Titel: Ueber die chemische Natur des amorphen Kohlenstoffes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 5 (S. 139)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi03_5

Ueber die chemische Natur des amorphen Kohlenstoffes.

Nach Versuchen von W. Spring vereinigt sich unter einem Drucke von 6500at Schwefel mit Magnesium, Zink, Cadmium, Eisen, Blei und anderen Metallen, nicht aber mit rothem Phosphor und Kohlenstoff. Spring meint, man könne die verschiedenen allotropischen Modificationen des Kohlenstoffes als Polymerisationen des Kohlenstoffes, so wie er in den Verbindungen vorkommt, betrachten. Nur der Kohlenstoff, welcher bei gewöhnlicher Temperatur fast keine chemische Verwandtschaft besitzt, verbindet sich sehr leicht mit dem Sauerstoffe bei einer Temperatur, wo die specifische Wärme anfängt, dem Gesetze von Dulong und Petit unterworfen zu sein, was Rose schon seit mehreren Jahren bewiesen hat. Diese Thatsache, daſs, um die chemische Kraft des Kohlenstoffes hervorzurufen, Wärme nothwendig ist, kann als ein Beweis dafür gelten, daſs der Kohlenstoff erst in eine andere allotropische Modification übergeht. Will man noch weiter gehen, so kann man annehmen, daſs der Kohlenstoff, so wie er in den organisirten Körpern vorkommt, sich in einem uns unbekannten allotropischen Zustande befindet. Dieser Zustand wäre dadurch charakterisirt, andere Eigenschaften zu besitzen und neue Arten von Verbindungen einzugehen, die im Lebensprozesse einen Ausdruck finden.

Es muſs also, in anderen Worten gesagt, ein Kohlenstoffderivat, bevor es die Functionen eines organisirten Körpers annehmen kann, eine Umwandlung seiner Atome erfahren, ebenso wie der amorphe Kohlenstoff, um in die Zusammensetzung der organischen Körper einzutreten. Dieser Gedankenfolge nach wäre die organische Chemie der erste Schwächungszustand der biologischen Chemie, wie der gewöhnliche Kohlenstoff nur der kraftlose Ueberrest der organischen Chemie ist. (Nach den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 1001.)

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