Titel: Ueber blau gefärbtes Steinsalz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 7 (S. 90–91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi02_7

Ueber blau gefärbtes Steinsalz.

Als mineralogische Seltenheit tritt bekanntlich im Staſsfurter Salzlager blau gefärbtes, durchsichtiges Steinsalz auf, dessen Vorkommen hauptsächlich an das jüngere Steinsalzlager gebunden ist. Nach B. Wittjen und H. Precht (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 1454) wurde diese Abart im Salzwerke Neu-Staſsfurt vorzugsweise am Liegenden des jüngeren Steinsalzlagers beobachtet, wo letzteres durch Anhydrit begrenzt wird, und hier namentlich an solchen Punkten, wo die Verwerfungen des Anhydrits Veranlassung zur Bildung von Spalten und Hohlräumen gaben. In geringerer Menge findet es sich auch mitten im eigentlichen Steinsalzlager, eingebettet im sogenannten Knistersalz, sowie in Spuren eingesprengt im Kainit der oberen Sohlen. Das an diesen Orten vorkommende Steinsalz zeigt nicht die grob krystallinische Structur des Steinsalzlagers, sondern bildet durchgehends klare, durchsichtige Krystallmassen von fast chemisch reiner Beschaffenheit und ist auf Grund dieser Eigenschaften und besonders des örtlichen Vorkommens wohl unzweideutig einer späteren, durch Ausfüllung der Spalten und Hohlräume erfolgten Bildung zuzuschreiben.

In diesem von zahlreichen kleinen, Gase – namentlich atmosphärische Luft – einschlieſsenden Hohlräumen durchsetzten, groſskrystallinischen Salze treten nun die matt- bis dunkelblau, selten violett gefärbten Salzpartien wie wolkenartige Gebilde auf. Bei einer näheren Betrachtung der blauen Spaltungsstücke beobachtet man nicht selten dunklere, blaue Linien oder Streifen, welche in der Regel diagonal, also in der Richtung der Oktaederflächen, bisweilen aber auch parallel den Hexaederflächen verlaufen. Diese Streifen sind dadurch |91| besonders interessant, daſs sie, im durchfallenden Lichte betrachtet, nur dann dem Auge sichtbar werden, wenn das Spaltungsstück sich zu den gedachten Oktaëder- bezieh. Hexaederflächen in einer schrägen Stellung befindet und zwar derart, daſs die Streifen bei der Drehung des Spaltungsstückes anfangs als feine Linien erscheinen, dann gleichmäſsig an Breite zunehmen, bis sie plötzlich verschwinden. Da nun, wie durch Versuche gezeigt wird, im blau gefärbten Salze kein eigentlicher Farbstoff vorliegt, so ist es wahrscheinlich, daſs das betreffende Salz nach den erwähnten Richtungen von dünnen, parallelwandigen Hohlräumen mit Gaseinschlüssen durchsetzt ist, welch letztere von den einfallenden Lichtstrahlen nur die blauen reflectiren.

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