Titel: Verfahren, um vegetabilischen Fasern ein seidenartiges Aussehen zu geben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 13 (S. 475–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi10_13
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Verfahren, um vegetabilischen Fasern ein seidenartiges Aussehen zu geben.

Dieses Verfahren ist Gegenstand eines englischen Patentes von W. E. Gedge in London und hat nach dem Deutschen Wollen-Gewerbe, 1883 S. 1650 den Zweck, die rohen Pflanzenfasern zu bleichen und durch einen Animalisationsprozeſs nicht allein zur Farbstoffanziehung zu befähigen, sondern auch bezüglich der äuſseren Eigenschaften der Seide ähnlich zu machen.

Das Bleichen geschieht durch auf einander folgende Behandlung mit Natronlauge, Salzsäure und unterchlorigsaurem Natron, das Animalisiren durch Tränken mit Zuckerlösung, Trocknen und darauf folgende Einwirkung eines Gemisches von Stickoxydgas (soll wohl heiſsen: salpetriger Säure) und Schwefelsäure, wobei aus dem Zucker Nitrosaccharose, aus dem Zellstoffe Binitrocellulose gebildet werden sollen.

Die Idee der Anwendung des Nitrozuckers ist – wie Referent hervorheben möchte – nicht neu und wurde letztere schon vor 2 Jahren von L. Bonneville in Paris angegeben (vgl. D. R. P. Kl. 8 Nr. 16036 vom 26. Februar 1881). Zudem operirt letzterer jedenfalls rationeller, indem er die Faser mit schon zum Voraus nitrirtem Zucker beizt. Ob die direkte Nitrirung der mit Zucker gebeizten Textilstoffe unter Hereinziehung der Cellulose selber in den Nitrirungsprozeſs, wie sie im Patente angerathen, praktisch zu empfehlen ist, wäre zu erwägen. Die schon von Kuhlmann vorgeschlagene Methode der Nitrocellulosebildung behufs Ermöglichung der Fixation der (basischen) Anilinfarbstoffe ist wenigstens bis jetzt industriell nicht ausgebeutet worden.

Die nitrirten Pflanzenfasern werden ausgespült, in kochende Seifenlösung getaucht und gewaschen. Die so animalisirten Textilfabrikate werden, obgleich sie schon an und für sich Farbstoffe anziehen sollen, noch in Tannin gebeizt und letzteres mit Brechweinstein fixirt. Dieses Salz soll, falls die vegetabilische Faser mit Seide vermischt war, der letzteren beim Färben eine gewisse Menge Antimon abgeben, wobei die porösen und attractiven Eigenschaften verringert werden. – Das Antimon dient doch wohl nur als Befestigungsmittel des Tannins und geht nachher beim Färben nicht mehr von der Faser weg.

Die präparirte Faser wird schlieſslich allein oder mit Seide und Seidenabfall vermischt und kardirt. Zu diesem Zwecke wird sie mit folgenden Stoffen angefeuchtet: reines Wasser, Olivenölseife, Glycerin, Jungfernwachs, alle zu einer dickflüssigen Masse vereinigt, zu welcher man je nach der Güte der vermischten Fasern mehr oder weniger Bienenwachs fügt.

S.

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