Titel: Luft-Treibtorpedos.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 2 (S. 137–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi03_2
|138|

Luft-Treibtorpedos.

Bei den in der Presse neuerdings auftauchenden Gerüchten über die Bewaffnung der Ostgrenze Frankreichs mit einer sich an der ganzen Grenze entlang erstreckenden Kette von Minen, welche im Falle eines Krieges mit Deutschland einen Einfall des deutschen Heeres in Frankreich unmöglich machen sollen, mag eine Erfindung von C. Georg Rodeck in Charlottenburg (* D. R. P. Kl. 72 Nr. 22956 vom 30. Juli 1882) näher erwähnt werden, welche bezweckt, Torpedos mittels Luftballons über belagerte Städte, feindliche Lager u. dgl. zu führen und in dem Augenblicke, wo sie über dem Zielobjekte stehen, auszulösen, um auf diese Weise gefahrlos groſse Mengen brisanter Sprengstoffe gegen den Feind verwenden zu können. Für kleinere Entfernungen kann man den Luftballon, der von der Luftströmung über das Zielobjekt geführt werden muſs, mittels eines elektrischen Kabels mit einer am Abgangsorte stehenden Batterie verbinden, so daſs der Torpedo in jedem Augenblicke abgelöst werden kann. Der Ablösungsvorrichtungen lassen sich viele construiren. Die Explosion des Torpedo erfolgt in diesem Falle durch Percussionszünder durch den Aufschlag am Zielobjekte. Man kann den Torpedo auch mit einem Zeitzünder versehen, welcher von der elektrischen Ablösevorrichtung im Augenblicke der Trennung des Torpedo vom Luftballone entzündet wird. In welchem Falle diese Zeitzündung anzuwenden wäre, ist in der Patentschrift nicht gesagt. Es scheint bei einem Seekriege; denn es wird davon gesprochen, daſs man den Torpedo durch einen inneren Luftraum oder einen Korkgürtel schwimmend machen könne.

Beim Gebrauche solcher Torpedos mit Zeitzündung müssen vorher Probeballons von gleicher Steigkraft und Gröſse wie der Torpedoballon abgelassen werden, um sowohl die Zeitdauer vom Augenblicke des Abganges bis zu dem Punkte, wo die Ablösung des Torpedo erfolgen soll, als auch die Höhe, aus welcher der Torpedo fallen soll, möglichst genau bestimmen zu können. Auch empfiehlt Rodeck mit der Ablösevorrichtung das Gasventil des Ballon in Verbindung zu setzen, so daſs letzterer nach der Ablösung des Torpedo sinken und von dem Absender wieder eingefangen werden kann, was bei belagerten Festungen möglich ist. Für gröſsere Entfernungen wird vorgeschlagen, das Kabel, welches die Ablösevorrichtung mit der elektrischen Batterie am Abgangsorte verbindet, durch kleine Ballons zu tragen. Letztere besitzen zu diesem Zwecke unten einen einfachen Karabinerhaken, mittels dessen sie mit dem Kabel beim Abwickeln am Abgangsorte verbunden werden. Will man dieses Verfahren nicht einschlagen, so empfiehlt Rodeck die Anwendung eines Begleitballon. In diesem Falle werden die elektrische Batterie und die dieselben bedienenden Personen in den Korb des Begleitballon verlegt, während die Torpedoballons mit der Batterie durch Kabel verbunden unter ersterem schweben. Hierbei ist natürlich eine viel genauere Ortsbestimmung möglich als bei dem ersten Verfahren, bei welchem immer mehrere, zum Zielobjekte im Winkel liegende Beobachtungspunkte nothwendig sind. Begleitballons empfehlen sich deshalb besonders bei Nacht. Dieselben sind specifisch etwas leichter als die Torpedoballons, so daſs sie 20m höher schweben als letztere. Ist der Torpedo abgelöst, so wird gleichzeitig das Verbindungskabel zwischen Torpedo- und Begleitballon durchschnitten. Dadurch wird ersterer sich selbst überlassen und, da zugleich das Gasventil geöffnet worden ist, bald sinken.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: