Titel: Explosion eines Dampfkessels mit kupfernem Rauchrohre.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 2 (S. 423–424)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi09_2
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Explosion eines Dampfkessels mit kupfernem Rauchrohre.

Nach einem Berichte von L. Luuyt in den Annales des Ponts et Chaussées, 1883 S. 232 explodirte am 1. August 1882 auf dem Bahnhofe zu Cheylas der Kessel eines fahrbaren Dampfkrahnes, wobei der Heizer leicht verbrannt und 10m weit fortgeschleudert wurde. Derselbe war jedoch nach kurzer Zeit wieder hergestellt. Der vertikale Kessel, im J. 1878 von der Société du Creusot gebaut und am 31. Januar 1879 auf 9at geprüft, war mit innerer Feuerbüchse, Field'schen Röhren und einem centralen, Feuerbüchsdecke und Kesseldecke verbindenden Rauchrohre versehen. Dieses letztere, dessen Bersten die Explosion hervorrief, war ein gezogenes Kupferrohr von 200mm Durchmesser und hatte ursprünglich 7mm Wanddicke. Es riſs im Dampfraume auf einer Länge von 200mm parallel zur Achse auf, wobei die Ränder des Risses nach innen gebogen wurden.

Bei der Untersuchung zeigte sich, daſs die Wanddicke des Rohres bedeutend vermindert war; an der Bruchstelle selbst betrug sie noch 2mm,4, derselben gegenüber noch 5mm und an einer oberhalb des Kessels liegenden, also nicht dem Dampfdrücke ausgesetzten Stelle nur noch 1mm. Wie anzunehmen ist, wurde diese Verschwächung nur durch die Reibung der mit kräftigem Zuge durch das Rohr fegenden Kohlen- und Aschentheilchen verursacht. Der Zug wurde durch den Abdampf der Maschine hervorgerufen und die einseitige Abnutzung des Rohres erklärt sich daraus, daſs das Abdampfrohr von der Seite oberhalb der Kesseldecke in das Rauchrohr mündete, ohne daſs ein die Ablenkung nach oben bewirkendes Knie angeschlossen war. Der Kessel war alle 14 Tage gereinigt und überhaupt sorgfältig behandelt worden. Nur das Rauchrohr, an welches sich oben direkt ein eiserner Schornstein anschloſs, war nicht näher untersucht worden, weil dasselbe nicht gut zugänglich war und man eine wesentliche Abnutzung desselben nicht vermuthete. Das Rohr wurde in der Folge durch ein Eisenrohr ersetzt; dasselbe soll auch nach und nach bei den zahlreichen gleich gebauten Kesseln ausgeführt werden.

Es zeigte sich also in diesem Falle, daſs Kupfer, obgleich es seiner gröſseren Feuerbeständigkeit wegen für ein derartiges Rauchrohr vor dem Eisen den Vorzug zu verdienen scheint, doch hierzu (wenigstens bei scharfem Zuge) nicht geeignet ist, weil es sich durch die mechanische Einwirkung der daran reibenden Körperchen schneller abnutzt als Eisen.

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