Titel: Härtbarer Stahlguſs von Gebrüder Glöckner in Tschirndorf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 5 (S. 283)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi06_5

Härtbarer Stahlguſs von Gebrüder Glöckner in Tschirndorf.

Bekanntlich wird nach mehreren Verfahrungsarten ein stahlartiges Eisen durch Zusammenschmelzen von Roheisen mit Schmiedeisen oder an Kohlenstoff armem Stahle gewonnen. Je nach dem Verhältnisse, in welchem diese Bestandtheile zusammengeschmolzen werden, hat man es in der Hand, ein Eisen darzustellen, welches in seinem Verhalten bald mehr dem Guſseisen, bald mehr dem Stahle ähnlich ist; in jedem Falle ist es aber Sache der Erfahrung, die Rohmaterialien so auszuwählen, daſs das gewonnene Product nicht Eigenschaften erhält, welche mit den Anforderungen an ein in der Technik verwendbares Eisen unvereinbar sind.

Gebrüder Glöckner in Tschirndorf (Schlesien) stellen nun durch Zusammenschmelzen von Roheisen mit 20 bis 80 Proc. Stahl eine Eisensorte her, welche sich härten läſst, daher zu Pflugschaaren und anderen landwirtschaftlichen Werkzeugen brauchbar ist, sowie sie auch in ihren härteren Sorten, welche sich auch im Feuer als sehr widerstandsfähig erweisen, zu Fettgasretorten, Ambossen u. dgl. sowie, in Eisenformen gegossen, zu Eisenbahnglocken benutzt wird. Im letzteren Falle wird das Eisen durch seine ganze Masse hindurch weiſs. Ganz besonders aber finden Bremsklötze aus einer Legirung mit 20 Proc. Stahl und 20 Proc. altem Stahlgusse, in Eisenformen gegossen, sowie anderes Eisenbahnmaterial eine ausgedehnte Verwendung.

Von zwei verschiedenen Sorten dieses Eisens wurden nun auf der kgl. mechanisch-technischen Versuchsanstalt zu Berlin je 5 gegossene quadratische Probestäbe von 31mm Dicke derart auf Biegungs-, Zug- und Druckfestigkeit untersucht, daſs diese Stäbe zunächst auf 1000mm freiliegend durch eine in der Mitte angreifende Belastung zerbrochen und alsdann aus den Bruchstücken Probestäbe für die Untersuchung auf Zug- und Druckfestigkeit herausgearbeitet wurden. Auf diese Weise läſst sich die in der äuſsersten Faserschicht des durchgebogenen Stabes im Augenblicke des Bruches herrschende mittlere Spannung bestimmen: bei der einen Sorte zu 39k,9, bei der anderen zu 33k,1, auf 1qmm bezogen. Ferner ergab sich die mittlere Bruchbelastung für Zug zu 22k,3 bezieh. 23k,5, für Druck dagegen zu 107k,8 bezieh. 110k,1. Die Elasticitätsgrenze wurde bei Beanspruchung auf Zug im Mittel überschritten bei einer Belastung von 4k,96 bezieh. 4k,6 auf 1qmm.

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