Titel: G. Beringer's Mittel gegen das Tönen der Telephonleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 3 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi05_3

G. Beringer's Mittel gegen das Tönen der Telephonleitungen.

Wie überall anderwärts, hat auch in München während des Baues der dort herzustellenden Telephonleitungen das Tönen, Summen oder Surren der über und längs der Häuser geführten Leitungsdrähte sehr häufig Anlaſs zu Klagen seitens der Hausbewohner gegeben. Wenn auch mit dem einen oder dem anderen der bekannten Mittel dagegen, welche ohne Kosten und Mühe zu scheuen angewendet wurden, eine merkliche Minderung dieses Uebelstandes erreicht wurde, eine gänzliche Beseitigung des Tönens war doch nicht zu ermöglichen und selbst alle Vorkehrungen, welche einigermaſsen genügten, hielten nicht für eine längere Dauer aus. Die angewendeten Mittel werden entweder durch Witterung und Temperatur in ihrer dämpfenden Eigenschaft beeinfluſst, oder es tritt allmählich bei fest anliegenden Dämpfern eine Veränderung in den Schwingungen des Drahtes ein, wodurch neuerdings wieder ein Tönen bemerkbar wird.

Telegraphen-Inspektor Georg Beringer, welcher mit der Ausführung der Telephonanlage in München betraut ist, hat seit einigen Jahren bei Telegraphenleitungen, welche an Gebäuden vorbeiführen und die Bewohner durch Tönen belästigten, diesen Miſsstand durch eine einfache lockere Umwickelung des Leitungsdrahtes mittels dünnen Drahtes auf eine entsprechende Ausdehnung längs der Gebäude vollständig beseitigt. Auch bei der Telephonanlage in München wurde dieses Mittel an den Leitungsabzweigungen zu den Sprechstellen mit Erfolg angewendet.

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Eine solche Vorkehrung ist jedoch bei vielen zusammengeführten Telephonleitungen, namentlich mit groſsen Spannweiten, nicht so leicht ausführbar, weshalb Beringer unter Beachtung des bewährten Abhilſsmittels eine geeignete Construction desselben behufs gänzlicher Beseitigung des Tönens der Drähte angegeben hat, von welcher in München bereits der ausgiebigste Gebrauch gemacht worden ist. Dabei wird folgendermaſsen verfahren: Ein je nach der Länge der Spannweite der Leitungen 1 bis 4m langes Stück 4mm,5 starken Eisendrahtes wird an seinem einen Ende zu einer zwei Umdrehungen haltenden Spirale (sogen. Oese) gebogen und an dieser ein längeres Stück 1,5 bis 2mm starken Eisendrahtes befestigt. Der Eisendraht wird mit seiner am Ende befindlichen Oese an den Leitungsdraht eingehängt und dann werden beide Drahtstücke unter stetem sehr lockeren Umwickeln des dünnen Drahtes um die Leitung und den starken Draht längs dieser allmählich so weit vom Isolator hinausgeschoben, bis die Enden der zwei Drahtstücke an der Isolirglocke angekommen sind, an welcher schlieſslich beide befestigt werden. Wird diese Vorrichtung zu beiden Seiten der Isolirglocke bei sämmtlichen Leitungen angebracht, so macht sie das Tönen derselben unmöglich. Will man das Tönen lediglich an bestimmten Stützpunkten verhindern, so empfiehlt es sich immerhin, das Verfahren auch bei den beiden benachbarten Leitungsträgern anzuwenden.

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