 berichtet.

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