Titel: Ueber Glanz-Messing.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 6 (S. 329–330)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi07_6
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Ueber Glanz-Messing.

Wie Meidinger im Badischen Gewerbeblatt, 1883 S. 341 ausführt, kamen Mitte der 70er Jahre zuerst aus Antwerpen groſse Platten, Teller, Schilde mit groſsen Ornamenten, Köpfen u. dgl. aus gepreſstem Messingbleche in nicht sehr scharfem Relief auf den Markt, Nachahmungen alter handgetriebener Arbeiten, theils ganz blank, theils die Vertiefungen geschwärzt. Sie wurden als Cuivre repoussé bezeichnet und eignen sich namentlich zu Wanddecorationen.

Fast gleichzeitig brachte Paris als Neuigkeit unter der Bezeichnung „Cuivre poli“ kleinere Kunstgegenstände, wie Leuchter, Tintenfässer, Cigarrenbecher, Briefbeschwerer in Messingguſs, glänzend polirt, anfangs ganz in der natürlichen Messingfarbe, später die Vertiefungen geschwärzt, um durch den Farbengegensatz das Relief besser zu heben. Die Artikel fanden Anklang und bald bemächtigte sich die Berliner Industrie der Fabrikation derselben. Sie verstand durch stilvolle Formen und durch billigen Preis sich so beliebt zu machen, daſs sie nach wenigen Jahren die Pariser Waare vom Markte in der Hauptsache, in Deutschland wenigstens, geradezu verdrängte. (Die Firma Paul Stotz und Comp. in Stuttgart liefert seit etwa 2 Jahren ähnliche Artikel, welche mit der Berliner Waare auf dem Weltmarkte erfolgreich concurriren.)

Die Gründe für den billigen Preis dieser Bronzen sind theils in der Technik, theils in örtlichen Bedingungen zu suchen. In Bezug auf das erstere ist zu bemerken, daſs bei dem Berliner „Cuivre poli“ nicht die sorgfältige Nachbehandlung des Rohguſsstückes, die lange Zeit erfordernde und groſse Kosten verursachende Ciselirung der Oberfläche zur Anwendung kommt, wie bei der alten Bronze. Abgesehen von Entfernung der Guſsnähte, behandelt man die Oberfläche rein mechanisch mit auf der Drehbank laufenden Kratzbürsten, Schmirgelscheiben und Polirlappen und erzeugt damit den eigenthümlichen Glanz, welcher Unsauberkeiten des Gusses nicht zur Geltung kommen läſst. Als weiterer Grund, warum gerade in Berlin diese Artikel so billig gemacht werden können, kommt noch in Betracht, daſs der Rohguſs von einer Anzahl selbstständiger kleiner Meister besorgt wird, die von den eigentlichen Fabriken beschäftigt werden; erstere haben sich eine groſse Geschicklichkeit in Herstellung des Feinmessinggusses angeeignet, welche sie befähigt, mit geringstem Materialaufwande und rasch zu produciren.

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