Titel: Abbauverfahren durch Tagebau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 7 (S. 379)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi08_7

Abbauverfahren durch Tagebau.

Nach Bergdirector A. Arlt (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1883 * S. 406) hat das bei der Peter- und Paul-Braunkohlenzeche bei Dux mittels Tagebau in Gewinnung stehende Braunkohlenflötz eine Gesammtmächtigkeit von 10 bis 18m, wovon 7 bis 14m auf die compacte Oberbank von vorzüglicher Güte und 3 bis 4m auf die durch Lettenzwischenmittel getrennte Unterbank von minderer Qualität entfallen. Als Dachgebirge sind Dammerde, kiesiger Schotter, gelber Sand, grauer Letten und ruſsige Kohle in einer Mächtigkeit von 4 bis 6m aufgelagert.

Ist eine gröſsere Fläche der Oberbank von etwa 300 bis 500qm durch Abraum des erwähnten Dachgebirges entblöſst und ist so der Kohlenstoſs zum Abbaue freigestellt und hergerichtet, so werden an dem freistehenden, gegen die Hauptförderbahn im Tagebaue liegenden Kohlenstoſse, die Unterbank als Sohle behaltend, 3 bis 6 Einbrüche von 1m,7 Höhe, Im Breite und 4m Länge in der Kreuzstunde des freistehenden Kohlenstoſses und je 1m,5 von einander entfernt gehauen und diese Einbrüche sodann durch parallel zum Kohlenstoſse getriebene, 1m,7 hohe und 1m,5 breite Durchschlage verquert. Ist der Kohlenpfeiler derart vorbereitet, so werden die 1m,7 hohen, 1m,5 breiten oder starken und 2m,5 langen Zwischen- oder Sicherheitspfeiler (Beine) bis auf 1qm schwach gehauen, in 3 oder 4 derselben kurze Löcher gebohrt und diese je mit einer 4 bis 5cm langen, mit Kapsel und Zünder versehenen Dynamitpatrone Nr. II besetzt und gleichzeitig abgethan. Durch den Druck des mächtigen Kohlenpfeilers einerseits und durch die Erschütterung der abgethanen Schüsse andererseits werden die Beine zerdrückt und zerissen und der bisher freistehende Kohlenpfeiler geht zu Bruche. Auf solche Weise gewinnt man rasch bedeutende Massen von Braunkohle und ist in der Lage, durch das gleich- und mehrseitige Anlegen von Schienen zu dem geworfenen Kohlenpfeiler schnell mehrere Häuerpartien zugleich anlegen und Massen von Kohle fördern zu können.

Je rascher nun der von einem solchen geworfenen Kohlenpfeiler abgefallene Kohlenvorrath gefördert, sortirt und verladen werden kann, um so günstiger gestaltet sich auch der Procentsatz der verkäuflichen Kohle je nach der Korngröſse der einzelnen Sorten und man kann bei rascher Abförderung 40 Proc. an Stück-, 30 Proc. an Mittel-, 10 Proc. an Nuſs- und 20 Proc. an Löschkohle (unverkäuflicher Abfall) gewinnen, während, im Falle die Abförderung der geworfenen Kohle nicht rasch erfolgen könnte und die groſse Fläche derselben längere Zeit den Witterungseinflüssen ausgesetzt bleiben müſste, besonders zur Frühjahrs- und Sommerszeit, einmal durch den Druck der über einander geschobenen Kohlenmassen und dann durch die an und für sich leichte Verwitterung der Braunkohle selbst, sich der Procentsatz der Stück- und Mittelkohle bedeutend verringern und jener der Nuſskohle und des unverkäuflichen Abfalles erhöhen wird, so zwar, daſs der Lösch- d. i. unverwerthbare Abfall-Procentsatz sich bis auf 35 Proc. steigern kann.

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